Informationen zu Hochwasserereignissen  in der Spree 

 

 

 

Nicht nur in den großen Strömen gibt es Hochwassersituationen, nein –

bei einer entsprechenden Niederschlagsverteilung können derartige Ereignisse, wenn auch in abgeschwächter Form in kleineren Flüssen, wie in der Spree auftreten.

 

 

Im Zusammenhang mit der „Jahrhundertflut“ 2002 in der Elbe beschäftigten sich einige Printmedien mit der Hochwassersituation in der Spree.

 

Als  erste Regionalzeitung reagierte die Lausitzer Rundschau am 25.08.2003 auf Fragen des Hochwasserschutzes in der Stadt Cottbus:

„ Wir können nicht warten“

 

Cottbus plante schon vor der Elbe-Katastrophe umfangreicheren Hochwasser-Schutz

 

Die Tierpark-Elefanten stünden im Wasser, die Autos der Energie-Spieler hinter der Stadion-Tribüne auch und viele Sandower hätten ebenfalls nasse Füße - Hochwasser-Szenario an der Spree in Cottbus. Doch so schlimm wie an der Elbe und ihren Zuflüssen dürfte es am Cottbuser Hauptfluss nicht werden, sagen Fachleute. Dennoch hinterlässt die Katastrophe entlang der Elbe auch in Cottbus Spuren.

 

VON JAN GLOßMANN

                                                    

Gemächlich plätschert die Spree durch Cottbus. Acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde transportiert der Fluss im Normalfall.

                                              

                                                     Pegel Cottbus - Sandower Brücke

              

Doch nicht nur deshalb hinken die Vergleiche zwischen beiden Flüsse, ist für Cottbus ein Hochwasser mit Folgen wie in Dresden oder Grimma nicht zu befürchten - normalerweise.

 

Jutta Schnabel erklärt: "Die Spree entspringt bei Löbau. Sie hat keine Zuflüsse aus dem Gebirge wie die Elbe und kein so großes Einzugsgebiet."

 

Auch das nachgeschaltete Talsperren-System mit Bautzen, Quitzdorf und Spremberg bietet gute Möglichkeiten, Wasser zu stauen und zu kontrollieren.

 

Allein die Talsperre Spremberg fasst knapp 43 Million Kubikmeter Wasser, davon sind 19 Millionen Kubikmeter so genannter Hochwasser-Rückhalt. Zusätzlich böten Tagebau-Restlöcher in der Lausitz, so bei Lohsa oder Burghammer Platz für Flutwasser. 

 

Gesteuert werde auch über die vier in Cottbus gebauten Wehre bei Madlow, Kiekebusch sowie das Kleine in Sandow und das Große Spreewehr bei Schmellwitz. Trotz der Vorsorge wird ,,das Hochwasser-Dokument ständig überarbeitet". Schließlich erlebten die Elbe-Anwohner genau so wie die Fachleute eine Wassermenge, die um das Zehnfache höher lag als alle vorausberechneten Szenarien.

 

Der Normalpegel der Spree Cottbus liegt bei etwa einem Meter. Vier Alarmstufen sind festgelegt, die anhand der Pegelstände ausgerufen werden. Bei den Alarmstufen I (Pegel 2,30 Meter) sowie II (2,70 m) und III (3,10 rn) merken die Cottbuser noch nicht all zu viel. Doch ab der Stufe IV (3,50 Meter) hat ein Katastrophenstab das Sagen. Der entscheidet dann über Deichschutz oder Evakuierungen.
Die Stadt sei aber nicht erst seit dem Elbe-Hochwasser dabei, ihren Hochwasserschutz auszubauen, sagt Jutta Schnabel.

 

. Es gebe seit längerem Überlegungen, einen Grundbestand an Sandsäcken, Schaufeln und  Taschenlampen für den Hochwasser-Notfall anzulegen. Unklar ist die Finanzierung. Derzeit gibt es ein Zentrallager in Beeskow, aus dem im Bedarfsfall das Material geholt wird.

. Einmal jährlich gibt es Deichschauen durch Fachleute aus Behörden und Ämtern.

 

. Die Wasserbehörde prüft sowohl den Flächennutzungsplan als auch Bebauungspläne.
  

Gebaut werden darf in Deichbereichen gar nicht; es müssen mindestens fünf Meter  Schutzstreifen  bleiben.

 

"Da wird auch durchgegriffen", sagt Jutta Schnabel. Zuletzt musste ein Bauherr in Skadow umplanen, der am Deich bauen wollte.

 

. Ein Praktikant erfasst seit etwa einem halben Jahr Institutionen, Betriebe und Einrichtungen, die  bei einem Spree Hochwasser gefährdet sein könnten und möglicherweise evakuiert werden müssten. Diese Einrichtungen werden künftig durch den Hochwasser-Meldedienst benachrichtigt.

 

. Gearbeitet wird an einem "Entsiegelungsprogramm " - wo möglich, soll durch Beton abgedeckter  Boden wieder zum natürlichen Wasserabfluss werden.

 

. Illegal befahrene Wege an Deichen und in der Spreeaue, beispielsweise in Höhe der Deponie bei Saspow, werden künftig gesperrt,

 

. Konfliktträchtig, aber aus Sicht der Wasserbehörde notwendig: In verschiedenen Deichabschnitten   müssen Bäume gefällt und Sträucher gekappt werden. 

 

Jutta Schnabel: "Der Bereich um den Madlower Badesee bis zum Stadtring ist extrem bewachsen. Hier könnte das Hochwasser nicht ungehindert versickern." Hier müssen ebenso wie zwischen Döbbrick und Maiberg Konflikte mit dem Naturschutz ausgetragen "und alle unter einen Hut" gebracht werden. Jutta Schnabel: "Das Elbe-Hochwasser zeigt, dass wir damit nicht warten können."

 

Hintergrund

 

Die Spree in der Stadt

 

Die Spree fließt auf einer Länge von insgesamt 25 Kilometern durch Cottbus. Sie kommt von Gallinchen/Madlow am südlichen Stadtrand und plätschert hinter Maiberg im Norden in Richtung Spreewaldaus dem Stadtgebiet heraus. Sie wird „begleitet“ von etwa 30 Kilometer Deichen. Insgesamt gibt es im Cottbuser Stadtgebiet 240 Kilometer Gewässer.

 

 

 

Ergänzend schreibt die Zeitung „Der Märkische Bote“ am 05.10.2002 dazu Folgendes:

 

 

Spree bei Jahrhundertflut: Land unter

 

Bei einem Jahrhundert-Hochwasser wären Überschwemmungen

schlimmer als im Sommer 1981

 

Gefahr vor allem für Spremberg und Spreewald / Jüngste Erfahrungen des Elbhochwassers genutzt

 

Region (gk). Die jüngsten Hochwasserfluten, die vor allem in Sachsen verheerende Schäden verursacht haben stimmten auch viele Anwohner entlang der Spree nachdenklich.

Eines ist sicher: Eine derartige Hochwasserkatastrophe ist für die Spree unwahrscheinlich, da sie nicht das Gefälle und damit die reißende Wirkung wie die Weißeritz oder die Mulde hat. Großflächige Überflutungen sind jedoch auch für die Lausitz nicht auszuschließen. Das Sommerhochwasser im Juli1981 war nur ein sogenanntes 50jähriges Hochwasser und kein 100jähriges wie in den aktuell betroffenen Regionen. Wer also mit seinem Grundstück 1981 kurz davor stand, "nasse Füße“ zu bekommen, den trifft es dann in jedem Fall.

 

Glück im Unglück

 

"Auch wir sind nur knapp einer Hochwasserflut entkommen", gibt Siegfried Plume von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Spree-Neiße zu bedenken. Diese "5 B- Wetterlage mit Niederschlagsmengen von bis zu 312 Liter pro Quadratmeter innerhalb kürzester Zeit kam aus dem Süden (Italien). Wäre diese Unwetterfront nur 30 bis 40 Kilometer weiter östlich verlaufen, hätte sie voll das Einzugsgebiet der Spree erreicht.

Die Talsperre in Bautzen hat einen Betriebsstauraum von 24,2  Millionen Kubikmeter plus 5,4 Millionen Kubikmeter Hochwasserstaureserve. Die Spremberger Talsperre verfügt über einen Betriebsstauraum von 20,4 Millionen Kubikmeter und hat eine Hochwasserreserve von 19 Millionen Kubikmeter. Dies klingt aber nur nach viel: einer Jahrhundertflut, bei z.B. 230 Kubikmeter pro Sekunde die Spree hinunterrauschen, ist diese Staureserve vor den Toren von Cottbus schon in knapp 24 Stunden erschöpft. "Cottbus ist durch seine Deiche weitestgehend sicher“, so Siegmar Tilgner, Dezernatsleiter des Landesumweltamtes Brandenburg in Cottbus. Die Auswirkungen für Cottbus und den Spreewald hängen im besonderen Maße von der Länge der Hochwasserwelle und der mitgeführten Wassermenge ab. Auch Jahreszeit und Bewuchs  der Überflutungsflächen beeinflussen den Hochwasserverlauf und die Pegelhöhe.

Etwa zwei Tage benötigt die Hochwasserwelle von der Bautzener bis zur Spremberger Talsperre. Diese Zeit kann noch genutzt werden, um in der Spremberger Talsperre zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Beim Hochwasser 1981 wurden am Pegel Spremberg Durchflussmengen von 182 Kubik- metern pro Sekunde registriert. Normal sind im Sommer etwa  9,5 Kubikmeter. Die Pegelhöhe lag damals bei 4,80 Meter damit knapp drei Meter über Mittelwasser.

Das Elbehochwasser hat bei den Verantwortlichen schon zu ersten konkreten Ergebnissen geführt. Siegmar Tilgner: „Bebauung von Rückhalteflächen der Flußläufe wird nicht genehmigt. Weitere Reserveflächen werden geschaffen. Dazu werden Deiche zwischen Cottbus und dem Spreewald zurückverlegt. Bei Maiberg werden die alten Flussarme wieder aktiviert. Für diesen Bereich nutzen wir die Erfahrungen speziell des Elbdeiches am 'Bösen Ort', wo die Elbe einen Knick von fast 90 Grad macht."

 

 

"Nach uns die Sintflut"

 

Wie die GRÜNE Heimatzeitung von Siegmar Tilgner erfuhr, wird eine neue EU-Richttlinie vorbereitet. Sie sieht vor, dass ein wasserwirtschaftliches Gesamtvorhaben wie das der Spree wieder in eine Hand gegeben wird. Dies war schon zu DDR-Zeiten gängige Praxis.

Der Vorteil ist, dass nicht mehr eine Region sagen kann: "Nach uns die Sintflut", sondern dass die Steuerung des gesamten  Flusslaufes nach dem Gesichtspunkt erfolgt: Wo richtet eine Flut, so sie kommt, die geringsten Schäden an?

Die Flutung der Tagebaurestlöcher bietet für den Hochwasserschutz nur begrenzte Entlastungsmöglichkeiten, da maximal 20 Kubikmeter pro Sekunde aus der Spree auf diesem Weg abgeleitet werden können. Das Projekt der Flutung der Tagebaurestlöcher hat vielmehr einen Vorteil für die Versorgung der Spree in niederschlagschwachen Zeiten. Wenn die sächsischen Tagebaue Lohsa II, Burghammer, Dreiweibern und Scheibe in gut fünf Jahren gefüllt sind, wird diese Seenlandschaft die Regulierungsfunktion für die Spree übernehmen. Dies, so Tilgner, sei wesentlich schneller als erwartet möglich, da der Grundwasserspiegel im Bereich Hoyerswerda/Senftenberg schneller steigt als geplant. Nach den jüngsten Festlegungen im Umweltausschuss des Landkreises Spree-Neiße darf erst Spreewasser für die Füllung der Tagebaurestlöcher entnommen werden, wenn die Spree am Ableiter mehr als acht  Kubikmeter Wasser führt. Diese Mindestmenge ist erforderlich, um den Wasserhaushalt der Spree zu gewährleisten.

                             

 

 

 

 

Hochwasser mit verheerenden Folgen

Von Sven Hering

 

 

Cottbus An der Talsperre in Spremberg werden derzeit 30 Kubikmeter Wasser je Sekunde abgelassen – dreimal so viel wie normal. Im Spreewald sei nun mit größerer Fließgeschwindigkeit und erhöhtem Wasserstand zu rechnen. Darauf, so das Umweltministerium, müssten sich die Anwohner einstellen. Die Zeiten, als die Bewohner in der Cottbuser Region um Leib und Leben fürchten mussten, dokumentiert der Saspower Hobbyhistoriker Bernd Kamenz gegenwärtig.

 

                   

 

 

Eine Grußkarte aus dem Jahr 1897 über die Überschwemmung in Sandow. Archivfoto: Stadtarchiv Cottbus

»Wir müssen immer auf ein Hochwasserereignis gefasst sein«, sagt Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd im Landesumweltamt. »Nur weil wir in den vergangenen 30 Jahren kein Hochwasser in der Stadt Cottbus hatten, können wir nicht automatisch davon ausgehen, dass das auch künftig so sein wird«, warnt er und verteidigt die von Umweltschützern kritisierten Arbeiten an der Spree.

Im Jahr 1496, so hat es Hobbyhistoriker Bernd Kamenz beim Studium und Übersetzen alter Dokumente, vor allem aber der niedersorbischen Zeitung »Bramborski Casnik« herausgefunden, ist die Stadt Cottbus von einem Hochwasser mit fürchterlichen Auswirkungen heimgesucht worden. Allein 2000 Menschen seien nach dem Hochwasser gestorben, das Fieber, Ohnmacht und Seuchen mit sich gebracht habe.

Eine weitere Entdeckung in den alten Zeitdokumenten: Am 22. Dezember 1769 hatte die Spree ein derart heftiges Hochwasser, dass oberhalb der Mühle (altes Elektrizitätswerk) die Deiche brachen und so das alte Flussbett trocken blieb. Über ein halbes Jahr mussten alle das Getreide bei Grabjenc, dem Besitzer der Markgrafenmühle, und bei Radlicks (früherer Name der Kutzeburger Mühle bei Gallinchen) mahlen lassen. Die Stoffe seien bis nach Spremberg zur Walke gebracht worden, die Felle zum Gerben nach Guben und Lübbenau.

Am 11. Februar 1892 hatte es vor allem Burg erwischt. »Bei solch einem schrecklichen Hochwasser ist die Herbstsaat wieder verloren. Die teuren Dämme zwischen Striesow und Fehrow sind gebrochen und jetzt gluckert das Wasser auf Wiesen und Felder, dass alles wieder ein See wird«, schrieb die Zeitung. Döbbrick erwischte es ein paar Jahre später noch schlimmer. Am 4. November 1897 vermeldete Bramborski Casnik: »Nichts als Wasser, großer Schaden und viele Leute ertrunken.« Doch die Leute rückten bei der Katastrophe auch enger zusammen. Schmellwitzer, Skadower und einige Saspower, Maiberger, Drehnower und Fehrower kamen zur Hilfe. »Am Abend war wieder alles ausgespült, die ganze Arbeit wieder umsonst. Wir hatten etwas an Erfahrung gewonnen, aber die Lust zur Arbeit verloren, und ohne ein Wörtchen gingen die Leute auseinander«, schrieb der damalige Bürgermeister Martin Pöschk. 50 Meter der Dammlänge mussten nach dem Hochwasser neu aufgebaut werden. »Erinnert sei noch an einen Willmersdorfer, der hier zu Besuch war und gerne helfen wollte, aber keine Zeit hatte. Er gab fünf Mark für die Unglücklichen, und dabei war er selbst ein kürzlich abgebrannter«, so der Bürgermeister.

 

 

Im Jahr 1930 hat ein Hochwasser die Madlower Brücke zerstört. Die Luftaufnahme belegt das Ausmaß der Katastrophe. Archivfoto: Stadtarchiv Cottbus

 

Auch am 24. Juni 1926 wütete die Natur. In Cottbus lief das Wasser in die Fabriken, die Arbeiten wurden eingestellt. Durch das Hochwasser, so die Zeitung, wurden zwei tote Kinder angeschwemmt. In Guben fanden Beerdigungen mit dem Kahn statt. Die Gegend zwischen Peitz und Heinersbrück war ein einziger großer See. Das Schützenfest war in Gefahr, weil der neue Schießstand in Peitz unter Wasser stand. Tuchfabriken standen still, weil das Wasser die Kessel gelöscht hatte. Drei Telegrafenarbeiter wurden vom Blitz getroffen.

Am 5. August beklagte die Zeitung die enormen materiellen Schäden für die Bauern. »Die Bauern hatten schon mit großem Aufwand alles umgepflügt und mit Runkelrüben bepflanzt. Jetzt droht ihnen wieder der Ruin«, hieß es.

 

 

Hobbyhistoriker Bernd Kamenz hat alte Dokumente gesichtet. Foto: Hering

 

Am 23. Dezember 1926 beschloss der Kreistag in Cottbus, sich mit einer Petition an die Regierung zu wenden, damit durch die Eindämmung und Ausbesserung der Flüsse und durch den Bau von Kanälen die Spreewald-Region künftig vor Hochwasser geschützt wird.

Am 26.Juli 1928 listete die Wendische Zeitung exem plarisch auf, welcher Schaden einem Bauern durch das Hochwasser entstanden war. Den Ausgaben von 105 Mark (darunter Pachtgebühren von 30 Mark, ein halber Zentner Getreide 18 Mark, ein Viertel Liter Schnaps 4 Mark) standen Einnahmen von 60 Mark gegenüber. Verlust: 45 Mark.

 

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 15.06.2010

 

 

Hochwasserschutz soll verbessert werden

 

Potsdam. Brandenburg will durch ein Risikomanagement den Hochwasserschutz ver­bessern. Im Landtag wurde am Freitag (02.07.2010) ein entsprechender Antrag der Fraktionen von SPD und Linksfraktion ange­nommen. Danach soll die Zu­sammenarbeit in den internationalen Kommissionen zum Schutz von Elbe und Oder intensiviert werden. Das Land will sich auch für die Einberu­fung einer nationalen Hoch­wasserschutzkonferenz einsetzen. Umweltministerin Anita Tack (Linke) begrüßte ausdrücklich das Interesse an dem Thema. dpa/mb

 

Quelle: LausitzerRundschau, 03.07.2010

 

 

 

 

Nachfolgend ein :

 

 

Vergleich der Hochwasserstände in der Spree

 

            Pegel                           Hochwasserstände +) beim Hochwasser

            Gewässer                     1930    1945    1947    1958    1965    1974    1981

 

            Bautzen                        -          292      334      291      316      317      370

            Spree

 

            Gröditz                        316      281      303      292      252      282      398

            Löb. Wasser

 

            Lieske                         574      -          -          528      472     516      620

            Spree

 

            Krobnitz                      -          -          -          200      260      -          291

            Schw. Schöps

 

            Jänkendorf ++)              -          -          235      260      260      191      261

            Schw. Schöps

 

            Särichen                      -          -          -          -          250      208      258

            Weiß. Schöps

 

            Boxberg                      -          -          -          426      362      344      448

            Schw. Schöps

 

            Spremberg                   502      472      390      432      356      390      462

            Pfortenplatz

            Spree

 

            Cottbus                       373      372      304      335      310      298      354

            Sandow. Brücke

            Spree

 

+)  bezogen auf den gegenwärtigen Pegelnullpunkt in cm

 

++) durch Gewässerausbau oberhalb beinflußt

 

Die bedeutendsten Hochwässer der letzten 100 Jahre waren jedoch die Hochwässer von

1897, 1930 und möglicherweise von 1946. Zu diesen Hochwässern lässt sich kein lückenloser Vergleich durchführen.

 

Weiterhin sei angefügt, dass am früheren Pegel Cottbus UP das HW 1930 = 428 cm und

das HW 1897 = 389 cm bezogen auf den derzeitigen PN  betragen hat.

 

Quelle: Artikel "Entwicklung des Julihochwassers 1981 in der Lausitzer Neiße und in der oberen 

Spree"  von Dipl. Ing. Günther Wiesner, erschienen in "Gewässerkundliches Jahrbuch, Teil1: 

 

Wassermenge-Oberflächengewässer  1981", herausgegeben von der Wasserwirtschaftsdirektion 

 

Obere Elbe-Neiße Dresden 1983

 

 

Der nachstehende Artikels befasst sich mit der Gefahrenwarnung vor Hochwässern im Raum 

 

Cottbus:

 

Hochwasserschutz in Cottbus sorgt Behörde

 

Landesumweltamt fürchtet extreme Wetterlage

 

COTTBUS. Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd im Landesumweltamt mit  Sitz in Cottbus, sorgt sich um den Hochwasserschutz in Cottbus. 

 

Am 24. Juni (richtig ist Juli) 1981 war der Pegel der Spree auf 3,22 Meter 

(nach der vorliegenden Wasserstands-Abfluss-Beziehung würde das einem Durchfluss von etwa 140 Kubikmeter pro Sekunde entsprechen) angestiegen. 

 

An der Ableselatte der Sandower Brücke wurden 1,69 Meter über Normal gemessen. 

 

Wasserwirtschaftler und Neugierige beobachteten die sich vorwärts wälzenden Wassermassen, die in wenigen Tagen abflossen und auf ihrem Weg in den Spreewald manche Anrainerwiese unter Wasser setzten.

"Sollten wir einmal ein 5b­Wetter haben - das sind stark mit Feuchtigkeit angereicherte Luftmassen, die sich über der Oberlausitz ergießen - stehen ganz Sandow und Kiekebusch unter Wasser, trotz der Dämme", erklärte Genehr während der Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Cottbus am Dienstagabend.

 

 "Etwa 140 Kubikmeter Wasser je Sekunde kriegen wir durch die Stadt. Bei einem 5b-Wetter würden nach unseren Hochrechnungen aber 200 bis 250 Kubikmeter je Sekunde durch die Spree fließen."

 

Den Hochwasserschutz zu verbessern, sei indes schwierig, sagte Genehr. Vielerorts reiche die Wohngebietsbebauung bis direkt an die Spree heran. Zudem müsse zwischen Natur- und Hochwasserschutzbelangen abgewogen werden.

 

Extreme nehmen zu

 

Nach Beobachtungen des Landesumweltamtes ist die durchschnittliche Niederschlagsmenge in der Region in den vergangenen 16 Jahren etwa konstant geblieben. "Wir registrieren inzwischen aber kürzere und heftigere Niederschläge"

(???), sagte Genehr. "Das führt dazu, dass sich kaum Grundwasser neu bildet, weil das Wasser direkt über die Oberflächen in die Flüsse strömt und dann wegfließt." Die Landschaft habe dadurch nichts davon.

 

Der Ansturm der Paddler auf den Spreewald bereitet dem Landesumweltamt ebenfalls Probleme. Die Paddelschläge schädigten die Ufer. "Da sind die Auswirkungen der Kähne oder kleiner Elektromotoren nichts dagegen", sagte Genehr. "Wir können Paddler aber nicht aus dem Biosphärenreservat vertreiben." Um den Druck aus dem  Spreewald zu nehmen, versuche die Behörde, Alternativen anzubieten. Dazu zählten auch Überlegungen, Altarme der Spree, die verschlossen worden waren, wieder zu öffnen und als Wasserwanderwege  zugänglich zu machen.

 

Millionen –Investitionen

 

Im vergangenen Jahr hat die Regionalabteilung Süd des Landesumweltamtes nach Angaben Genehrs Anträge mit einer Gesamtinvestitionssumme in Höhe von 730 Millionen Euro genehmigt. Dazu zählen demnach 155 immissionsrechtliche Genehmigungen, 31 wasserrechtliche zum Beispiel Kläranlagen und Wasserwerke und 72 Behörden-Stellungnahmen insbesondere zum Bergbau. "Auf dem Tisch hatten wir, unter anderem auch den Antrag für das geplante CO2 -arme Kraftwerk in Schwarze Pumpe und für neue Windkraftanlagen." Dabei würden die projektierten Windräder immer größer. Genehr: "Dadurch steigt auch der Lärmpegel. Wir werden uns deshalb Gedanken darüber machen, den Abstand zur Wohnbebauung zu vergrößern. Der wird nicht bleiben wie wir ihn einmal festgelegt hatten. "

 

Laut Genehr sind beim Landesumweltamt seit dessen Einrichtung im Jahr 1991  940 Stellen abgebaut worden. Das sei jede zweite. "Und das, obwohl allein in den vergangenen fünf, sechs Jahren etwa 200 neue Gesetze und Verordnungen hinzugekommen sind, sagte der studierte Geologe. "Das geht nicht spurlos an unserem Amt vorüber. Die Unternehmer und Behörden merken, dass wir Anträge nicht mehr so schnell abarbeiten können, wie wir es einmal gekonnt hatten. "

Etwa 248 Widerspruchs- und Klageverfahren seien landesweit angestrengt worden, davon allein in Cottbus 129, so Genehr. Das binde Persona. Rund 165 Mitarbeiter des Landesumweltamtes sind in Cottbus beschäftigt, die sich auf sieben Referate verteilen.

 

Jürgen Becker

 

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.02.2008

 

 

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick u.a. zur  Wirkung des Talsperrensystems Spree.

 

 

" 3.2.3 Wirkung des Talsperrensystems Spree

 

 

Durch die Talsperren Bautzen, Quitzdorf und Spremberg erfolgte eine beträchtliche

Rückhaltung des Hochwasserabflusses:

 

 

                                               Inhalt und Rückhalt der Talsperren

 

                                               Bautzen          Quitzdorf         Spremberg

                                               (Mio m3)        (Mio m3)          (Mio m3)

______________________________________________________________

 

Beginn des HW                       36,32               10,75               23,84

 

nach Eintreffen der                   45,08               20,20               17,27

1. HW-Welle am 24.7.1981                                                              

 

Rückhalt                                  8,76                9,45                13,43

 

nach Eintreffen der                   44,78               21,51               42,86

2. HW-Welle am 30.7.1981

 

Gesamtrückhalt                          8,46               10,76               19,02

 

 

Während des HW-Abflusses sind 38,24 Mio m3 , davon während des Ablaufes der 1. Welle 31,64 Mio m3   zurückgehalten worden. 

 

Würde diese Menge proportional analog der Abflußganglinie vom 19. bis zum 24.7.1981 aufgeteilt, dann würden die Hochwasserscheitel am Pegel

 

            Spremberg um   70 m3/s  und am Pegel

            Cottbus      um  122 m3/s 

 

größer gewesen sein.

 

Somit hätte das Hochwasserereignis vom Juli 1981 in Cottbus mit 225 – 240 m3/s die gleiche Größe wie das Ereignis von 1930 angenommen. "

 

 

Quelle: Artikel "Entwicklung des Julihochwassers 1981 in der Lausitzer Neiße und in der oberen 

 

Spree"  von Dipl. Ing. Günther Wiesner, erschienen in "Gewässerkundliches Jahrbuch, Teil1: 

 

Wassermenge-Oberflächengewässer  1981", herausgegeben von der Wasserwirtschaftsdirektion 

 

Obere Elbe-Neiße Dresden 1983

 

 

 

An dieser Stelle einige Gedanken (geäußert von Dipl. Ing. Günther Wiesner)

 

zum HW 1981:

 

 

"- Die Regenmenge reichte von etwa 100 mm bei Cottbus bis ca. 300 mm am Kottmar vom 18. bis 27.07.1981 mit zwei Regenpausen

.

 

- Der Pegel der Pließnitz hatte einen Höchststand wie 1966, als wir bei Nacht und 

 

  Morgendämmerung den Durchfluss des fallenden Astes gemessen haben.

 

 

Die HW-Scheitelhöhen der Pegel Gröditz und Lieske überschritten die bisher bekannten 

 

Höchststände (beobachtet seit 1927) um 0,82 m bzw. 0,46 m.

 

 

Der Wasserspiegel der TS Spremberg überflutete den Campingplatz Bagenz und    erreichte bei der 

 

Datschensiedlung (auf der Bagenzer Seite) die Höhe des Waldbodens.

 

 

In Anbetracht dessen empfinde ich die vorgenommene Bebauung der "Mühleninsel(?) in Sandow zwar sehr schön aber auch sehr gewagt."

 

 

Noch einmal etwas zum Hochwaserschutz in Cottbus:

 

 

 

Hochwasserschutz stellt Deichbäume in Frage

 

Schutzanlagen in Cottbus nicht funktionstüchtig

 

Cottbus (gg) Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt hat davor gewarnt, die Hochwassergefahr für Cottbus zu unterschätzen. Im Bauausschuss stellte seine Behörde diese Woche eine Untersuchung vor, nach der viele Deichabschnitte entlang der Spree funktionsuntüchtig, weil mit Büschen und Bäumen bewachsen, nicht befahrbar und deshalb für Katastropheneinsätze nicht tauglich seien.

 

Trotz der Tagebauseen und der Talsperre gäbe es ein theoretisches Risiko, dass auch Cottbus Hochwasser wie Dresden oder die Odergegend erleben könnte.

 

Die Abflüsse in die Tagebauseen seien durch die Rohrdurchmesser begrenzt, erklärte er.

 

In der nächsten Zukunft werden deshalb Rodungen von Deichbäumen vorbereitet.

 

 

Quelle: Märkischer Bote, 14.06.2008

 

 

Anmerkung:

 

In dem o.g. Bericht wurde auf die allgemeine Hochwassergefahr für den Raum  Cottbus 

 

hingewiesen.

 

 

Um jeglicher Panikmache vorzubeugen, sei an dieser Stelle Folgendes bemerkt:

 

Nur bei einem „worst case“ (der ungünstigste anzunehmende Fall) drohen große Teile von Cottbus überschwemmt zu werden.

 

 

Es muss an dieser Stelle klar gestellt werden, dass es einen absoluten  Hochwasser-

 

schutz nicht geben kann, da er unbezahlbar ist.

 

Deshalb sind Risikoabschätzungen unumgänglich, um Kosten und Nutzen

 

gegeneinander abwägen zu können. 

 

 

 

Beten für trockene Füße

 

Frühestens im Jahr 2015 wird Cottbus besser gegen Hochwasser geschützt sein  

 

 

                                                                                                                                                                                                                    

 

                 

Anmerk. des Verfassers:  Panikmache oder ???

 

 

Um höchsten Beistand für die Stadt Cottbus bittet Wolfgang Genehr immer sonntags. Dann schickt der Leiter der Regionalabteilung Süd des Landes­umweltamtes (LUA) ein Stoßgebet in Richtung Himmel. 

 

Sein Wunsch: Möglichst wenig Wasser in der Spree. Denn die Gefahr einer Hochwasserkatastrophe ist nach Meinung des Experten noch längst nicht gebannt.

 

Von Sven Hering

 

Rund acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde transportiert der Fluss im Normalfall durch Cottbus. Eine überschaubare und beherrschbare Menge - eigentlich. Doch die Experten vom Landesumweltamt haben auch ein anderes Szenario berechnet. 

 

"Wenn wir ein Hochwasser wie an Elbe und Oder bekommen, wird es schnell kritisch", sagt Wolfgang Genehr.

 

140 Kubikmeter Wasser pro Sekunde könne der Fluss noch schadlos abführen.

 

"Doch bei den Hochwasserkatastrophen an Oder und Elbe hatten wir mehr als 200 Kubikmeter je Sekunde", sagt Genehr.

 

In einem solchen Fall würden auch die Deiche nicht mehr helfen. 

 

"Dann stünde Cottbus voll unter Wasser." 

 

Nach derzeitigen Untersuchungen sind die Abschnitte bei Frauendorf, der gesamte an der Spree liegende Stadtbereich sowie das Gelände an den Rieselfeldern besonders gefährdet.

 

Seit der Jahrhundertflut im Jahr 2002 an der Elbe werden auch für den Südbrandenburger Raum die Bemühungen um einen besseren Hochwasserschutz verstärkt. Allerdings sind laut Landesumweltamt Planungen und Umsetzungen noch längst nicht so weit, wie sie eigentlich schon sein sollten. Derzeit wird eine Unmenge an Daten zusammengetragen, um ein digitales Gelände­modell zu erarbeiten, sagt Karin Hüppe, die für Hochwasserschutz zuständige Referentin. Die für den vergangenen Winter geplante Vermessung aus der Luft habe aber wegen zu häufiger Schneefälle ausfallen müssen. Die Befliegung soll in diesem Winter nachgeholt werden. Gearbeitet werde auch an einem Niederschlagsabflussmodell. Im Jahr 2014 rechnet das Landesumweltamt mit der Entwurfsplanung. In den Jahren 2015 und 2016 könnte dann endlich an den Deichen gebaut werden.

Bis dahin wollen die Hochwasserexperten allerdings nicht warten. So sind beim Landesumweltamt kurzfristige Aufgaben formuliert worden.

 

Wichtig ist laut Karin Hüppe, dass die Befahrbarkeit der Deiche gewährleistet wird.

An einigen Stellen reichen derzeit noch Zäune bis ans Flussbett, an anderen Stellen müssen Bäume und Sträucher entfernt werden. Ein Kompromiss mit den Anliegern sieht vor, zumindest einen Drei-Meter-Streifen zu beräumen. Langfristig sollen die Deichkronen befestigt werden. 

"Das ist wichtig, damit wir im Hochwasserfall auch mit schwerem Gerät bis an die Spree herankommen, um zum Beispiel Sandsäcke abzuladen", erklärt Wolfgang Genehr. An anderen Stellen sind die Deiche zu steil - dort muss die Böschung abgef1acht werden.

Das wiederum, so erklärt Genehr, kostet richtig Geld.

 

Pro Deichkilometer wird mit Kosten in Höhe von einer Million Euro kalkuliert. 

 

Zum Vergleich: Die Spree fließt auf einer Länge von insgesamt 25 Kilometern durch Cottbus, sie wird eingerahmt von etwa 30 Kilometern Deichen. Wenngleich Genehr in den kommenden Jahren ein Jahrhunderthochwasser nicht ausschließen will, bereitet ihm die etwas fernere Zukunft noch wesentlich größere Sorgen.

 

Erst in dieser Woche hätten Klimaexperten bei einer Konferenz in Potsdam ihre aktuellen Prognosen vorgestellt, sagt der Mitarbeiter des Landesumweltamtes. Danach werde sich in 50 Jahren die Durchschnittstemperatur in der Region nicht nur um zwei Grad wie bisher prognostiziert, sondern um drei bis fünf Grad erhöhen.

 

„Dann liegt Berlin auf dem gleichen Breitengrad wie Tanger in Nordafrika“, sagt Genehr. 

 

Was dafür sorge, dass es immer weniger Wasser in der Region gebe. Der Deichbau hätte sich dann also erledigt? Mitnichten, sagt Genehr. „Dann müssen wir noch viel häufiger mit Hochwasser in besonders extremer Form rechnen.“

 

    

Quelle: Lausitzer Rundschau, 17.10.2009

 

 

Der oben stehende Artikel bedarf sicherlich einer fachlichen Korrektur.

 

 

Ich kann nur hoffen, dass es sich hierbei nur um die „laienhafte“ Interpretation von Aussagen der Fachleute des Landesumweltamtes  durch einen Journalisten handelt.

 

Zunächst ist anzumerken, dass für die Stadt Cottbus eine (vielleicht zu aktualisierende) Dokumentation zu Hochwasserereignissen der Spree mit ausgewiesenen Überflutungsflächen und detailliertem Kartenmaterial (erarbeitet durch das Landesumweltamt, AB Cottbus) vorliegt.

 

Weitere Beispiele im oben aufgeführten Artikel der Lausitzer Rundschau, 

 

die zu einer  Irritation der Leser führen könnten:

 

 

Wie kann man die im Hochwasserfall von Elbe und Oder abgeführten Wassermengen mit denen der Spree  vergleichen? 

 

Wieso „stünde Cottbus voll unter Wasser“ bei einem Jahrhunderthochwasser?

 

Wieso liegt in 50 Jahren Berlin auf dem gleichen Breitengrad (???) wie Tanger

 

in Nordafrika? (Ist etwa mit einer Verschiebung der Kontinente zu rechnen??)

 

 

Zum Thema „Prognosen über den Anstieg der Durchschnittstemperatur ...“

 

durch die Klimaexperten, erübrigt sich an dieser Stelle jeglicher Kommentar.

 

 

 

Cottbus rüstet sich für die Flut

 

Cottbus Ein Jahrhundert-Hochwasser, das auch durch die Talsperre in Spremberg nicht abgefangen werden kann, wird schon bald die Stadt Cottbus erreichen. Zum Glück vorerst nur als Computer-Simulation. Diese soll darüber Aufschluss geben, an welchen Stellen es in der Stadt im Ernstfall Probleme mit den vorhandenen Deichen geben könnte.

 

 

Die Deichkronen müssen wie hier in der Neuzeller Niederung frei von Hindernissen sein, um im Ernstfall Sandsäcke aufstapeln zu können. Archivfoto: Michael Urban/ddp

 

Wann es die Stadt das nächste Mal mit einem Hochwasser erwischt, könne er natürlich nicht vorhersagen, erklärt Peter Ludwig, stellvertretender Abteilungsleiter im Landesumweltamt. Statistisch gesehen ist allerdings demnächst zumindest eine Flutwelle zu erwarten, die nur alle 50 Jahre auftritt, ergänzt Manfred Kupetz, Referatsleiter Gewässerunterhaltung und operativer Hochwasserschutz. Das letzte große Hochwasser liegt fast 30 Jahre zurück. 1981 sei die Talsperre in Spremberg übergelaufen, so die Experten.

Am Computer würden jetzt ein 50-jähriges sowie ein 100-jähriges Hochwasser jeweils mit und ohne Einbeziehung der Talsperre berechnet. Anhand dieser Daten soll eine Prioritätenliste erstellt werden, die festlegt, an welchen Deichabschnitten kurzfristig etwas getan werden muss. Dabei gehe es nicht um die Sanierung oder den Neubau der Deiche selbst, so Kupetz. »Unser Ziel ist es, die Verteidigungsfähigkeit der Anlagen herzustellen.«

 

Hindernisse beräumen

 

Das bedeutet in der Praxis: Ein fünf Meter breiter Streifen muss zwischen Spree und Deich von Bäumen, Sträuchern und anderen »Hindernissen« beräumt werden. »Es gibt Stellen, da haben die Leute ihre Gartenabfälle verkippt, da sind jetzt Komposthaufen daraus geworden«, so der Hochwasser-Experte. Diese müssten verschwinden, damit im Ernstfall problemlos Sandsäcke aufgestapelt werden können.

Auch wenn das Gesetz vorschreibe, dass Bäume auf Deichen nichts zu suchen hätten: Einen kompletten Kahlschlag wird es laut Landesumweltamt nicht geben. »Birken und Kiefern werden rausgenommen, die Eichen bleiben stehen«, sagt Manfred Kupetz.

Das begrüßt auch Harald Wilken von der Cottbuser Ortsgruppe des Naturschutzbundes Nabu. »Ein bisschen Freimachung ist für viele Arten gar nicht so schlecht«, sagt er. Dennoch mahnt er, die nötige Sorgfalt walten zu lassen. Abgeholzt werde nur zu bestimmten Zeiten, sagt der Cottbuser Umweltbeigeordnete Lothar Nicht (Linke).

Während die jetzt eingeleitete Untersuchung lediglich dem Ziel dient, die Deichkronen an den neuralgischen Punkten von Hindernissen zu befreien, geht es im Risikomanagementplan, der bis zum Jahr 2015 stehen soll, um den generellen Hochwasserschutz in der Stadt. »Sollten wir einmal ein 5b-Wetter haben - das sind stark mit Feuchtigkeit angereicherte Luftmassen, die sich über uns ergießen - steht halb Cottbus trotz der Dämme unter Wasser«, hatte Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd im Landesumweltamt, im vergangenen Jahr vor dem Umweltausschuss erklärt. »Etwa 145 Kubikmeter Wasser je Sekunde kriegen wir schadlos durch die Stadt.« Bei einem 5b-Wetter würden nach Hochrechnungen aber 200 bis 250 Kubikmeter je Sekunde durch die Spree fließen. »Selbst wenn dann alle Speicher leer wären, würden noch immer mehr als 200 Kubikmeter Wasser je Sekunde durch Cottbus schießen und die Dämme überfluten.«

Bis zum Jahr 2015 wird laut Landesumweltamt auch der Zustand der Deiche selbst gründlicher untersucht. Das ist auch dringend nötig, sagt Manfred Kupetz. »Viele Deiche sind mehr als 100 Jahre alt«, sagt er. In Fronarbeit entstanden, hätten die Arbeiter damals per Pferdefuhrwerk alles zusammengetragen und aufgeschüttet, was verfügbar war. »Heute ist ein Deich ein komplexes Bauwerk, mit bestimmten Schichten und einem festgelegten Winkel«, sagt der Experte.

 

Erreichbarkeit wichtig

 

Das allerdings nicht bedeute, dass die alten Deiche nichts mehr taugten. Weil sie bereits so lange liegen, seien sie stark verfestigt, sagt Kupetz. »So halten sie viel mehr aus, als sie müssten«, erklärt der Referatsleiter. »Wichtig ist, dass er mit einem Lkw erreichbar ist, um ihn durch Sandsäcke zu verstärken«, sagt Peter Ludwig.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, was in Cottbus passiert, wenn die Kapazität der Spremberger Talsperre erreicht ist, hat es in den vergangenen Tagen gegeben. So wurden in der Spree am Pegel Sandow zwischen 25 und 30 Kubikmeter Wasserdurchfluss je Sekunde gemessen. Der normale Abfluss zu dieser Jahreszeit beträgt sechs bis zehn Kubikmeter. Im Vergleich zum letzten großen Hochwasser fallen die Wassermassen der vergangenen Tage kaum ins Gewicht. So wurden laut Landesumweltamt 1981 zu den Extremzeiten 137 Kubikmeter je Sekunde registriert.

 

48 Kilometer Deichanlagen : In der Stadt Cottbus gibt es laut Verwaltung 48 Kilometer Deichanlagen. Im jetzt vom Landesumweltamt in Auftrag gegebenen Gutachten werden davon 15 Kilometer besonders betrachtet.


Von Sven Hering

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 25.06.2010

 

 

 

Man kann sich der Meinung der „Experten“ anschließen oder auch nicht !!!!

 

 

Im Übrigen verweise ich auf meine obigen, wasserwirtschaftlich fundierten Ausführungen, zur  HW-Problematik der Spree

.

 

Nach Überschwemmung Wasserstände markieren

 

Bevor sich Hauseigentümer nach einer Überschwemmung ans Aufräumen machen, sollten sie die Wasserstände in den Räumen markieren und Schäden dokumentieren. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin. Nur so lässt sich das Ausmaß des Schadens im Nachhinein genau nachvollziehen. Erst danach sollten sich Betroffene bemühen, den Schaden so gering wie möglich zu halten, umgehend Wasser abpumpen und Gegenstände reinigen oder trocknen. Diese und andere Tipps stehen in der neuen achtseitigen Broschüre "Land unter - Schutz vor Überschwemmung und Hochwasser" des GDV. Sie steht un­ter www.gdv.de im Internet zum kostenlosen Download bereit. Dpajeb

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 03.07.2009

 

 

 

Nach den voran gegangenen Ausführungen, ist nun  im August 2010 der "Ernstfall" eingetreten.

 

 

 

 

Hier geht es zur Dokumentation

 

 

der Hochwasserereignisse in der Spree im  

 

 

 

 

August 2010

 

 

 

September 2010

 

                                                                                                                                                         Januar 2011 und Juli 2011

 

 

 

Juni 2013 und die Lehren

 

 

 

 

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