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Allgemein interessierenden  Angaben über die

Entstehung von Extrem-Hochwasserereignissen und damit und in 

Zusammenhang stehenden Informationen:

 

Wie es zur Entstehung von Extrem-Hochwasserereignissen am Beispiel des 

Hochwassers August 2002 

aus meteorologischer Sicht kommt, erklärt der nachfolgende  Artikel sehr gut.

 

  Quelle: Deutscher Wetterdienst • Geschäftsfeld Landwirtschaft •  Frankfurter Str. 135 • 

  63067 Offenbach am Main •   Fax-Nr.: (069) - 8062 4482 • E-Mail: landwirtschaft@dwd.de
 

 

Hochwasser August 2002

      

    Bodenfeuchte                                                                                                                                          Niederschlag 24-stündig    

 

 

 

 

In den zwei Abbildungen sind die Startbedingungen zu den Jahrhunderthochwassern an der Elbe und Donau dargestellt. Die Vorgeschichte spiegelt sich sehr gut in der Bodenfeuchte vom 11.8.2002 wider, denn die Böden hatten im Böhmerwald und im Erzgebirge bereits 100 % nutzbarer Feldkapazität, was für einen feuchten Witterungsverlauf in der 1. Augustdekade spricht, der dazu führte, dass die Böden kein Wasser mehr binden konnten. Alle nun zusätzlich fallenden Niederschläge versickern im Boden und kommen der Grundwasserbildung zugute oder werden bei starken Niederschlägen und besonders im gegliederten Gelände fast ausschliesslich als Abfluss in die Flüsse weitergeleitet. Zu dieser ungünstigen Wasserspeichermöglichkeit kam nun der extrem starke und flächendeckende Niederschlag mit Maxima von über 300 mm im Erzgebirge. Auch in der Tschechischen Republik und Östereich fielen am 12.8.2002 verbreitet über 100 mm Niederschlag. Durch die Nord-Süd Orientierung des Starkniederschlagsgebietes waren das gesamte Einzugsgebiete der Elbe und einige Einzugsgebiete von Nebenflüssen der Donau betroffen. Selbst wenn die Böden noch Wasser hätten aufnehmen können, um einen Teil der Niederschläge zu speichern, so wäre es bei den höchsten jemals in Deutschland gemessenen Tagesniederschlägen auch zu verheerenden Hochwassern gekommen, weil die Versickerungsschwindigkeit des Wassers zu klein gewesen wäre, um z.B. 100 mm Wasser innerhalb von 6 Stunden (gemessen in Zinnwald) aufzunehmen.

Hier eine kurze Überschlagsrechnung bezogen auf sandigen Lehm und Gras. Das Gras kann bis in eine Tiefe von 60 cm Wasser über die Wurzeln aufnehmen, daher soll diese Bodenschicht genauer betrachtet werden. Die Saugspannung der Wurzeln ist nicht stark genug, um das gesamte in der Schicht befindliche Wasser zu nutzen, so dass ca. 78 mm immer in dieser Schicht verweilen. Der Boden kann ca. 222 mm Wasser halten (100 % nutzbare Feldkapazität) und bei noch höheren Wassergehalten wird das Wasser weiter in tiefere Schichten versickert. Sind alle Luftporen mit Wasser gefüllt, so passen maximal 260 mm Wasser in die 60 cm dicke Bodenschicht (Wassersättigung des Bodens) und hier wird dann das Wasser mit maximal möglicher Versickerungsgeschwindigkeit (bei sandigem Lehm ca. 50 mm/Tag), die bei jeder Bodenart anders ist, in tiefere Schichten verlagert. Langfristig kann ein Boden nur bis zu 100 % nFK speichern, bei höheren Bodenfeuchten wird das überschüssige Wasser je nach Versickerungsgeschwindigkeit nur mittelfristig zwischengespeichert und gelangt irgendwann ins Grundwasser, welches im gegliederten Gelände ebenfalls als Abflussquelle zur Verfügung steht. Somit konnte praktisch bis auf einen kleinen Zwischenspeicher von 38 mm kein Wasser im Boden längerfristig gespeichert werden und der Niederschlag ging praktisch komplett in den Abfluss.

Diese Überschlagsbetrachtung galt für ebenes Gelände und ist für geneigte Flächen beliebig kompliziert, da je nach Hangneigung und Bewuchs das Wasser unterschiedlich schnell zum Abfluss kommt oder zwischengespeichert wird. Bei Überschreitung von Niederschlagsschwellen wird alles zusätzliche Wasser dem besonders schädlichen direkten Wasserabfluss von der Oberfläche zugeführt, der zu den Hochwasserflutwellen führt.

 

Meist sind Extremhochwasserereignisse auf Extremwetterlagen übe Europa zurückzuführen

Prof. Dr. Grünewald, Leiter des Lehrstuhls für Hydrologie und Wasserwirtschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus ist der Meinung, dass derartige Ereignisse wenig mit menschlichen Klimaveränderungen zu tun haben.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau", 31.8.2002, Seite 28                                                                                                                                                                                                                                                         

Gewässerdaten zu Elbe, Oder und Rhein

Webseite zeigt Pegelstände und Wasserqualität vieler Flussabschnitte

                                             

Koblenz. Wieviel Wasser täglich Rhein, EIbe und Oder hinunter­fließt, können Nutzer auf der Internetseite "Undine" der Bundes­anstalt für Gewässerkunde nachlesen. Dort sind die Wasserstände und Durchflussmengen an verschiedenen Flussabschnitten er­fasst.

Zudem gebe es Informationen zu früheren Hoch- und Niedrigwassern, teilte die Behörde in Koblenz mit.

Veröffentlicht werden unter anderem die aktuelle Wassertemperatur sowie Messwerte einzelner Pegelstationen zur chemisch-physikalischen Zusammensetzung des Wassers. Dazu zählen etwa der pH-Wert und der Stauerstoffgehalt.dra

Im Internet: www.undine.bafg.de

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 27.01.2012

  

Um zukünftig die katastrophalen Folgen derartiger  Extrem-Hochwasserereignisse zu mildern fordert Prof.Grünewald nachstehende Maßnahmen:

 

                                                                                  

 

 

 

Wie eng der Zusammenhang zwischen Hochwasserereignissen (z.B. die Elbe-Flut 

2002) und dem Seebeben Weihnachten 2004 in Südostasien zu sehen ist, wird 

erst  nach Lesen des nachfolgenden Beitrags (Lausitzer Rundschau, 15.01.2005) deutlich:

 

Von Fluch und Faszination des Wassers

BTU-Professor Uwe Grünewald:

Viele Parallelen zwischen Flutwelle in Südostasien und Elbe-Hochwasser /

Hoffnung auf Katastrophen-Weltkonferenz

 

Als Hydrologie-Professor Uwe Grünewald von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) von dem Tsunamie-Unglück in Südostasien erfuhr, schoss ihm sofort der Gedanke an das Elbe­Hochwasser 2002 in den Kopf. Und er ahnte schreckliche Parallelen. Fehlende Information, falsche Bebauung - darüber hatte er sich in den letzten Jahren als Mitglied im Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge fast den Mund fusselig geredet. Und an einer Studie zur Hochwasservorsorge in Deutschland mitgearbeitet. Jetzt hofft er, dass die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge nächste Woche in Kobe (Japan) - wo 1995 ein schweres Erdbeben war - dabei hilft, der Welt die Augen zu öffnen.

 VON STEFFI SCHUBERT

Wasser - das ist die Lieblingsmaterie von Uwe Grünewald. Es schlän­gelt sich durch sein Leben wie ein blauer Faden, an dem er sich immer festgehalten hat: erst Wasserbau­facharbeiter-Lehre, dann Hydrolo­gie-Studium und einige wissen­schaftliche "Wasser-Stationen" in Dresden und Berlin. Und seit elf Jahren Professor für Hydrologie und Wasserwirtschaft an der Cottbuser Uni.

                                           

Was das flüssige Element an sich hat, um ihn so zu faszinieren, weiß der 60-Jährige selbst nicht so genau. Dass es allerdings so vielen Menschen den Tod bringen kann, macht auch Wasser-Experten Grünewald betroffen. "Es ist schockierend zu sehen, was in Südostasien pas­siert ist", sagt er. "Für mich ist es aber auch immer wieder sehr frustrie­rend, dass die Menschheit aus solchen und an­ deren Naturereignissen keine Lehren gezogen hat.“­

Naturereignis - dieses Wort verwendet er Hilfe bewusst, auch für das schreckliche Seebeben.

Mit Begriffen wie Naturkatastrophe Katastrophen. oder gar Monsterwelle hat er so seine Probleme. "Ich halte es da mit dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch, der mal gesagt hat: ,Die Natur kennt keine Katastrophen. Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt"', sagt Grünewald. 

"Denn Tsunamis kommen durch die Plattentektonik genauso in der Natur vor wie Hochwasser, und das schon seit tausenden von Jahren. Nur der Mensch sei "so dämlich" und setze sich den Ereignissen oft unvorbereitet und leichtsinnig aus, immer wieder. Dann werde das Naturereignis zum Schadensereignis, zum Medienereignis, teilweise zum Politikereignis und dann komme das große Vergessen. 

„Wir sind offensichtlich zu dumm, die Natur in ihrer Komplexität und Vielfalt zu begreifen.“

 Deutliche Worte, die in seinem Büro an der BTU fallen. Man merkt, das Thema ist fast schon sein Steckenpferd. Hat er sich doch in den letzten Jahren eingehend mit ,,0­derflut 1997" und der "Elbeflut 2002" beschäftigt. "Es ist traurig und bedrückend, wie viele Parallelen man jetzt ziehen kann", sagt er. "Wenn nur an einige Punkte bei der Vorsorge gedacht worden wäre, hätten viele Menschenleben gerettet werden können."

Aber ähnlich wie der Dresdner EIbepark im Überschwemmungsgebiet lag, seien die Hotelanlagen zum Beispiel in Thailand unmittelbar an den Strand gebaut worden. Dazu noch ohne entsprechende Bauvorsorge wie beispielsweise Stelzen. "Und genau an den gleichen Stellen werden sie jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit im Interesse der Tourismusbranche wieder genauso auf­gebaut", so der Professor.

"Oft zählt nur das Geld"

 "Ärgerlich, da merkt man wieder, dass oft nur Geld und Gewinn zählen."Wellenbrecher oder Schutzdämme wie in Japan habe es in Südasien ebenfalls nicht gegeben. Ganz zu schweigen von einem Frühwarnsystem, wie es im Pazifik funktioniert und jetzt auch im Indischen Ozean eingerichtet werden soll. Doch, was fast noch schlimmer ist: Viele der Sachsen wie auch der Thailand-Urlauber haben nichts von der Möglichkeit des Auftretens solcher extremer Naturereignisse gewusst. "Eine Information vom Reiseveranstalter oder Schilder am Strand hätten schon geholfen", sagt Grünewald. "Doch alle haben sich sicher gefühlt, entweder aus Unkenntnis, Ignoranz oder weil seit Jahren nichts mehr passiert ist."

 

                          

                        Katastrophenmanagement am Beispiel: Hochwasser (nach U.Grünewald)

Der Hydrologe kennt sich aus, ist er doch neben seiner Lehrtätigkeit auch in Gremien wie der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DW A) oder im Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV) aktiv. Im DKKV ist er Experte für Hochwasser und war im November 2003 maßgeblich an einer Studie zur "Hochwasservorsorge in Deutschland" beteiligt, die Lehren der EIbeflut 2002 zieht - erstmals eine Gesamtschau zum Thema. Mit dieser zog er durch die Lande, hielt immer wieder Vorträge in Schulen, vor Gremien und in Landtagen.

Sie wurde an Politiker ins In- und Ausland geschickt. Man begeistert. Doch allzu viel hat sich seiner Ansicht nach nicht getan: "Oft scheitert es schon an den Zuständigkeiten. In Deutschland hat zum Beispiel jedes Bundesland seine eigene (Hoch-) Wassergesetzgebung, manche Flüsse fließen aber durch vier oder mehr Bundesländer." Und irgendwie hat Grünewald das Gefühl, dass das "Sachsenhochwasser", das immerhin Tote und etwa 10 Milliarden Euro Schaden forderte, schon fast verqessen sei. "Bedauerlich, dass die Menschen aus solch extremen Ereignissen nichts lernen", sagt er beinahe resigniert.

Damit das in den asiatischen Seebeben-Gebieten anders wird, hofft er in der nächsten Woche auf  die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge in Kobe (Japan), an der das DKKV als deutsche Vertretung beteiligt ist: "Ursprünglich war als Thema Erdbeben geplant, aber jetzt wird man auf die aktuellen Ereignis­se umschwenken." Er selbst wird nicht dabei sein: "Ich kann während des laufenden Semesters als Hoch­schullehrer nicht überall sein."

Münchner Hochwassermesse

Dafür wird er am kommenden Mittwoch beim 2. Internationalen Kon­gress für Klimafolgen und Katastrophenschutz auf der Hochwassermesse "acqua alta" in München sein und dort wieder eines seiner Hauptthemen - die Hochwasservorsorge im Elbegebiet nach der Flut 2002 ­präsentieren. Denn er sieht es als seine Aufgabe an, zu vermitteln, zu sensibilisieren und zu informieren.

Damit solch tödlicher Leichtsinn und solche Ignoranz gegenüber Naturgefahren wie in Sachsen und Asien nicht wieder passieren.

Und damit sich auch die jungen Leute auskennen: Denn das Seebeben war natürlich auch Thema in den Vorlesungen an der BTU, passte im 8. Semester zur gerade behandelten Hochwasserwahrscheinlichkeitsanalyse. Und ein Student antwortete tatsächlich auf die Frage, was man gegen Tsunamis machen könne, mit: "Nichts!" 

Da war es für Prof. Grünewald wieder einmal so weit: Er schüttelte seine Trümpfe aus dem Ärmel - DKKV-Arbeits­blätter über Schutzdämme und Tsunami-Informationssysteme in Japan und den USA. Damit auch der letzte Cottbuser Student Bescheid weiß.

 

Hintergrund

Das DKKV und die Weltkonferenz in Kobe

Das Deutsche Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV) ist eine nationale Plattform zur Vorsorge von Katastrophen in Deutschland und Mittler zu internationalen Organisationen auf diesem Gebiet.

Das DKKV unterstützt Forschungsansätze und die Entwicklung von Instrumenten zur Katastrophenvorsorge sowie die Verbreitung der Erkenntnisse.

Ziel ist die Integration der Katastrophenvorsorge in das Denken und Handeln von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.

Das DKKV hat 39 ehrenamtliche Komiteemitglieder, darunter der Cottbuser BTU-Professor Uwe Grünewald.

Die Studie „Hochwasservorsorge in Deutschland“ ist erhältlich bei der DKKV-Geschäftsstelle, Tulpenfeld 4, 53113 Bonn, Telefon: 0228/2 43 48 27, 

E-Mail: info@dkkv.org.

Internet: www.dkkv.org

Informationen über die Weltkonferenz in Kobe (18. – 22. Januar) unter www.dkkv.org

Links DKKV-News und Infoblatt.

 

Neben dem millionenfachen Leid (es sind etwa 162.000 Todesopfer zu beklagen), 

das der Tsunami  über die Region brachte, sind die Auswirkungen der 

Katastrophe auf die Natur und Umwelt noch nicht abzuschätzen. 

 

Ein kurzer Abriss zu dieser Problematik:

 

Neben technischen Hilfsmittel zur frühzeitigen Warnung sollte der Mensch auch 

vom Tierreich lernen. Dazu ein kurzer Beitrag:

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.01.05

Bei Naturkatastrophen kann der Mensch vom Tier lernen

 Leipziger Biologe: Seebeben kündigte sich an

LEIPZIG. Die Tierwelt besitzt Frühwarnsysteme auch für den Fall einer Naturkatastrophe. "Tiere sind mit unterschiedlichen Sensorsystemen ausgestattet, die zum Teil unabhängig voneinander arbeiten und als Sicherung für alle überlebenswichtigen Funktionen dienen", sagte Gottfried Hoh­mann, Biologe am Max­Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Dazu gehörten nicht nur Tastsinn, Gehör und Geschmack, sondern auch Rezeptoren, die auf Veränderungen bei Luftdruck und Feuchtigkeit reagieren. "Trotz aller Technik vermag der Mensch Anzeichen drohender Katastrophen nur unzureichend wahrzunehmen oder zu interpretieren."

Hinsichtlich des Seebebens in Südasien sagte Hohmann: "Nachdem, was wir heute wissen, hat es im Vorfeld unterschiedliche Signale für das Beben gegeben, zum Beispiel die ungewöhnliche Ebbe. Das sind Zeichen, die für den Menschen erkennbar sein müssten."

Das Problem der Zivilisation bestehe wohl in erster Linie darin

"nicht mehr richtig hinzuschauen".

Das Überleben von Tieren hänge ausschließlich davon ab, ob die angeborenen Schutzmechanismen in Extremsituationen funktionieren. Sonst überlebe die Art nicht. In den vergangenen Tagen wurde wiederholt davon berichtet, dass in Sri Lanka Tiere kaum zu den Opfern der Flutwelle gehörten. Sie hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. "Bei den Elefanten ist anzunehmen, dass sie das Geräusch der Welle hörten. Sie können über große Entfernungen Infraschall über ihre Knochen registrieren", sagt der Biologe. Die Tiere würden sich auch gegenseitig beobachten und warnen. (dpa/mat)

Anmerkung: Die Hervorhebungen in den Texten sind vom Betreiber der Homepage vorgenommen worden.

 

Hochwasserschutz in Brandenburg:

 

Hochwasserrisiko für Fließgewässer

POTSDAM Für rund 2212 Kilometer Fließgewässer besteht in Brandenburg ein potentielles Hochwasserrisiko. Neben den bereits bekannten 2005 Gewässer-Kilometern sind weitere 207 Kilometer nach einer Untersuchung des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) als risikobehaftet identifiziert worden. Das Landesamt hatte mehr als 10000 Kilometer Fließgewässerstrecke systematisch auf potenzielle Hochwasserrisiken geprüft. Das sei laut Umweltministein Anita Tack (Linke) der erste wichtige Schritt für einen nachhaltigen Hochwasserschutz in Brandenburg. pm/abr

Quelle: Lausitz am Sonntag, 01.01.2012

 Anmerkung: Diese „risikobehafteten“ Gewässerabschnitte waren sicherlich schon immer  bekannt.

 

 

Länder müssen bis Jahresende Hochwasser- Risikogebiete kartieren

Cottbus. Bis Jahresende müssen Brandenburg und Sachsen die zweite Stufe einer EU-Richtlinie zum Hochwasserschutz umgesetzt haben. Die umfasst eine genaue Kartierung potenzieller Hochwassergebiete mit detaillierten Angaben zu Gefahren und Risiken. Auf der Grundlage dieser Karten sollen die Länder bis Ende 2015 Risikomanagement-Pläne entwickeln, die Maßnahmen enthalten, um Hochwasserschäden zu verringern oder ganz zu vermeiden. Dazu gehört auch, potenzielle Überflutungsflächen zu benennen und Entschädigungen zu regeln. Das Landesumweltamt Brandenburg erwartet intensive Diskussionen mit Flächennutzern, wenn die Hochwasserkarten vorliegen. Sim

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.10.2013

 

Zwischen Katastrophe und Verdrängung

EU-Vorgabe zwingt zu langfristiger Planung im Umgang mit Hochwassergefahr / Schwerpunkt-Projekt in der Lausitz ist Schwarze Elster

Cottbus  2002, 2010, 2013. Drei Mal in wenigen Jahren suchte Hochwasser Brandenburg und Sachsen heim. Diese Erfahrung scheint einen Strategiewechsel im Umgang mit den Flüssen zu befördern. Konflikte sind dabei unvermeidlich.

Ein Bilderbuchtermin bei strahlendem Sonnenschein. Vor wenigen Tagen übergab Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) bei Mühlberg (Elbe-Elster) einen neuen Elbe-Deich. Er ist ein wichtiger Schritt, um im südwestlichen Zipfel Brandenburgs an der Elbe eine Überflutungsfläche mit einem Aufnahmevermögen von drei Millionen Kubikmetern Wasser zu schaffen. Dorthin könnte sich künftig ein Teil des Flusses ergießen, wenn er wie zuletzt im Juni (2013) weit über das normale Maß anschwillt.

Schon 2002 war das der Fall. Die Elbe stand wie jetzt im Juni bei Mühlberg mit zehn Metern Wasserhöhe an der Dammkrone. Nur knapp entging die Kleinstadt in beiden Fällen einer Katastrophe. Die Überflutungsfläche bei Mühlberg zeigt nun den Strategiewechsel im Kampf gegen Flutsituationen.

"Je höher die Deiche, um so höher und schneller wird eine Flutwelle", sagt Professor Matthias Freude, Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes. Statt höhere Dämme zu bauen, werde deshalb Flächen gesucht, die im Notfall schnell Wassermassen aufnehmen können um der Flutwelle die Spitze zu nehmen. "Das letzte Hochwasser hat dazu geführt, dass jetzt alle in diese Richtung denken", ist sich Freude sicher.

Professor Uwe Grünewald, langjähriger Lehrstuhlinhaber und heute noch Gastprofessor an der BTU Cottbus-Senftenberg, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema. Er fordert schon lange mehr Vorsorge als Schutz gegen Hochwasser. Denn hinter einem Deich sei man nicht immer sicher: "Deiche können brechen, das muss mit bedacht werden", so der Fachmann. Sachsen-Anhalt habe das gerade an der Elbe schmerzhaft erleben müssen.

Der Hydrologe beklagt auch, dass es beim Thema Hochwasser-Vorsorge viel zu langsam vorangehe. "Wenn das Wasser da ist, stehen die Politiker auf den Deichen ", so Grünewald. "Wenn das Wasser dann weg ist, wird die Gefahr wieder verdrängt."

Ein Anhaltspunkt dafür, dass Grünewald mit seiner Kritik in die richtige Richtung weist, ist die jetzt erfolgte Ausschreibung von sechs unbefristeten Stellen in der Hochwasserabteilung des Brandenburger Landesumweltamtes. Die neuen Mitarbeiter sollen sich um Planung und Bauleitung vor allem an Elbe und Schwarzer Elster kümmern.

Denn bis Ende 2015 müssen alle Bundesländer, also auch Brandenburg und Sachsen, eine EU-Richtlinie zum Hochwasser-Risikomanagement umsetzen. Vor Jahren schon hat die EU diese Richtlinie als Konsequenz mehrerer Hochwasserkatastrophen in Europa erlassen. Ende dieses Jahres schon sollen zur Umsetzung der Richtlinie alle überschwemmungsgefährdeten Flächen in Karten exakt erfasst sein.

"Wenn diese Karten vorliegen, wird es sicher heftige Diskussionen geben", sagt Wolfgang Genehr, Chef der Regionalabteilung Süd des Brandenburger Landesumweltamtes in Cottbus. Denn die Karten würden per Gesetz festgeschrieben. Was mancher Lausitzer ahnte und vielleicht verdängte, bekommt er schwarz auf weiß in die Hand: Sein Grundstück, Acker, Wald oder Wiese sind hochwassergefährdet.

Auf diesem Wissen sollen die Risikomanagementpläne aufbauen. Dabei geht es nach Auffassung von Professor Grünewald um eine zentrale Frage: "Wie viel Sicherheit wollen wir zu welchem Preis und wie gehen wir mit dem Restrisiko um." Ohne technische Schutzwälle an einigen Stellen werde man nicht auskommen.

Beispiel Guben. In der Alten Poststraße, die mitten in der Stadt direkt an der Neiße liegt, wird eine Spundwand voraussichtlich noch in diesem Jahr errichtet. Bei jedem Neißehochwasser der vergangenen Jahre kämpften Feuerwehr und Anwohner hier mit Sandsäcken um eine Häuserzeile.

An anderen Stellen wird es weit schwieriger werden. Beispiel Schwarze Elster. Ein Fluß, der zu 99 Prozent eingedeicht ist und deshalb keine Ausweichflächen habe. "Das ist deutschlandweit einmalig", sagt Brandenburgs Landesumweltamtschef Matthias Freude. Diese Situation zu ändern, werde deshalb ein Pilotprojekt.

Zunächst müssten dabei die Städte Herzberg, Bad Liebenwerde und Elsterwerda sicher gemacht werden. Anfang November soll für einen 30 Kilometer langen halbmondförmigen Damm um Herzberg herum die erste Planung zur Diskussion vorgelegt werden.

Ein Beispiel, wie viel Konfliktpotenzial in den Überschwemmungskarten und künftigen Managementplänen lauert, ist das Schradenland. Ein tief liegendes Gebiet mit landwirtschaftlicher Nutzung, durchflossen von der Pulsnitz, die in die Schwarze Elster mündet. Gräben und ein Schöpfwerk am tiefsten Punkt sollen dort den Wasserstand regulieren. Doch bei Hochwasser bricht das System zusammen, der Schraden säuft ab.

Für Amtsdirektor Thilo Richter (CDU) und die betroffenen Landwirte ist die Sache klar. Das Schöpfwerk müsse ertüchtigt und Biberschäden an den Deichen beseitigt werden. Dazu gebe es Untersuchungen. Außerdem werde ein Pulsnitz-Deich immer wieder an der selben Stelle überspült. "Warum wird da nicht aufgestockt", fragt Amtsdirektor Richter.

Das Landesumweltamt will jedoch erst Abhilfe schaffen, wenn 2015 auch für dieses Gebiet der Managementplan vorliegt. "Dort muss alles neu gemacht werden, ein neues Schöpfwerk allein löst nicht die Probleme", sagt Wolfgang Genehr von der Regionalabteilung Süd des Amtes. Thilo Richter, Amtsdirektor im Schradenland, hat für weiteres Abwarten indes kein Verständnis: "Das ist eine Enteignung auf nassen Füßen durch das Land."

Zum Thema:
Brandenburg Mit Unterstützung von EU und Bund hat Brandenburg seit 1997 rund 400 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Mehr als 200 Kilometer Deiche wurden saniert oder neu errichtet. Die Sanierung der Brandenburger Elbedeiche soll 2015 abgeschlossen werden. Notwendige Deicherhöhungen werden jedoch danach noch zehn Jahre lang dauern. Im September berieten die Umweltminister der Länder in Berlin über ein Nationales Hochwasserschutz-Programm. Ziel ist eine verbesserte Vorsorge durch Gewinn von Überflutungsflächen. Brandenburg setzt sich für eine begleitende Finanzierungsstrategie ein. Sachsen Sachsen hat rund 650 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Nach 2002 hat sich die Fläche der ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete im Freistaat verdoppelt (auf 65 000 Hektar). Dort dürfen keine Baugebiete ausgewiesen werden. Nach 2002 wurde das Speichervolumen der Talsperren und Rückhaltebecken von bis dato 112 Millionen Kubikmetern um weitere 50 Kubikmeter aufgestockt. Im Einzugsgebiet der Elbe soll es 27 Deichrückverlegungen geben, die dem Fluss 1250 Hektar Land als Überflutungsfläche zurückgeben. Die meisten Projekte davon sind noch in Planung, nur zwei (rund 110 Hektar) sind bisher realisiert.

Simone Wendler

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.10.2013

 

Lausitzer Seenkette nur begrenzt hilfreich

Geringes Gefälle und kleine Überleiter schränken Nutzung der Tagebauseen für Hochwasserabwehr ein

Cottbus Im Auftrag des Brandenburger Umweltministeriums hat Professor Uwe Grünewald von der BTU Cottbus-Senftenberg zusammen mit Kollegen das Potenzial der Lausitzer Restloch-Seenkette für eine dauerhafte Nutzung zur Hochwasserregulierung untersucht. Zwar kommt in der Seenkette nur eine geringe Höhe von etwa einem halben Meter Wasserstand als Nutzraum infrage.

Verbindungskanal zwischen Partwitzer und Neuwieser See. Foto: LMBV

Doch durch die große Ausdehnung der Seen zwischen Sachsen und Brandenburg kommt trotzdem ein großes Volumen zusammen.

In der Vergangenheit wurde dieses auch schon genutzt, um Hochwasserwellen die Spitze zu nehmen. Zum Beispiel im August und September 2010. Damals flossen mehr als fünf Millionen Kubikmeter aus der Neiße in den Berzdorfer See. Die Spree wurde von fast siebeneinhalb Millionen Kubikmetern Wasser entlastet, die in die sächsischen Speicher Dreiweibern und Lohsa II umgeleitet wurden. Aus der Schwarzen Elster flossen rund 13 Millionen Kubikmeter in den Geierswalder See.

Für eine dauerhafte Nutzung der Bergbauseen sieht Wolfgang Genehr von der Regionalabteilung Süd des Brandenburger Landesumweltamtes jedoch mehrere praktische Hindernisse. "Das Wasser müsste schnell wieder aus den Seen raus, damit der Stauraum zur Verfügung steht, wenn das nächste Hochwasser kommt", beschreibt Genehr ein Problem.

Bei Talsperren sei das einfach. Sie seien direkt in den Flusslauf eingebunden, mit großem Gefälle zwischen oberer Staukante und dem tief gelegenen Auslauf.

Bei den Tagebauseen seien die Überleiter von relativ geringer Dimension und mit wenig Gefälle. "Wir haben dazu weitere Untersuchungen begonnen, um herauszufinden, ob es da eine Lösung gibt", so Genehr.

Ein weiteres Problem sei die Verbindung der Seen miteinander. Steuervorgänge würden dadurch schwieriger. Geklärt werden müsse auch, wie sich durch eine Nutzung zur Hochwasserregulierung eventuell die Wasserqualität in der Restlochkette verändert und andere bergtechnische Probleme. "Die Tagebaurestlöcher sind ja nicht als Speicherbecken gebaut worden", gibt Genehr zu bedenken.sim

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.10.2013

 

Katastrophenschützer ziehen Lehren aus dem Hochwasserkampf

Soziale Netzwerke als Kommunikationsmittel gelobt

Cottbus. Es war Zufall: Die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz plante genau in dem Moment eine Großschadensübung für die Euroregion Spree- Neiße-Bober, als sich tatsächlich schweres Hochwasser ankündigte. Die Dozenten der Akademie blieben vor Ort, beobachteten den Ernstfall und werteten ihn jetzt mit Cottbuser Katastrophenschützern und diversen Behörden aus.

Erstes Ergebnis: Bewährt haben sich auch die sozialen Netzwerke: Nach einem Aufruf auf Facebook erschienen mehrere Hundert Menschen an der Sandsackfüllstation und waren spontan bereit, sich zu beteiligen.

Gefordert wird die Anpassung der Alarmstufen und Pegelstände an die Cottbuser Bedingungen sowie mehr Personal für

das  Landesumweltamt.

 

Anm.: Beim Personal ist das Augenmerk auf Qualität und nicht so sehr auf Quantität zu richten.

 

Der Leiter des Verwaltungsstabes, der Beigeordnete Lothar Nicht, sagte: "Ich wünsche mir  natürlich kein erneutes Hochwasser, aber wenn es komnt weiß ich, dass wir in Cottbus gut vorbereitet sind. red/hil

Quelle: Lausitzer Rundschau, 15.02.2014

 

Brandenburg will mehr Geld für vorbeugenden Hochwasserschutz

Postdam  Hochwasser kennt keine Landesgrenzen. Extreme Wetterlagen verursachten in den vergangenen Jahren immense Schäden - auch in Brandenburg. Zur Vorsorge braucht es nach Ansicht der Umweltministerin aber mehr Geld, als der Bund geben will.

 

Die brandenburgische Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) spricht während einer Hochwasserschutz-Konferenz in der Potsdamer Staatskanzlei.

Foto: Archivfoto: Robert Schlesinger (dpa-Zentralbild)

Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) hat vom Bund mehr Geld für den vorbeugenden Hochwasserschutz verlangt. Kurzfristige Hilfsfonds lösten nicht die Probleme, sagte Tack der Nachrichtenagentur dpa. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte vergangene Woche Finanzmittel in Höhe von 1,2 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre in Aussicht gestellt. «Wir und auch andere Länder gehen davon aus, dass es länger dauern und mehr kosten wird», sagte Tack. Die Länder hatten die Gesamtkosten bis 2027 auf etwa 5,5 Milliarden Euro geschätzt.

Auf der Umweltministerkonferenz am Donnerstag und Freitag
(23./24.10.2014) in Heidelberg will Brandenburg einen entsprechenden Änderungsantrag einbringen. Bundestag und Bundesregierung sollen nachdrücklich gebeten werden, eine auskömmliche Finanzierung und ausreichend Zeit für den Hochwasserschutz festzulegen. «Zahlen und ein Zeitplan sind notwendig. Investitionen in diesem Bereich sind ein Beitrag zur Daseinsvorsorge und eine Generationenaufgabe», sagte Tack.

Allein die Beseitigung der Schäden an der Elbe im Sommer 2002 und an Elbe, Donau und Rhein im Juni 2013 betrugen nach Bundesangaben ohne Versicherungsschäden 20 Milliarden Euro. 

Brandenburg hat insgesamt neun Projekte eingereicht, die in dem Programm berücksichtigt werden sollen. Dazu zählt unter anderem die Rückverlegung des Deiches an der Schwarzen Elster, die Nutzung von Tagebaurestseen oder die Beseitigung von Schwachstellen an der Elbe in Wittenberge. Die kalkulierten Maßnahmen bis 2021 betragen etwa 90 Millionen Euro. Um alle Maßnahmen über 2017 hinaus zu erledigen, werden 440 Millionen Euro veranschlagt.
dpa

Quelle: Lausitzer Rundschau, 21.10.2014

 

 

Naturgewalt-Schäden kosten Versicherer 2014 zwei Milliarden Euro

 

Berlin (dpa) Für die Schäden von Naturgewalten haben die Sachversicherer im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Euro gezahlt.

 

 

Pfingststurm Ela hinterließ umgekippte Bäume und pure Verwüstung wie hier in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten

Diese Schätzzahl nannte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Freitag in Berlin. Damit kamen die Gesellschaften deutlich günstiger davon als 2013. Damals hatten Hagelstürme und Hochwasser an Donau und Elbe die Schadenssumme auf 5,7 Milliarden Euro anwachsen lassen.

Allein zwei Naturereignisse verursachten 2014 Schäden in Höhe von zusammen mehr als 500 Millionen Euro, so GDV-Präsident Alexander Erdland. 250 000 Schadensfälle gingen auf das Konto des Sturms «Ela» im Juli 2014. Bilanz: Rund 400 Millionen Euro.

Ein Starkregen Ende Juni, vor allem in Münster, führte zu 30 000 Schäden, für die die Versicherer mit 140 Millionen Euro einsprangen. Innerhalb weniger Stunden seien dort 292 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen - eine der größten Mengen, die je in Deutschland gemessen worden seien.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 02.01.2015

 

Fluthilfe bis Juni (2015)

Das Hochwasser 2013 ist noch nicht bewältigt. Jetzt wurde die Frist für Hilfsanträge verlängert

Das Hochwasser vom Juni 2013 in Süd- und Ostdeutschland war die teuerste Naturkatastrophe des Jahres weltweit. Zwar wird der Fluthilfefonds von acht Milliarden Euro wohl nicht ganz ausgeschöpft, aber die finanzielle Bewältigung der Schäden ist aufgrund schleppender AntragsteIlung immer noch nicht abgeschlossen. Längst nicht alle Hilfsanträge sind bearbeitet. Die Flut, sie spielt inden betroffenenKommunen immer noch eine große Rolle.

In Sachsen-Anhalt haben jetzt deshalb nicht nur Kommunen, sondern auch Privatleute für Hilfsanträge bis zum 30. Juni 2015 Zeit. Die Extremflut richtete an EIbe und Saale Schäden von mehr als zwei Milliarden Euro an. Bewilligt wurden bisher 614 Millionen Euro, ausbezahlt erst 278 Millionen Euro. Laut Landesverwaltungsamt wurden 1944 Anträge gestellt, davon rund 60 Prozent abgearbeitet. "Mit den großen Brocken rechnen wir aber noch" , sagt Amtspräsident Thomas Pleye.

In Thüringen wurden Schäden in Höhe von 248 Millionen Euro gemeldet. Von 2880 Fällen sind 80 Prozent bearbeitet. 109 Millionen Euro Fluthilfe wurden schon bewilligt. Doch nur Kommunen können hier bis Ende Juni Hilfe beantragen.

In Sachsen bekam die Aufbaubank bis Jahresende 6294 Anträge von. Privatleuten, Unternehmen, Kirchen und Vereinen. 4407 sind bereits entschieden. Nur Kommunen können sich noch bis Ende Juni melden. Für 3750 Anträge wurden bisher 77 Millionen Euro ausbezahlt, bis 30. Juni werden 3 750 weitere erwartet.

 

Quelle: SuperIllu, 05.02.2015

 

Uni Potsdam drängt auf Umsiedlungsdebatte

Wissenschaftler analysieren Folgen der Hochwasser von 2002 und 2013 / Technischer Schutz häufig sehr teuer

Potsdam Nach den Hochwassern der vergangenen Jahre reagierte die Politik meist mit verbesserten Deichen und teils auch mehr Überflutungsflächen. Umsiedlungen aus theoretisch stark gefährdeten Regionen scheinen tabu. Eine Debatte genau darüber fordern jetzt aber Forscher aus Potsdam.

Nach den Überflutungen an Elbe, Donau und Saale im Sommer 2013 haben Experten der Universität Potsdam am Donnerstag zu einer neuen Debatte über Umsiedlungen von Hochwasser betroffener Ortschaften aufgerufen. Bislang seien nur die Ortschaft Röderau-Süd in der Nähe von Dresden und das an der Donau gelegene Isarmünd wegen Hochwassergefahr umgesiedelt worden. In beiden Fällen war der technische Schutz der Ortslagen durch Deichbauten so teuer, dass die Umsiedlung den kostengünstigeren Weg darstellte. "Wenn die Bevölkerung einzelner, kleiner Stadtteile hinter der Umsiedlung steht, sollte die Politik dafür einen Weg der Finanzierung finden", so die Potsdamer Professorin für Geografie und Naturrisikenforschung, Annegret Thieken.

Die Wissenschaftlerin leitete in den vergangenen Monaten ein mit 330 000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstütztes Projekt zur Erforschung von Konsequenzen aus den Flutkatastrophen der Jahre 2002 und 2013. Thieken und der Geschäftsführer des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge, Axel Rottländer, plädierten dafür, die Zeit bis zum nächsten Hochwasser für eine bessere Aufklärung und Vorsorge zu nutzen. In Deutschland lebten zehn Prozent der Bevölkerung in einem Gebiet mit Hochwasserrisiko. 70 Prozent dieser Menschen hätten sich über die Hochwassergefahr informiert, aber nur 30 bis 40 Prozent Schutzmaßnahmen ergriffen. Dabei sei manches eigentlich eine Selbstverständlichkeit:"Wer in einem gefährdeten Gebiet lebt, sollte in eine hochwassergeschützte Heizungsanlage investieren", sagte Thieken. Öltanks könnten für rund 3000 Euro vor Fluten geschützt werden. "Das rentiert sich schon nach einer Überflutung", sagte die Wissenschaftlerin. "Wenn ein Öltank bei einem Hochwasser zerstört wird, kann der Schaden in die Hunderttausende gehen." Auch sollten Anwohner, deren Häuser hochwassergefährdet sind, keine Sauna und kein Arbeitszimmer mit wichtigen Unterlagen in ihren Kellern errichten. "Keller sollten nur so genutzt werden, dass sie schnell geräumt werden können." Bei der Konzeption von Hochwasserschutzmaßnahmen sollte auch die örtliche Bevölkerung besser und stärker von den Behörden einbezogen werden. "Lokale Interessen, Erfahrungen und Kenntnisse sollten in die Schutzmaßnahmen einfließen", so Thieken.

Gestoppt werden sollten nach Ansicht der Wissenschaftler dagegen sämtliche Neubauprojekte in Gefahrenzonen.

"Es geht darum, das Schadenspotenzial zu reduzieren", sagte Thieken. Alle Bundesländer hätten potenzielle Überflutungsgebiete ausgewiesen.

Unter bestimmten Ausnahmeregelungen seien dort aber immer noch Neubauten möglich.

"Diese Ausnahmen gehören auf die Waagschale", so Thieken.

Sie sollten am besten gestrichen werden.

"Denn auch weiterhin gilt: Hochwasser sind natürliche Ereignisse – Hochwasserschäden aber sind es nicht."

Benjamin Lassiwe

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 20.02.2015

 

Europa verpflichtet Länder zu mehr Engagement beim Hochwasserschutz

Brandenburg gibt Spree-Anrainern Überblick zu Risikomanagement-Plänen und Gefahrenkarten / Allein im Spreewald sind 69 Kommunen von Vorhaben betroffen

Cottbus Europa macht Ernst in Sachen Hochwasserschutz. Nach Jahrzehnten mit extremen Überschwemmungen und Milliardenschäden hat die EU im Jahre 2007 mit ihrer Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie die Mitgliedsländer zum stärkeren Handeln verpflichtet.

 

Hochwassser-Alarm in Spremberg im August 2010: Die Bänke am Spreeufer stehen unter Wasser. Foto: dpa

In Deutschland sind die Bundesländer gegenwärtig dabei, Risikomanagementpläne bis Ende 2015 zu erstellen. Sie sollen in den Folgejahren mit konkreten Schutzmaßnahmen in möglichen Überschwemmungsgebieten untersetzt werden.

Während der regionalen Hochwasser-Konferenz für Südbrandenburg am Donnerstagnachmittag im Audimax der BTU Cottbus-Senftenberg erhielten Vertreter von Landkreisen, Kommunen und Verbänden einen Einblick in die Arbeit zur Erstellung von Gefahren- und Risikokarten. Nach Angaben von Frank Trosien vom Landesumweltamt hätten in Brandenburg 149 Gewässerabschnitte mit einer Gesamtlänge von 2212 Kilometern betrachtet werden müssen.

Für die Spree habe dies das Gebiet von der Landesgrenze zu Sachsen über Spremberg, Cottbus und den Spreewald bis ins Dahme-Seenland bei Berlin betroffen. Für diese Region seien unter anderem Modelle für den Niederschlagsabfluss und digitale Geländemodelle erstellt worden.

Daraus haben sich bereits konkrete Maßnahmen abgeleitet, die in die Risikopläne eingeflossen sind. Trosien verweist darauf, dass in den weiter gefassten ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten Neubauten nicht mehr möglich sein sollen, und auch Sanierungen von Bauten in gefährdeten Gebieten eingeschränkt werden. Auf den bereits vorliegenden Gefahren- und Risikokarten für Spremberg, Cottbus, Lübbenau oder Lübben ist ersichtlich, dass es Schutzmaßnahmen in Städten auf längeren Flussabschnitten ebenso geben wird wie die Sicherung einzelner Gebäude. Hierzu kommt, dass die lange geforderte Ausweisung von Überschwemmungsflächen mit festgelegt wird.

Dass all dies mit erheblichen Kosten verbunden sein wird, steht außer Frage. Deshalb verweist der Lausitzer Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese im Audimax darauf, dass auf Drängen der SPD-Fraktion für die Jahre 2016 bis 2018 insgesamt 300 Millionen Euro für den Hochwasserschutz in den Haushalt eingestellt wurden. Freese hatte Anfang März im Haushaltsausschuss des Bundestages als SPD-Berichterstatter für den Landwirtschaftshaushalt aus eigener Spremberger Erfahrung auf die Dringlichkeit der Finanzausstattung in diesem Bereich hingewiesen.

Dass die Auseinandersetzungen über konkrete Schritte des Hochwasserschutzes erst noch bevorstehen, darüber sind sich die Landesbeamten im Klaren. Allein im Spreewald sind 69 Gemeinden von den Schutzmaßnahmen betroffen. Hinzu kommen Verhandlungen über Entschädigungen für Flächen, die dem Hochwasserschutz dienen sollen. Nach Trosiens Einschätzung wird darüber auf der Grundlage eines Zwischenberichtes 2016 beraten werden.

Zum Thema:
Ziel der stringenten Vorgaben der EU für das Hochwasserrisikomanagement ist es, hochwasserbedingte Risiken für die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten zu verringern und zu bewältigen. Mit ihrer Richtlinie von 2007 reagiert die Europäische Kommission auf die extremen Hochwasserereignisse der letzten Jahre in vielen europäischen Flussgebieten.
Ch. Taubert

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 04.04.2015

 

Elementarschadenpolice lohnt sich – nicht nur in Hochwassergebieten

Berlin Immer wieder sorgen Naturgewalten wie der Orkan "Niklas" für schwere Schäden an Häusern. Nicht immer aber sind Hausbesitzer für solche Ereignisse ausreichend versichert, erklärt Arno Schubach von der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Wasser im Keller deckt die Elementarschadenversicherung ab. Foto: dpa

Zwar kommt eine Gebäudeversicherung bei Sturm für abgedeckte Dächer und Schäden durch umgestürzte Bäume auf. Sind durch das Unwetter aber Keller überflutet, hilft nur die Elementarschadenversicherung. Sie deckt zum Beispiel auch Schäden durch Rückstau ab.

"Viele Menschen verbinden die Elementarschadenversicherung vor allem mit Hochwasser", erklärt Schubach. Und wer nicht in einem typischen Hochwassergebiet lebt, sehe die Police womöglich als Ausgabe an, die er sich sparen kann. Das kann im Ernstfall aber teuer werden. Neben Schäden durch Rückstau deckt eine solche Police auch Schäden durch Schneedruck, Erdsenkung, Erdbeben, Erdrutsch oder Lawinen ab. "Wer sich dies vor Augen führt, sollte eigentlich sofort erkennen, dass eine oder mehrere dieser Gefahren auch ihn treffen können", sagt der Versicherungsexperte.

Eine Elementarschadenversicherung wird in der Regel nicht als einzelner Vertrag, sondern als Zusatzbaustein zur Wohngebäude- und Hausratversicherung angeboten, erklärt der Gesamtverband deutscher Versicherungsunternehmen (GDV). Viele Versicherer bieten die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung bereits inklusive der Elementarschadenversicherung an. Wer sie nicht nutzen möchte, muss sie den Angaben zufolge gezielt abwählen. dpa

Quelle: Lausitzer Rundschau, 16.04.2015

 

 

Millionen für einen besseren Hochwasserschutz

Wie Bund und Länder eine neue "Jahrhundertflut" vermeiden wollen

Berlin Überschwemmungen, Deichbrüche, Verkehrschaos: Das letzte schwere Hochwasser traf Deutschland 2013. Nun wollen Bund und Länder Elbe, Rhein und Donau sicherer machen. Das wird Jahrzehnte dauern und Milliarden kosten. Die RUNDSCHAU klärt auf.

 

Mehr Platz für Flüsse: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU, l.) zeigt Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), wie das aussieht. Foto: dpa

2002 watete der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit Gummistiefeln durch den überschwemmten Osten. Seinerzeit war bereits von einer "Jahrhundertflut" die Rede. Die Folgen des nächsten "Jahrhunderthochwassers" musste dann Angela Merkel (CDU) 2013 meistern. Jetzt will die Regierung laut Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) diese Wörter nicht mehr verwenden. Denn Bund und Länder haben ein umfangreiches Hochwasserschutzprogramm beschlossen.

Wie viel Geld steht für das Programm bereit?
Eigentlich ist der Schutz vor den Fluten Ländersache, deswegen liegen auch die Kosten bei den Ländern, wie Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung in Berlin anmerkte. Doch die Katastrophe von 2013 hat die Gemengelage geändert: Der Bund wird nun bis 2018 zusätzlich 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um den überregionalen Hochwasserschutz voranzutreiben. In den nächsten 15 bis 20 Jahren sollen die Investitionen auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro ansteigen. Der Anteil des Bundes beträgt 60 Prozent.

Was ist konkret geplant?
Das Programm sieht vor, Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser rund 20 000 Hektar zusätzlichen Raum zu geben. Das sind die fünf Flüsse, die durch die meisten Bundesländer fließen. Gelingen soll dies durch Deichverlegungen und die Schaffung neuer Überflutungsflächen, Polder genannt. Außerdem sollen Schwachstellen an bestehenden Schutzanlagen beseitigt werden. Insgesamt sind in den nächsten Jahren 85 Großprojekte geplant, 15 Bauvorhaben an Elbe, Rhein und Donau wurden bereits begonnen. Kosten dafür: rund 500 Millionen Euro.

Welches Ziel verfolgt das Programm?
Bund und Länder wollen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Zu enge Flussbette, keine Überlaufflächen, zu nah an die Flüsse gebaute Wohn- und Gewerbegebiete haben die früheren Katastrophen mit verursacht. Mit dem Programm sollen daher die Zahl der Hochwasser deutlich reduziert und die milliardenschweren Folgekosten verringert werden.

Droht Widerstand gegen die Pläne?
Ja. Zum Beispiel von Landwirten, die ihre Flächen für Deichverlegungen oder Polder zur Verfügung stellen sollen. Laut Schmidt wird es bei Nutzungseinschränkungen finanzielle Entschädigungen geben. Auch plädiere der Bund für einen Flächenerwerb, wenn Deiche zurückgebaut würden. Zu möglichen Enteignungen wollten sich die Minister nicht konkret äußern.

Schützt das Programm rasch vor Überschwemmungen?
Nein. Laut Hendricks könnten neue sommerliche Starkregen "zu vergleichbaren Hochwassern führen" wie 2013. "Dann ist das Einzige, was wir sagen können: Wir haben das Problem erkannt, und wir haben mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen."

Wird auch bei der Bewältigung von Flutkosten besser kooperiert?
Das werde weiter von Fall zu Fall zwischen Bund und Ländern entschieden, so Hendricks. Das Hochwasser vor zwei Jahren verursachte Schäden in Höhe von acht Milliarden Euro.
Hagen Strauß

Quelle: Lausitzer Rundschau. 29.04.2015

 

Allianz rechnet mit Gewinnsteigerung

München Geringe Schäden und der Verkauf einer US-Tochter heben die Zuversicht bei Europas größtem Versicherer Allianz. Im laufenden Jahr soll der operative Gewinn nun 10,8 Milliarden Euro erreichen, wie der neue Vorstandschef Oliver Bäte am Freitag (07.08.2015) in München ankündigte.

Das ist das obere Ende der bisher ausgegebenen Spanne von zehn bis 10,8 Milliarden Euro.

Getrieben werden die verbesserten Aussichten  von vergleichsweise geringen Schäden durch Naturkatastrophen.

In den Monaten April bis Juni 2015 legte der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich wuchs der Überschuss überraschend stark um 15 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro. Während die Allianz im Schaden- und Unfallgeschäft deutlich mehr verdiente, verbuchte sie in der Lebens- und Krankenversicherung sowie der Vermögensverwaltung Einbußen. dpa/s

Quelle: Lausitzer Rundschau, 09.09.2015

 

Anm. : Der Klimawandel und seine Folgen legten wohl eine Pause ein .

 

 

 

 

 

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