In Form einer Chronologie

an dieser Stelle das Wichtigste über den Verlauf des Hochwassers in 

der Spree und 

der Schwarzen Elster 

im  Juni  2013  und seine Folgen,

 

sowie Berichte  zu Maßnahmen zur Abwehr von Hochwässern

und zur Beseitigung der Folgen der (Fast-) Hochwässer  im Spree- und Schwarze-Elster-Gebiet

 

Wetterlage und Niederschlagsmengen im Juni 2013

Juni-Hochwasser im Süden und Osten Deutschlands

Müssen wir vermehrt mit solch extremen Niederschlägen rechnen?

Offenbach, 6. Juni 2013 – Nach den extremen Niederschlägen der letzten Tage, insbesondere im Süden und Osten Deutschlands, und der nachfolgenden verheerenden Hochwassersituation, stellen sich für viele Bürger zwei Fragen: Wie häufig kann so etwas vorkommen und ist aufgrund des Klimawandels zukünftig häufiger mit solch extremen Ereignissen zu rechnen? Dazu Erklärungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Nasser Mai, versiegelte Böden sowie Schneeschmelze in den Alpen

Hochwasser ist generell kein seltenes Ereignis in diesen Gebieten. Dr. Andreas Becker, Leiter des Weltzentrums für Niederschlagsklimatologie im DWD: „In Erinnerung geblieben sind vor allem die Oderflut im Juli 1997 sowie die Flut an Donau und Elbe im August 2002. Aber auch danach, in den Jahren 2005 und mehrfach im Jahr 2010, gab es dort immer wieder kritische Situationen.“ Anders als bei den Hochwassersituationen 1997 und 2002 handelte es sich diesmal nicht um eine klassische Großwetterlage des Typs Vb („Fünf b“), sondern um

eine dieser Wetterlage ähnlichen Typs „Tief Mitteleuropa (Tm)“, das ebenfalls beträchtliche Niederschläge bringen kann.

Die heftigen Regenfälle der zeitweise

ortsfesten Tiefdruckgebiete „Dominik“ und „Frederik“

kamen auch nicht unerwartet.

Öffentlichkeit, Medien und Einrichtungen des Katastrophenschutzes waren vorgewarnt.
Der Hauptteil der Niederschläge fiel am 30./31.5. sowie am 1./2.6. Erschwerend kam hinzu, dass durch die zahlreichen Niederschläge im Mai in vielen Re-gionen die Böden bereits mit Wasser gesättigt waren. So floss viel Wasser oberirdisch ab und ließ kleine Bäche und Flüsse sehr schnell anschwellen. Ein weiterer Faktor im Süden war die zeitgleiche Schneeschmelze in den Alpen, wo in höheren Lagen, vor allem auch in Österreich, noch reichlich Schnee lag. Dies erklärt insgesamt die hohen Pegel des Inn und später dann die an der Donau. Die heftigen Niederschläge in Österreich, Tschechien und Polen trugen also durch die Zuführung der Wassermassen nach Deutschland zur dortigen Hochwassersituation ebenfalls bei.

22.750.000.000.000 Liter Wasser fielen auf Deutschland

Aus den Informationen seines Niederschlagsbeobachtungssystems hat der DWD nun berechnen können, welche Mengen an Wasser an diesen vier Tagen vom Himmel fielen.

Deutschlandweit waren das insgesamt 22,75 Billionen Liter.

Davon fielen auf

Bayern       8,28 Billionen,

Sachsen     2,50 Billionen,

Thüringen 1,43 Billionen

Hessen       1,22 Billionen Liter.

„Jahrhundertniederschläge“ in einigen Regionen an Donau und Elbe

Mit Hilfe von statistischen Verfahren ist der DWD in der Lage, aus den Niederschlagsaufzeichnungen einzelner Orte sog. Wiederkehrzeiten zu berechnen. Das sind Zeiträume, in denen im Mittel nur ein solcher Niederschlagsfall zu erwarten ist. Für Aschau und Kreuth in Bayern (405,1 bzw. 372,8 l/m²), Burladingen in Baden-Württemberg (154,0 l/m²) und Stützengrün in Sachsen (224,0 l/m²) ergeben sich hinsichtlich der in 90 Stunden gefallenen Niederschlagssumme beispielsweise Wiederkehrzeiten von 100 Jahren, also ‚Jahrhundertniederschläge‘. „Es stellt sich natürlich die Frage, ob die Berechnungsgrundlage solcher Wiederkehrzeiten angesichts des Wandels unseres Klimas noch stimmt“, schlussfolgert DWD-Niederschlagsexperte Dr. Andreas Becker.

Klimatologische Einordnung der außergewöhnlich heftigen Niederschläge

Analysen des DWD haben ergeben, dass sich zumindest in Deutschland aus dem Zeitraum 1951 bis 2000 kein eindeutiger Trend zu vermehrten extremen Niederschlagsereignissen ableiten lässt. Allerdings gibt es einen Trend zu mehr Ereignissen mit Tagesniederschlägen von mehr als 30 l/m² - vor allem im Winter. Für eine Zunahme spricht weiter die globale Erwärmung, die auch einen zunehmenden Wasserdampfgehalt der Atmosphäre bedeuten würde. Eine Großwetterlage des Typs „Tief Mitteleuropa (Tm)“ bringt für gewöhnlich zahlreiche Niederschläge, insbesondere wenn diese wie diesmal in Verbindung mit einem Tief in der Höhe steht und die Situation über Tage anhält. Jüngste Klimaanalysen und Projektionen zeigen, dem DWD zufolge, eine Tendenz zur Zunahme von zentral über Mitteleuropa liegenden, feuchten Tiefdruckgebieten. Die mittlere jährliche Anzahl steigt demzufolge von 1951 bis zum Ende des Jahrhunderts um 20%.

DWD fordert Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Einer weiteren Studie des DWD zufolge sollen die meisten der untersuchten Wetterextreme bei Temperatur, Niederschlag und Wind bis zum Jahr 2100 zunehmen. Für DWD-Vizepräsident Dr. Paul Becker ist klar: „Gerade beim Hochwasserschutz in Deutschland dürfen wir nicht innehalten.“

Tabelle: Vergleichbare Hochwasserereignisse seit 1997 aufgrund von niederschlagsreichen Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa (Vb/Vb-artig)

Jahr

Monat

Einzugsgebiet

1997

Juli

Oder

1999

Mai

Donau

2001

Juli

Weichsel

2002

August

Elbe / Donau

2005

August

Donau

2010

Mai

Oder/Weichsel

2010

August

Neiße / Spree / Elbe

2010

September

Neiße / Elbe / Elster

 

 

 

 

Quelle: Pressemitteilung des DWD vom 06.06.2013

 

Hier einige Niederschlagsmengen ausgewählter Messstationen:

 

Cottbus rüstet sich für großen Regen

Wasserbetrieb und Umweltamt in Bereitschaft / Talsperre lässt vorsorglich Wasser ab

Cottbus Vor starken Regenfällen an diesem Wochenende haben am Freitag die Meteorologen gewarnt. In Cottbus richten Wasserbetrieb und Umweltamt als Reaktion darauf Bereitschaftsdienste ein. Aus der Talsperre in Spremberg wurde bereits mehr Wasser als üblich abgelassen, um Platz für die neuen Niederschläge zu schaffen.

                           

Starke Regenfälle gab es zum Ende der Woche in Cottbus. Für das Wochenende ist Nachschub angekündigt. Foto: Michael Helbig/mih1

Regen hat die Stadt Cottbus in den vergangenen Stunden genug abbekommen. Alleine von Donnerstag zum Freitag fielen 32 Liter je Quadratmeter, berichtet Beate Städter vom Deutschen Wetterdienst. Noch zu Wochenbeginn lag Cottbus unter den für den Monat Mai üblichen Werten. Durch die starken Niederschläge der vergangenen Tage ist der Mittelwert inzwischen deutlich überschritten. "Wir sind jetzt bei 87,5 Litern, normal für den Mai sind 57 Liter", erklärt die Meteorologin.

Die Cottbuser Stadtverwaltung hat sich laut Ordnungsdezernent Lothar Nicht (Linke) auf ein problematisches Wochenende eingestellt. "Wir hoffen natürlich, dass es nicht zu den prognostizierten 70 Litern kommt, müssen aber auch darauf vorbereitet sein", sagt Nicht. Für die Mitarbeiter des Umweltamtes herrsche deshalb eine Rufbereitschaft. Die Stadt sei ständig in Kontakt mit dem Landesumweltamt und der Feuerwehr.

Die Lausitzer Wassergesellschaft (LWG) hat für das Wochenende eine Doppelbereitschaft eingerichtet, sagt Volker Grimm, Leiter der Produktion. Auf der Kläranlage könne es durch die starken Regenfälle zu einem außergewöhnlich hohen Wasserzulauf kommen. "Es gibt dort zwei Speicherbecken mit einem Gesamtvolumen von zehn Millionen Litern." Erst wenn diese gefüllt seien, müsse das Wasser unbehandelt in die Spree abgeleitet werden, so der LWG-Mitarbeiter. In solch einem Fall gehe eine Meldung an die Rettungswache der Feuerwehr Cottbus, die wiederum die Informationen an die Unteren Wasserbehörden und an die Fischereibehörden weiterleite. "Es besteht jedoch keine Gefahr für die Umwelt, denn das Schmutzwasser wird durch das Regenwasser extrem verdünnt", erklärt Grimm. Das hätten die Proben des Mischwassers belegt, die in solchen Fällen kontinuierlich genommen werden.

Das Landesumweltamt hat nach den starken Niederschlägen von Donnerstagabend (30.05.2013) und den Hochwasserwarnungen die Talsperre Spremberg vorsorglich entlastet. So wird mehr Wasser abgelassen, als derzeit zuläuft, um Platz zu schaffen. "Der Speicherraum war voll", erklärt Amtsleiter Wolfgang Genehr. Deshalb wurde die Wasserabgabe am Donnerstag von 17 auf 30 Kubikmeter pro Sekunde fast verdoppelt. Notwendig ist das zudem, da die Talsperren in Sachsen – insbesondere die in Bautzen – ihre Wasserabgaben ebenfalls erhöht haben. Dabei ist der Raum Cottbus nach Auskunft von Genehr bislang gut weggekommen.

"Es ist positiv für uns, dass der Starkniederschlag in den vergangenen 18 Stunden nur lokal aufgetreten ist", erklärt der Landesumweltamtschef am Freitagnachmittag. "Außerdem lag die Niederschlagsmenge nicht wie befürchtet bei 70 Litern pro Quadratmeter." Das Regengebiet war demnach westlich an der Region vorbeigezogen. "Doch wir wissen nicht, was in den nächsten Stunden kommt. Wir sind in Bereitschaft." Sollte es am Wochenende den vorausgesagten Starkregen geben, dann könnten in einigen Teilen der Spree die Alarmstufen erreicht werden.

Mehr Investitionen in die Kanalnetze haben am Freitag (31.05.2013) Experten bei einem Fachforum in Cottbus gefordert. "Die Politik nimmt die Infrastruktur erst dann wahr, wenn sie versagt hat", erklärte Ulrich Blüher vom Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau.

Zum Thema:
Um die Situation nicht zu verschärfen, bittet die Lausitzer Wassergesellschaft (LWG) die Einwohner von Cottbus und Umgebung eindringlich darum, auf keinen Fall Regenwasser aus überfluteten Kellern oder von Grundstücken in das Kanalnetz zu pumpen. Sie würden damit die Gefahr erhöhen, dass ihre und andere Keller mit Abwasser überschwemmt werden. LWG-Produktionsleiter Volker Grimm appelliert an die Bürger:

"Lassen Sie bitte das Regenwasser stehen, bis sich die Lage wieder normalisiert hat. Besser Regen- als Schmutzwasser im Keller."

Quelle: Lausitzer Rundschau, 01.06.2013 (gekürzt)

 

So zeigt sich die Situation im Elbe-Elster-Land:

So trifft der Mega-Regen Elbe-Elster

Von Land unter in der Land- und Forstwirtschaft ...

Dauerregen seit Tagen auch im Elbe-Elster-Land. Der nervt nicht nur, sondern hat auch erhebliche Auswirkungen. Die RUNDSCHAU hat sich umgehört und interessante Fakten zusammengetragen.

Der Pegelverlauf an der Elster.

Der starke Regen der vergangenen Tage hat den Pegel der Schwarzen Elster im Elbe-Elster-Land wieder ansteigen lassen. Das könnte sich noch weiter fortsetzen.

In Herzberg kratzte der Pegel am Donnerstagnachmittag (30.05.2013) an der Marke der ersten Hochwasserwarnstufe von 2,10 Meter. 24 Stunden später hatte er 2,13 Meter erreicht. Die Hochwasserzentrale Cottbus hat die Warnstufe 1 ausgerufen. Der Tiefststand in den vergangenen Tagen wurde am 21. Mai am Pegel Herzberg mit 68 Zentimetern gemessen. Innerhalb von vier Tagen, vom 27. Mai, als der Elsterpegel bei 90 Zentimetern lag, bis zum gestrigen Freitag ist der Wasserstand um 1,23 Meter angestiegen.

Ähnlich sieht es am Pegel Bad Liebenwerda aus. Hier wurde die Richtmarke für die Alarmstufe 1 (2,30 Meter) noch nicht erreicht. Der Pegel stand gestern Mittag bei 2,10 Meter. Am 25. Mai war die Schwarze Elster in diesem Bereich ebenfalls noch ein mäßig gefüllter Fluss mit einem Wasserstand von 67 Zentimetern. Die Hochwasserzentrale prognostiziert, dass auch in Bad Liebenwerda die Stufe 1 erreicht werden könnte.

....

50 Prozent unter Wasser. "Jetzt reicht es langsam", das sagt Peter Jarick von der Agrargenossenschaft Elstertal in Plessa. Etwa 50 Prozent der Flächen an der Bundesstraße 169 in Richtung Lauchhammer stehen schon wieder unter Wasser. Betroffen sind Raps, Mais und Triticale. Gut 110 Liter Wasser pro Quadratmeter sind in dieser Woche auf die Flächen niedergeprasselt "und jetzt steigt auch noch die Elster", ahnt Jarick Böses. "Eigentlich müssten wir noch mal auf die Felder, um Pflanzenschutzmaßnahmen durchzuführen", sagt der Feldbauspezialist.

Wurzeln drohen zu faulen. Ähnlich kritisch ist die Situation im Landschaftsbau Elbe-Elster in Elsterwerda. Dort stehen viele Jungpflanzen unter Wasser. Am gestrigen Freitag (31.05.2013) haben die Mitarbeiter Gräben gezogen, um das Wasser von den Flächen zu bekommen. Bei Staunässe beginnen die zarten Wurzeltriebe zu verfaulen. Ein Totalausfall wäre die Folge.

...

Nur einen Einsatz. Lediglich einen Regen-Einsatz im Elbe-Elster-Gebiet verzeichnete die Leitstelle Cottbus für den Donnerstagabend (30.05.2013) in Elbe-Elster. In Hirschfeld hatte ein mächtiger, heruntergebrochener Ast eine Straße blockiert. Die Feuerwehr musste ausrücken.

Zehnfache Wassermenge im Klärwerk. Dieter Loos, Leiter des Entwässerungsbetriebes Finsterwalde: In unserem Klärwerk ist in den letzten beiden Tagen das Zehnfache an Wasser angekommen, das sind immerhin 21000 Kubikmeter zusätzlich. Dennoch haben wir den Regenfälle gut beherrscht. Unsere Becken sind zwar randvoll, doch die Überleitung des Regenwassers zu den Rieselfeldern und der Notablauf in die Schacke haben gut funktioniert. Schlimmer sind Regengüsse, wenn in einer Viertelstunde fünf Liter auf den Quadratmeter prasseln, dann läuft die Unterführung voll. Solche starken Güsse sind nach der Vorhersage aber bei uns nicht zu erwarten.

Birgit Rudow, Dieter Babbe, Corinna Karl, Frank Claus, Veit Rösler / vrs1 –db

                                                                                                                             

Quelle: Lausitzer Rundschau, 01.06.2013 (gekürzt)

 

Tödliche Fluten: Wann hört der Regen endlich auf?

Cottbus/Dresden. Die Hochwasserlage hat sich im Süden Deutschlands und benachbarten Ländern am Sonntag dramatisch

zugespitzt.

Chemnitz, Passau und Rosenheim riefen ebenso wie etwa Gera, Zwickau und der Landkreis Leipzig Katastrophenalarm aus.

Viele Schulen in Sachsen sollten am Montag (03.06.2013) geschlossen  bleiben..

In Südbrandenburg ist die Lage an der Schwarzen Elster angespannt.

Ein schnelles Ende der Flut ist nicht in Sicht.

Auch am Montag 03.06.2013) wird es bis zum Abend noch weiter regnen. Erst der Dienstag bringt neue Hoffnung auf ein Ende des

Dauerregens.

Quelle Lausitzer Rundschau, 03.06.2103

 

Braune Flutwelle bedroht den Spreewald

Bürgermeister besorgt über Auswirkungen für Biosphärenreservat

Cottbus/Spremberg Auch in der Lausitz steigt der Wasserpegel rasant. Weil die Talsperre Spremberg teilweise geöffnet werden muss, rollt auf den Spreewald eine braune Eisenhydroxid-Welle zu. Bisher hielt das Bauwerk die trübe Brühe zurück.

 

 

 Friedhelm Gröger, Spremberg-Cantdorf Foto: Arlt

Die Eisenockerbelastung des Biosphärenreservates Spreewald könnte durch das Hochwasser dramatisch zunehmen. Weil an der Talsperre Spremberg aufgrund der Wassermassen aus Sachsen die fünf- bis sechsfache Menge Wasser abgelassen werden muss, gelangt auch viel mehr braunes Eisenhydroxid in Richtung Spreewald.

„Ich habe immer davor gewarnt“, sagte der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Umweltschützer sprechen schon von einem „Horrorszenario“.

Bisher galt das Bauwerk als Rückhaltebecken. Der braune Eisenschlamm („Ocker“) ist ein Folgeprodukt des Alttagebaus. Es ist nicht giftig, schädigt aber Kleinstlebewesen, Wasserpflanzen und färbt die Flüsse braun. Bei Redaktionsschluss wurden 40.Kubikmeter Wasser pro Sekunde an der Talsperre abgelassen. Normal sind 16. Es wird damit gerechnet, dass es mehr als 80 werden. „Auf das Eisenhydroxid können wir jetzt keine Rücksicht nehmen“, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt der RUNDSCHAU. Die Behörde ist für das Wassermanagement der Talsperre zuständig.

Mit der teilweisen Öffnung der Talsperre soll verhindert werden, dass Spremberg absäuft, wenn in Bautzen die Talsperre geöffnet wird und in der Folge eine Flutwelle Richtung Lausitz rollt. Das meiste Wasser soll in Richtung Nordumfluter fließen. Beim Landesumweltamt hofft man nun, dass die problematische Fracht so nicht direkt durch den Spreewald fließt.

Inzwischen hat das Landesumweltamt auch beim Bergbausanierer LMBV um Hilfe gebeten. Bei Bluno und Kleinkoschen soll Wasser in Richtung Neuwieser und Geierswalder See umgeleitet werden. „Wir wollen so den Scheitel der Flutwelle kappen“, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber.

Unterdessen spitzt sich die Lage in Sachsen und im Elbe-Elster-Kreis zu. An der Schwarzen Elster wurde zwischen Lauchhammer und Herzberg Alarmstufe drei ausgerufen. Bei der Elbe erwarten die Behörden, dass der Pegel noch bis Mittwoch (05.06.2013) steigt. Bei seinem Besuch in Mühlberg verdeutlichte Ministerpräsident Matthias Platzeck den Ernst der Lage:

„Wir erwarten für die Elbe eine schlimmere Situation als 2002.“

 Alexander Dinger und Anne Guckland

Quelle: Lausitzer Rundschau, 04.06.2013

 

Cottbus bereitet sich auf Hochwasser vor

Ähnliche Zustände wie im Jahr 2010 erwartet / Sandsäcke werden befüllt / Brücken vor Sperrung

Cottbus Der Stadt Cottbus steht ein Hochwasser bevor. Am heutigen Dienstag soll deutlich mehr Wasser aus der Talsperre Spremberg abgelassen werden, um das Speicherbecken zu entlasten. Damit drohen ähnliche Verhältnisse wie vor drei Jahren. Damals standen Kleingartenanlagen und vielerorts das Deichvorland unter Wasser.

                      

Land unter hieß es bereits am Montag am Anlegesteg am Sandower Eiscafé. Die Spree erreichte dort 1,60 Meter – ab Dienstag soll sie weiter ansteigen. 

Knapp 1,60 Meter hoch stand am Montagabend die Spree am Pegel in Sandow. Etwa ein Meter ist dort normal. Doch das Wasser wird weiter steigen. "Wir gehen davon aus, dass es ähnlich wird wie im Jahr 2010", erklärte Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) am Montagabend nach der Sitzung des Krisenstabes. Vor knapp drei Jahren waren in Sandow mehr als 2,40 Meter gemessen worden. Ab 2,30 Meter gilt die Alarmstufe 1, ab 2,70 Meter die Hochwasser-Alarmstufe 2.

Noch in der Nacht ist laut Rathauschef damit begonnen worden, Sandsäcke zu befüllen. Am Dienstag sollen erste neuralgische Punkte zusätzlich geschützt werden.

Die Stadt warnt außerdem vor dem Betreten der Ufer und der Deiche. Kinder sollten unbedingt von der Spree ferngehalten werden. Die Sperrung von Brücken sowie von Rad- und Fußwegen am Verlauf des Flusses werde vorbereitet. Kleingärtner und Bungalow besitzer sollten ihr Eigentum sichern, so der Aufruf aus dem Rathaus. Der Einsatz von Deichläufern werde vorbereitet.

Schon am Wochenende mussten sich die Mitarbeiter des Umweltamtes bereithalten. Die Lausitzer Wassergesellschaft (LWG) hatte gar eine Doppelbereitschaft eingerichtet. "Es gab aber keine Probleme", sagte LWG-Sprecherin Marina Röwer. Es musste kein unbehandeltes Abwasser in die Spree geleitet werden. Dieses Szenario wurde für den Fall erwogen, dass die Speicherbecken beim Wasserbetrieb die ankommenden Massen nicht mehr aufnehmen können.

In Neuhausen wurde die Baustelle am Mühlenwehr für die Flutung vorbereitet. "Wir erwarten deutlich mehr Wasser aus der Talsperre", sagte Ramona Möbus vom Wasser und Bodenverband Oberland Calau. Bei 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gerät der Umfluter nach Angaben des Verbandes an seine Grenzen.

Das neue Wehr soll gemeinsam mit dem Umflutwehr künftig 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewältigen – wobei der Umfluter 45 und das Wehr 105 Kubikmeter schaffen. Andere Baustellen des Verbandes in der Spreeaue oder am Nordumfluter seien ebenfalls auf die Flutung vorbereitet worden.

Doch wie passt die Ankündigung von namhaften Wissenschaftlern, dass die Lausitz langsam versteppe, zu den aktuellen Ereignissen? "Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass es manchmal anders kommt als man denkt", sagte der Cottbuser Umweltbeigeordnete Lothar Nicht (Linke) Ende der vergangenen Woche während eines Kongresses zum Thema Hochwasser. Gabriele Malitz vom Deutschen Wetterdienst warnte hingegen.

"Auch wenn es zurzeit feucht ist, darf Brandenburg die Trockenheitsproblematik nicht von der Agenda streichen", sagte sie. So gingen die Prognosen davon aus, dass es künftig durchaus weniger Niederschlag gibt. "Wenn es dann aber mal regnet, dann extrem", erklärte sie.

Zum Thema:
Bereits aus den Jahren 1306 und 1539 sind Hochwasser in Cottbus überliefert, so die Stadtverwaltung. In den Jahren 1897 bis 1933 wurden 124 Hochwasser registriert – drei bis vier Mal in jedem Jahr.

Im Jahr 1910 ist die Spree begradigt worden. Ein starker Regen sorgte im Jahr 1926 erneut für Verwüstungen. Die Cottbuser Provinz musste von der preußischen Regierung mit mehr als zwei Millionen Reichsmark unterstützt werden, um eine Hungersnot als Folge des Hochwassers zu verhindern. Fotoaufnahmen belegen die weiteren Naturkatastrophen.

So hatte ein Hochwasser im Jahr 1930 die Madlower Brücke zerstört.

Im Juli 1981 trat die Spree erneut mitten in der Stadt über die Ufer. Der Wasserpegel stieg auf 3,22 Meter. Pro Sekunde bewegte die Spree 127 Kubikmeter Wasser – neun ist der Durchschnitt.

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 04.06.2013

 

Braune Flutwelle bedroht den Spreewald

Talsperre Spremberg teilweise geöffnet /

Bürgermeister sorgt sich um Auswirkungen für Biosphärenreservat

Auch in der Lausitz steigt der Wasserpegel rasant. Weil die Tal­sperre Spremberg teilweise geöff­net werden muss, rollt auf den Spreewald eine braune Eisenhydroxid-Welle zu. Bisher hielt das Bauwerk die trübe Brühe zurück.

Von Alexander Dinger und Anne Guckland

Cottbus/Spremberg. Die Eisenockerbelastung des Biosphärenreservates Spreewald könnte durch das Hochwasser dramatisch zu­nehmen.

Weil an der Talsperre Spremberg aufgrund der Wassermassen aus Sachsen die fiinf- bis sechsfache Menge Wasser abgelassen werden muss, gelangt auch viel mehr braunes Eisenhydroxid in Richtung Spreewald.

"Ich habe immer davor gewarnt", sagte der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Um­weltschützer sprechen schon von einem "Horrorszenario".

Bisher galt das Bauwerk als Rückhaltebecken. Der braune Eisenschlamm („Ocker") ist ein Folgeprodukt des Alttagebaus. Es ist nicht giftig, schädigt aber Kleinstlebewesen, Wasserpflanzen und färbt die Flüsse braun.

Bei Redaktionsschluss wurden 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde an der Ta­sperre abgelassen. Normal sind 16.

Es wird damit gerechnet, dass es mehr als 80 werden.

"Auf das Eisenhydroxid können wir jetzt keine Rücksicht nehmen", sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt der RUNDSCHAU. Die Behörde ist für das Wassermanagement der Talsperre zuständig.

Mit der teilweisen Öffnung derTalsperre soll verhindert werden, dass Spremberg absäuft, wenn in Bautzen die Talsperre geöffnet wird und in der Folge eine Flut­welle Richtung Lausitz rollt. Das meiste Wasser soll in Richtung Nordumfluter fließen. Beim Lan­desumweltamt hofft man nun, dass die problematische Fracht so nicht direkt durch den Spreewald fließt.

Inzwischen hat das Landesumweltamt auch beim Bergbausanierer LMBV um Hilfe gebeten. Bei Bluno und Kleinkoschen soll Was­ser in Richtung Neuwiesener und Geierswalder See umgeleitet werden.

"Wir wollen so den Scheitel der Flutwelle kappen", sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber....

Quelle: Lausitzer Rundschau, 04.06.2013 (gekürzt)

 

Schon wieder neue Höchststände?

Fluss-Anrainer im Elbe-Elster-Land beobachten besorgt die Pegel

Hochwasser an der Schwarzen Elster. Es scheint, als müssten sich die Anrainer am Fluss daran genauso gewöhnen wie die an der Elbe bei Mühlberg.

Von Frank Claus

Bad Liebenwerda. Während die Mühlberger Hochwasserlagen eigentlich gewöhnt sind, macht sich nun auch dort und an Schwarzer Elster, Pulsnitz und Röder angesichts immer wieder neuer Höchststände, die erreicht werden, Besorgnis breit.

Nach 9,98 Metern während der Jahrhundertflut 2002, das war der bisher gemessene Höchstwert, werden nun sogar 10,10 Meter für die Elbe bei Mühlberg prognostiziert. Das könnte auch die bereits sanierten Dammabschnitte überspülen.

Auch in Bad Liebenwerda, wo am gestrigen Dienstag (04.06.2013) zuerst die Alarmstufe 4 ausgerufen wurde und der Pegel in den Abendstunden nah an die 3,30­Meter-Marke kletterte, schauten die Einwohner besorgt an die neue Elsterbrücke, wo ein brauner Streifen vom eisenhaltigen Wasser am Widerlager noch die Rekordmarke von 2012 (3,55 Meter) anzeigt.

Viel fehlt bis dahin nicht mehr. Direkt neben dem neu gebauten Elsterwehr in Bad Liebenwerda wohnt Steifen Richter. Mit sor­genvoller Miene schaut er hinüber zum Fluss und auf das Wehr.

"Ich. glaube, für die nun prognostizierten Wassermassen ist die Durchflusshöhe des Wehres zu gering. Der Fluss könnte bald von den oberen Schotten angestaut werden", befürchtet er.

 

Mit sorgenvollem Blick: Steffen Richter kann den aktuellen Pegel immer am neuen Elsterwehr vor seinem Haus ablesen. Foto: Frank Claus

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.06.2013 (gekürzt)

 

Das Wasser steigt

Die Talsperre Spremberg ist bis zum Rand gefüllt

Stauwärter brauchen grünes Licht aus Cottbus

Die Talsperre Spremberg ist bis zum Rand gefüllt. Fünfmal mehr Wasser als üblich wird abgelassen. Die menge könnte sich aber deutlich erhöhen – doch dafür brauchen die Stauwärter grünes Licht aus Cottbus.

Stauwart Birk Erdmann

Foto: Dinger

Spremberg/Bautzen. Um10.30 Uhr geht am Dienstag (04.06.2013) die Meldung im Spremberger Rathaus ein: Ab sofort gilt für die Spree die Alarmstufe 4.

Das bedeutet: Selbst die Sicherheit der Anlagen zum Hochwasserschutz steht nun in Frage.

Die brandenburgische Landesregierung warnt für solche Fälle:

Straßen in bebauten Gebieten könnten überflutet werden.

"Wir wissen nicht, wie die Lage sich weiter entwickeln wird", sagt der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU).

„Ob dieses Mal Ähnliches passiert, kann momentan niemand sagen“, so Schulze.

                

Wenige Kilometer nördlich steht Stauwart Brink Erdmann im Kontrollraum der Talsperre Spremberg. Vom Fenster beobachtet er, wie mehr als 70 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Tiefe stürzen. Normal sind 16 Kubikmeter.

Beim Landesumweltamt (LUGV) - das für die Talsperre zuständig ist – rechnet man damit, dass es mehr als 100 Kubikmeter werden.

„Wir müssen prüfen, wie weit wir gehen können“, sagt Erdmann.

In einer Telefonkonferenz mit Landräten und Ämtern hat der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) das Landesumweltamt um mehr Zeit gebeten.

Derzeit liegt der Pegelstand der Talsperre nur 30 Zentimeter unter Maximum. Und die Flutwelle aus Bautzen ist noch nicht da.

"Spätestens Mittwochmorgen (05.06.2013) müssen wir ablassen", sagt LUGV-Abteilungsleiter Wolfgang Genehr.

Wenn das Wasser durch die Talsperre weiter nach Norden drängt, wird sich in Cottbus und darüber hinaus auch das Ausmaß der Eisenlast („Ocker“) in der Spree offenbaren.

Die Eisenockerbelastung des Spreewaldes könnte dann rasant zunehmen..

Erste Messungen des Bündnisses „Klare Spree“ bestätigen diesen Verdacht.

Bisher galt das Bauwerk als Rückhaltebecken für den braunen Eisenschlamm. Dieser Stoff ist ein Produkt des Alttagebaus. Es ist zwar nicht giftig, schädigt aber Kleinstlebewesen, Pflanzen und färbt die Flüsse braun.

„Wenn hier 100 Kubik durchrauschen, wird der Eisenschlamm so stark verdünnt, dass man davon nicht viel sehen wird“,

 sagt er (Erdmann).

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.06.2013

 

Anm.: Hoffentlich hat er Recht  …

 

Fließmenge in Cottbus höher als erwartet

Cottbus Aktuelle Messungen durch das LUGV haben ergeben, dass entgegen den automatisierten Angaben derzeit nicht 76, sondern 96 m³/sec am Pegel Sandow vorbeifließen.

Es muss also davon ausgegangen werden, dass  20 m³/sec mehr durch Cottbus fließen, als auf der Internetpräsenz des LUGV angegeben sind. Differenzen zwischen diesen Messwerten und den 110 m³/sec in Spremberg abgegebenen erklären sich aus den verhältnismäßig großen Überflutungsbereichen zwischen der Talsperre und Cottbus. Gegenwärtig gibt es widersprüchliche Angaben zu den Fließmengen in der Spree.

Die Ursachen dafür versuchen die Fachleute zu klären. Die „Abflusstafel“ des Landesumweltamtes (LUGV) muss nach den aktiven Tagen der Hochwasserschutzmaßnahmen überarbeitet werden. Die Unsicherheiten ergeben sich augenscheinlich aus der Tatsache, dass es seit über 30 Jahren keine Erfahrungen mit derartigen Wassermengen gibt.

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.06.2013

 

Stadt rätselt über verschwundenes Spree-Wasser

Fehler am Messpegel in Sandow / Deichbruch bei Frauendorf

Cottbus Trotz hoher Abgabemengen aus der Talsperre Spremberg hat sich am Freitag (07.06.2013) die Hochwasserlage in Cottbus stabilisiert. In Frauendorf hingegen brach ein Deich. Derweil rätseln Fachleute über die Messergebnisse am Pegel in Sandow.

Wo ist das ganze Wasser hin? Während aus der Talsperre in Spremberg in den vergangenen Stunden 110 Kubikmeter je Sekunde abgegeben wurden, registrierte die Messstelle in Cottbus-Sandow nur gut 70 Kubikmeter Durchfluss. 40 Kubikmeter Verlust auf dem kurzen Abschnitt zwischen Spremberg und Cottbus? "Das ist nicht normal", sagt Christoph Gerstgraser vom Ingenieurbüro für Renaturierung.

Auch dem Landesumweltamt fiel diese Differenz auf. Und so wurde am Freitag gemessen – diesmal allerdings mit einer mobilen und nicht mit der automatisierten Anlage, die sonst die Daten für die Internet-Auswertung liefert. Das Ergebnis: Plötzlich rauschten 96 Kubikmeter Wasser je Sekunde durch Sandow. Für die noch immer fehlenden Wassermengen, die jetzt deutlich geringer ausfallen, gibt es laut Christoph Gerstgraser sogar eine Erklärung: Zwischen der Talsperre in Spremberg und Cottbus existieren recht große Überflutungsbereiche, die einen Teil des Wassers aufnehmen.

Das Landesumweltamt verbannte noch am Freitag die Angaben über die Durchflussmenge von der Internetseite. Dort wurden fortan nur noch die Pegelstände vermeldet, um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften.

Eine kritische Situation gab es ebenfalls zu bewältigen. Diesmal aber nicht in der Stadt Cottbus, sondern im benachbarten Frauendorf. Dort war in der Nacht zu Freitag zwischen der Kohlebahnbrücke und der Ortslage ein Deich auf etwa acht Meter Länge gebrochen. "Die Überflutungsfläche lief sofort voll", sagte der Neuhausener Bürgermeister Dieter Perko (CDU). Sechs Ortsfeuerwehren sorgten dafür, dass Frauendorf selbst trocken blieb. "Ein Dank an unsere Feuerwehren, aber auch an die Stadt Cottbus, die Bundeswehr und die Polizei, die sofort mitgeholfen haben", betonte Perko am Vormittag. Am Nachmittag zeigte sich der Neuhausener Bürgermeister dann schon wieder etwas entspannter. Zwar stieg der Wasserpegel in der Ortslage weiter leicht an. Doch das Landesumweltamt hatte signalisiert, ab Samstag wieder weniger Wasser aus der Talsperre abzulassen.

Diese Information bestätigte am Abend der Cottbuser Verwaltungsstab. Danach wird am Samstag die Abflussmenge schrittweise von 110 auf 80 Kubikmeter zurückgefahren.

Die Sandsackmauern an der Cottbuser Kleingartenanlage "Am Spreebogen" sind am Freitag noch einmal verstärkt worden. Kritisch ist laut Verwaltungsstab die Lage nach wie vor an der Spreewehrmühle. Die Stützwand zum Biergarten sei gefährdet. Dort prüft das Technische Hilfswerk (THW), wie die Wand gesichert werden kann.

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 08.06.2013

 

Der Sprecher des NABU Regionalverbandes Cottbus, Harald Wilken, sieht nach

Untersuchungen des Deichbruches bei Frauendorf 

als Ursache Röhrengänge von Scheermäusen.

Weil dieser Bereich völlig frei von Gehölzbewuchs ist, sieht er die geplanten Baumfallungen zwischen Madlower Schluchten und Kutzeburger Mühle als kaum für den Hochwasserchutz dienlich an.

Mehr noch, er verurteilt die Fällungen als schweren Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet mit geschützten Vogelarten, Fleder­mäusen, Kleinsäugern und Kerfen.

Quelle: Der Märkische Bote, 29.06.2013

 

 

                         

Quelle: Lausitzer Rundschau,  Stand: 05.06.2013

 

Schmellwitz bleibt kalt – Not in Spreewehrmühle

Fernwärmetrasse überflutet / Gaststätte kämpft gegen Wasser im Keller

Cottbus Das Hochwasser hat nun auch Folgen für die Bewohner in Schmellwitz. Am Donnerstag (06.06.2013) musste eine überflutete Heiztrasse abgeschaltet werden. Rund 10 000 Einwohner in dem Stadtteil haben kein warmes Wasser mehr.

 

In Alt-Schmellwitz, Neu-Schmellwitz sowie im Gewerbegebiet Nord und bei Kaufland ist am Donnerstagabend (06.06.2013) das warme Wasser abgestellt worden. Laut Stadt war eine Fernwärmetrasse aus Jänschwalde überflutet. Die Trinkwasserversorgung sei gesichert.

Große Probleme meldet die Gaststätte Spreewehrmühle. Dort ist Wasser in den Keller gedrungen. "Wir haben unsere Kühlgeräte und Vorräte nach oben gebracht, die Pumpen laufen", sagte Kathleen Hajek, Chefin der Gaststätte. "Ein großes Dankeschön für die Unterstützung, die wir bekommen, hier haben wildfremde Menschen bis zur Erschöpfung Sandsäcke geschleppt", ergänzte sie.

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.06.2013 (gekürzt)

 

Hochwasser: Situation um Lübbenau bleibt angespannt

Lübbenau Die Hochwassersituation in und um Lübbenau bleibt unverändert angespannt. So ist der Pegel am Wehr Ragow in der Hauptspree in der Nacht von Sonntag auf Montag (09.06./10.06.2013) um zwölf Zentimeter gestiegen.

 

Feuerwehrleute haben am Montag (10.06.2013) weitere Sandsäcke gefüllt, um einen Damm in Ragow zu stabilisieren. Zudem waren sie als Deichläufer unterwegs, um Sickerstellen und Wildhöhlen zu sichten und die Schäden zu beseitigen. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz teilte am Vormittag mit, dass die Sperrung der Wasserwege im gesamten Spreewald bestehen bleibe. Für Dienstag (11.06.2013) ist eine weitere Beratung des Krisenstabes angesetzt. Man gehe davon aus, dass die Überschwemmungen der Polder weiter zunehmen werde. jg

Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.06.2013

 

Hochwasser im Spreewald: Wann kommt die Flut?

Landrat Stephan Loge rechnet mit Sonntag zu Montag / Fahrverbot bleibt

Lübben Von Tag zu Tag schäumt das Wasser wilder an der Überlaufschwelle zum Hochwald und in die Stauabsenkung Nord am Wehr Eichenwäldchen bei Straupitz. Landrat Stephan Loge (SPD) ist regelmäßig mit dem Landesumweltamt dorthin unterwegs, um die Lage vor Ort einzuschätzen.

Die Hauptspree am Wehr Strandcafé fließt breit und schnell. Foto: is

"Eine Wassermenge von 50 Kubikmeter pro Sekunde donnert in den Hochwald rein. Dort sieht man deutlich die Fließgeschwindigkeit."

Am Pegel Lübben stand das Wasser am gestrigen Freitagabend bei 369 Zentimetern. Ab 370 Zentimetern gilt die Alarmstufe eins. Gestiegen war das Wasser um sechs Zentimeter im Vergleich zum Vortag, zwischen Mittag und Abend lagen zwei Zentimeter mehr. "So geht das schon die ganzen Tage", schätzt Loge ein, "immer ein, zwei Zentimeter mehr". Vor diesem Hintergrund richten sich die Fachleute auf langsam steigende Wasserstände, aber ein lang anhaltendes Hochwasser ein. Landrat Loge rechnet damit, dass diese Entwicklung ab der Nacht von Sonntag auf Montag auch in Lübben spürbar wird – mit deutlicher Verspätung zu ursprünglichen Prognosen. Das Lübbener Reha-Zentrum hat Unterstützung für die Helfer angekündigt.

Völlig unklar ist nach wie vor, wo es sich zuerst zeigen wird. Christoph Bartoczek, Fachbereichsleiter in der Lübbener Stadtverwaltung, sagt: "Ich gehe davon aus, dass Lübben gut vorbereitet ist." Ralf Knieschke von der Lübbener Feuerwehr informiert, dass Sandsäcke an verschiedenen Orten eingelagert sind, dazu Kies am Baubetriebshof. "Im Zweifelsfall kann es sofort losgehen", schätzt er ein. Wie Christoph Bartoczek befürchtet auch er, dass bei diesem langsamen und lang anhaltenden Geschehen das Wasser von unten in die Keller drücken wird.

Unterdessen tritt in der Nacht zu Samstag (07.06/08.06.2013) das Fahrverbot auf den Fließen in Kraft. Es gilt zwischen der Ragower Kahnfahrt in nördlicher Richtung bis Leibsch beziehungsweise Groß Wasserburg, also für Lübben und den Unterspreewald. Trotz Protesten von Kahnfährleuten sind die Verantwortlichen dabei geblieben. Auch die Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz ziehen nach.

I. Schirling

Quelle: Lausitzer Rundschau, 08.06.2013

 

Stadt kehrt zur Normalität zurück

Wasserpegel der Spree sinkt / Evakuierungen aufgehoben / Erste Brücken wieder offen

Cottbus Aufatmen in Cottbus: Der Pegel der Spree sinkt. Evakuierungen von Bewohnern und Tierheim wurden aufgehoben. Brücken sind wieder geöffnet worden. Und es gibt erste Lehren: So braucht die Stadt neue Alarmstufen.

Die größte Hochwassergefahr für die Stadt Cottbus ist gebannt. Um 30 Zentimeter ist von Samstag zu Sonntag (09.06.2013) der Pegel der Spree gesunken.

Der Grund: Aus der Talsperre in Spremberg ist weniger Wasser abgelassen worden. Knapp 77 Kubikmeter je Sekunde waren es am Sonntagvormittag. In Spitzenzeiten waren in den vergangenen Tagen rund 110 Kubikmeter durch Cottbus geströmt….

Am Sonntag (09.06.2013) wurden die ersten Brücken wieder freigeben. Ebenso das Tierheim. Die bis dahin auf dem TIP-Gelände untergebrachten Katzen und Kleintiere konnten wieder in ihr angestammtes Domizil zurückkehren. Die Hunde waren in Tierpensionen und bei Hundeschulen untergekommen. Bereits am Samstag durften die Bewohner der Kutzeburger Mühle wieder in ihr Haus zurück.

Probleme bereiten nach wie vor Bäume, die ins Wasser stürzen. Mit Schreitbaggern wird das gefährliche Treibgut aus der Spree gefischt. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) kündigte an, dass mit dem Rückgang des Spreepegels noch zügiger das Deichprogramm abgearbeitet werden soll. Etwa 3000 Bäume sollen noch gefällt werden, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten. Dagegen protestierte am Samstag erneut eine Bürgerinitiative in der Stadt. Sehr schnell sollen für die Stadt neue Hochwasser-Alarmstufen festgelegt werden. "Das ist eine Erkenntnis aus den vergangenen Tagen", erklärte Rathauschef Frank Szymanski am Sonntag. Pegelstände und Durchflussmengen müssten angepasst werden. Die Spree zieht sich auf einer Länge von rund 25 Kilometern durch das Cottbuser Stadtgebiet.

Die Anpassung werde schnell erfolgen, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt am Sonntag. "Es könnte sein, dass die Abstände zwischen den Hochwasserereignissen enger werden", ergänzte er….

Zum Thema:
Die rund 10 000 Einwohner von Schmellwitz sollen schon bald wieder warmes Wasser haben. Am Sonntag (09.06.2013) haben Mitarbeiter der Stadtwerke die in den vergangenen Tagen überflutete Fernwärmeleitung untersucht. Das war möglich, weil die zwischenzeitlich komplett überflutete Trasse wieder zugänglich ist. Am Montag (10.06.2013) soll laut Verwaltungsstab entschieden werden, ob die Leitung wieder in Betrieb genommen werden kann.

                             

Der Biergarten an der Cottbuser Spreewehrmühle ist am Samstag (08.06.2013) überflutet worden. Helfer des THW pumpten dort das Wasser ab. Der Gaststättenbetrieb läuft aber weiter. Foto: Helbig

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundchau, 10.06.2013

 

Helfer dichten Deich in Maiberg ab

7000 Sandsäcke verbaut / Alarmstufe 3 bleibt für Cottbus bestehen

Cottbus Die Hochwasseralarmstufe 3 bleibt für die Stadt Cottbus weiter bestehen. Das hat Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) am Dienstag (11.06.2013) erklärt. In Maiberg hatte es zu Wochenbeginn eine kritische Situation gegeben.

                         

Ein undichter Deich in Maiberg ist am Montagabend mit rund 7000 Sandsäcken verstärkt worden. Foto: Hering

75 Kubikmeter je Sekunde – soviel Wasser wird derzeit aus der Talsperre Spremberg abgegeben. "Es ist die Entscheidung getroffen worden, vorerst keine erhöhte Menge abzulassen", sagte Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) am Dienstagnachmittag (11.06.2013).

Vor allem in Maiberg wird man diese Nachricht mit Erleichterung aufgenommen haben. Dort war am Montag bis in die späten Abendstunden hinein ein Deichabschnitt verstärkt worden. Freiwillige Feuerwehren und Helfer stapelten rund 7000 Sandsäcke. Die Straße in Richtung Dissen musste zwischenzeitlich gesperrt werden. Laut Stadtverwaltung ist sie inzwischen wieder offen, allerdings nur halbseitig befahrbar.

Besondere Situation

"Wir wissen nicht, wie sich unsere Deiche verhalten", hatte der Cottbuser Oberbürgermeister in den vergangenen Tagen immer wieder betont. Am Dienstag verdeutlichte er noch einmal die besondere Lage. "Wir haben noch nie so viel Wasser in so kurzer Zeit in der Stadt gehabt", sagte Szymanski. Deshalb sei die Stadt angehalten, die aktuelle Situation zu dokumentieren. Dabei gehe es um die Zustände an den Deichen und im Vorland. "Daraus müssen wir dann weitere Schlussfolgerungen ziehen", betonte der Verwaltungschef.

Einige stehen schon fest: So wird es auf jeden Fall neue Richtwerte für die Alarmstufen geben.

Die bisherigen Werte haben sich in diesem Jahr als nur bedingt hilfreich erwiesen, weil vor allem die hohe Fließgeschwindigkeit und die Menge des Wassers Probleme bereiteten und weniger der Pegelstand der Spree.

Anm.: Zu Lokalisierung von überschwemmungsgefährdeten Flächen ist nur der sich aus der Talsperrenabgabe ergebende Wasserstand in m+NN maßgebend.

Eine andere Konsequenz hat das Stadtoberhaupt am Dienstag noch einmal bekräftigt: Die noch ausstehenden Baumfällungen sollen deutlich schneller vorgenommen werden als bisher geplant. Etwa 3000 Bäume auf dem 25 Kilometer langen Spreeabschnitt in der Stadt sollen weichen. "Wir haben noch immer zahlreiche Baumabgänge", sagte Frank Szymanski. Mithilfe von Schreitbaggern werden die Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu einem Meter aus der Spree gefischt, ehe sie sich an Brücken oder Wehren verfangen und dort eine zusätzliche Barriere bilden.

Acht Brücken im Stadtgebiet bleiben weiterhin gesperrt. "Wir haben gegenwärtig keine Möglichkeit, die Folgen der Unterspülungen zu untersuchen", erklärte das Cottbuser Stadtoberhaupt. Deshalb könne keine Garantie für die Standfestigkeit der Bauwerke abgegeben werden. "Hier werden wir lieber Vorsicht walten lassen", betonte Frank Szymanski.

Fachleute engagiert

Kritisch beurteilt der Cottbuser Verwaltungschef die Personalsituation im Landesumweltamt. "Wir haben eine hervorragende Unterstützung erhalten, merken aber, dass es dort eine deutliche Personalreduzierung gegeben hat", erklärte er. Die Stadt habe deshalb ein Ingenieurbüro engagiert.

"Wir brauchen Fachleute, um die Verantwortung übernehmen zu können", sagte der Cottbuser Oberbürgermeister.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 12.06.2013

 

Anm.: Wenn im Landesumweltamt, Bereich Hydrologie und Hochwasserschutz evtl. freigewordene

Stellen mit Geologen, Naturschützern u.ä., also mit Laien auf diesem Gebiet besetzt werden, muss

man sich nicht wundern.

 

Oberbürgermeister fordert mehr Personal

Cottbus. Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) hat während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung eine

 personelle Aufstockung

gefordert. Allerdings nicht im eigenen Rathaus, sondern beim Landesumweltamt. Das Hochwasser habe gezeigt, dass im Süden des Landes Fachleute für den Hochwasserschutz in der Behörde fehlen, so der Verwaltungschef. sh

Quelle: Lausitzer Rundschau, 28.06.2013

 

Anm. Kein Kommentar, siehe oben

 

Die Spree bleibt unberechenbar

Flut-Betroffene ziehen erste Schadensbilanz / Rathaus hält sich mit Prognosen zurück

Spremberg Der Pegel der Spree in Spremberg ist am Dienstag (11.06.2013) auf hohem Niveau geblieben: Bis zum Nachmittag herrschte Alarmstufe Vier. Nach Auskunft eines Fachmannes könnte die Brücke am Weißen Wehr starken Schaden erleiden. …

… Trotz des Pegels um die vier Meter bleibt der Dorfplatz in Cantdorf vorerst trocken, während er in der vergangenen Woche zu einem großen See angewachsen war. Rathaussprecher Alexander Adam wagt die vorsichtige Prognose: "Der Pegelrückgang wird sich in den nächsten Tagen fortsetzen." Vorerst bleiben jedoch mehrere Brücken und Radwege in Spremberg gesperrt.

Mit dem Abklingen des Hochwassers sollen nach seinen Worten die Aufräumarbeiten in der Stadt beginnen. Zum erneuten Anstieg des Hochwassers am Montag und Dienstag habe vor allem der heftige Niederschlag vom Wochenende beigetragen, der zunächst ebenfalls nicht abzusehen war, wie Alexander Adam erläutert.

Recht zurückhaltend mit einer Vorhersage zeigt sich Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Die Linke). Als sie in der vergangenen Woche den Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) besuchte, gab sie zu bedenken:

"Extreme Niederschläge werden in unseren Regionen künftig wohl öfter auftreten." Der Wechsel zwischen starkem Regen und langen Dürreperioden ist nach ihrer Ansicht dem Klimawandel geschuldet.

Zum Thema:


Alarmstufe Eins wird ausgelöst, wenn der festgelegte Richtwert des Wasserstandes überschritten wird und ein weiterer Anstieg droht.

Alarmstufe Zwei: Überschwemmungsgebiete sind bereits überflutet.

Alarmstufe Drei: Einzelne Grundstücke, Straßen und Keller sind überflutet.

Alarmstufe Vier: Katastrophenabwehr. Akute Gefährdung der Überflutung von Deichen und Dämmen.

René Wappler

 

Quelle: Lausitzer Rundchau, 12.06.2013

 

Im Landkreis Elbe-Elster zieht wieder Normalität ein

Katastrophenalarm aufgehoben / Stab stellt Arbeit ein

Herzberg Das Hochwasser an Elbe, Schwarze Elster, Röder und Pulsnitz hat den gesamten Landkreis beschäftigt. Während der Kampf gegen die Flut in den Altkreisen Herzberg und Bad Liebenwerda dominierte, kamen aus dem Altkreis Finsterwalde zahlreiche Helfer und wurden dort Evakuierte liebevoll versorgt. Für die RUNDSCHAU hat Benjamin Meuschel von der Landkreisverwaltung ein Hochwasser-Resümee gezogen.

Nachdem bereits am Montag (10. Juni 2013) die Evakuierung Mühlbergs aufgehoben werden konnte und die Bürger im Laufe des Nachmittages in ihre Häuser zurückkehren konnten, hat der 1. Beigeordnete, Kämmerer und Dezernent Peter Hans, in der Lagesitzung des Verwaltungsstabes in Herzberg entschieden, dass der Katstrophenalarm in Mühlberg am Dienstag (11. Juni)  um 15 Uhr aufgehoben wird.

Die Alarmstufe 4 an der Elbe, Bereich Mühlberg, wurde ebenfalls um 15 Uhr aufgehoben.

Ein Pegel-Rückblick: Der Katastrophenalarm für Mühlberg wurde am 5. Juni um 11.15 Uhr ausgelöst, nachdem sich die Gefahr abzeichnete, dass der Wasserstand der Elbe eine Höhe von bis zu 10,20 Meter erreichen könnte und damit der Rekordstand von 2010 (9,98 Meter) noch übertroffen würde. Diese Höhe ist dann doch nicht erreicht worden.

Der Scheitel des Wassers betrug in den Vormittagsstunden des 7. Juni 9,88 Meter. Seitdem sank der Wasserstand kontinuierlich. Der Richtwert der Alarmstufe 4 (8,50 Meter) wurde in den Nachmittagsstunden des 10. Juni 2013 unterschritten….

… In kürzester Zeit und unter schwierigsten Bedingen musste eine Unzahl von kleinen und großen Schadstellen behoben werden, bis dahin, dass über etwa einen Kilometer eine Baustraße errichtet werden musste, um den rutschungsgefährdeten Deich bei Borschütz mit schwerer Technik erreichen zu können. Insgesamt waren im gesamten Landkreis etwa 1 000 Menschen als Einsatzkräfte tätig. Hinzu kam eine große Zahl freiwilliger Helfer in den gefährdeten Gebieten und in den Evakuierungseinrichtungen. Zu danken ist aber auch den in die Katastrophenbekämpfung einbezogenen Firmen und deren Mitarbeitern.

Die Besonderheit: Die besondere Problematik lag 2013 darin, dass gleichzeitig zur Elbe auch die Schwarze Elster und deren Nebengewässer extremes Hochwasser führten.

Für die Schwarze Elster musste am 4. Juni 2013 die Alarmstufe 4 ausgerufen werden, welche bis zum 9. Juni 2013 andauerte.

Lokal stark: An der Schwarzen Elster war der Einsatz von Bundeswehr und überregionalen Kräfte nicht notwendig, so dass Katastrophenalarm nicht ausgerufen werden musste. Für die Einsatzleitungen entlang der Schwarzen Elster blieben also die Bürgermeister und Amtsdirektoren mit ihren Stadt- und Amtsbrandmeistern zuständig. …

… So gab es Deichbrüche an der sachsen-anhaltinischen Grenze bei Arnsnesta und Deichrutschungen in Alt-Herzberg sowie nördlich von Bad Liebenwerda. Besonders schwierig war auch die Lage in und um Neudeck. Dort staute die Schwarze Elster ungebremst in die Riecke zurück und verursachte erhebliche Überschwemmungen. Letztlich waren im gesamten Flussverlauf der Schwarzen Elster im Landkreis aber auch entlang der Pulsnitz und des Röderkanals viele gefährliche Situationen zu meistern …

Jetzt Hausaufgaben! Landrat Jaschinski verweist aber auch darauf, dass es nun dringend notwendig sein wird, dass nicht nur die noch nicht sanierten Deichabschnitte an der Elbe endlich instand gesetzt werden, sondern dass auch die Hochwasserschutzplanung im Bereich der Schwarzen Elster forciert wird….

red/fc

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.06.2013 (gekürzt)

 

Derartige Untaten sind auf das Schärfste zu verurteilen ...

 

Anschlag auf Flut-Wehr im Spreewald

Unbekannte schneiden Spanngurte durch / Hochwasser-Katastrophe knapp verhindert

Byhleguhre Unbekannte haben ein Wehr bei Byhleguhre (Dahme-Spreewald) beschädigt und damit beinahe eine Flutkatastrophe ausgelöst. Jetzt ermittelt die Polizei. Beim aktuellen Hochwasser hätten Deiche des Nordumfluters brechen und Felder überflutet werden können.

Das Schlimmste konnten Mitarbeiter des Wasser- und Bodenverbandes Oberland Calau verhindern: Sie entdeckten die durchgeschnittenen Spanngurte, die das Byhleguhrer Wehr 3 offenhalten sollten, kurz nach der Tat am Dienstagmorgen (11.06.2013. Die Wasserschutzpolizei kam hinzu, es wird ermittelt.

Um während des Hochwassers die Fluten möglichst schnell abzuleiten, sind derzeit alle Wehre im Nordumfluter "gezogen", erklärt Ramona Möbus vom Wasser- und Bodenverband. Das Wehr 3 bei Byhleguhre ist da keine Ausnahme. Seine drei Tore, die sonst Wasser zurückhalten, sind aus dem Nass nach oben gebracht und dort verankert worden. "Normalerweise machen wir das nicht mit Seilen", sagt Ramona Möbus. "Wir mussten aber schnell reagieren."

Unbekannte schnitten nun die haltenden Spanngurte durch. Die Mitarbeiter des Wasser- und Bodenverbandes fanden Dienstagmorgen (11.06.2013) nach unten gestürzte, verkantete Wehrtore vor und Wasser, das gegen die Deiche des Nordumfluters drückte.

Überflutungen gab es zwar noch nicht, "aber in dieser angespannten Lage kann so etwas eskalieren", sagt Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter Süd vom Landesumweltamt. Einen Deichbruch hätte er nicht ausgeschlossen – mit verheerenden Folgen.

Genehr und Möbus sind schockiert. "Überall helfen Freiwillige in dieser angespannten Lage, und solche Chaoten provozieren eine Katastrophe", so Ramona Möbus.

Die mutwillig heruntergelassenen Tore sind inzwischen wieder hochgezogen. Das Wasser kann frei durch den Nordumfluter abfließen. Doch das ohnehin marode Wehr ist beschädigt. "Den Schaden können wir im Moment noch nicht beziffern", sagt Ramona Möbus. Die Polizei hat unterdessen Kontrollen an den Deichen und Wehren angekündigt.

Ingvil Schirling

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.06.2013

 

Cottbus will neue Alarmstufen und Pegel

Bäume auf Deichen sollen schneller verschwinden als geplant

Cottbus Neue Alarmstufen, einen brauchbaren Pegel und mehr Personal beim Landesumweltamt – diese Forderungen stellt die Stadt Cottbus nach dem Hochwasser an das Land. Außerdem sollen die Bäume auf den Deichen verschwinden.

Von vier fatalen Tagen spricht Thomas Bergner, Chef des Cottbuser Umweltamtes. Ende Mai, Anfang Juni seien knapp 23 Billionen Liter Wasser auf Deutschland gestürzt. Das habe der Deutsche Wetterdienst berechnet. Schwere Überschwemmungen waren die Folge.

Die Spree in Cottbus führte Wassermassen wie seit Jahrzenten nicht mehr.

Noch immer wird aus der Talsperre in Spremberg deutlich mehr Wasser abgelassen als zu dieser Jahreszeit üblich. Trotzdem hat die Stadtverwaltung im Umweltausschuss bereits einen Zwischenbericht vorgelegt. Kurzfristig sollen die Schäden, die das Hochwasser angerichtet hat, dokumentiert werden. Die Unterlagen könnten bei ähnlichen Ereignissen künftig eine große Hilfe sein, sagt Bergner.

Erfahrungen über Hochwasser gibt es in der Stadt nämlich bislang kaum.

 

Anm.: Es liegen Erfahrungen vom Hochwasser der Spree 1981 vor. Man muss nur die Unterlagen studiern und nicht nur auf

Aktionismus machen.

100 Kubikmeter pro Sekunde werden im Spreebett der Stadt Cottbus schadlos abgeführt. Kritisch werden erst Durchflüsse,

die bei 140 Kubikmetern liegen.

 

Die letzten Tage haben deutlich die Schwachstellen offenbart. So passen die bisher festgelegten Alarmstufen nicht mehr, das heißt: In Sandow wurden zum Teil mehr als 100 Kubikmeter Wasser je Sekunde gemessen. Ein sehr kritischer Wert, so die Fachleute. Der Pegel stieg allerdings gerade einmal bis zur Alarmstufe 1. Die Stadt hatte trotzdem die Alarmstufe 3 ausgerufen, um auch externe Hilfe von Bundeswehr oder THW anfordern zu können.

Der Pegel in Sandow lieferte zudem ungenaue Angaben, sodass das Landesumweltamt sogar die an der Brücke gemessenen Werte für die Wassermengen von der Internetseite entfernte.

"Wir brauchen einen Pegel, der dem Stand der Technik entspricht", sagt der Cottbuser Ordnungsbeigeordnete Lothar Nicht (Linke).

Außerdem verlangt die Stadt eine deutliche personelle Verstärkung des Landesumweltamtes in der Region Süd für den Hochwasserschutz. Der Personalabbau in der Behörde in den vergangenen Jahren habe sich in diesen Tagen deutlich bemerkbar gemacht.

Anm.: Siehe weiter oben

Cottbus schlägt zudem vor, die Arbeitsgruppe Hochwasser zu erweitern. Dort sollten nach Vorstellungen der Stadt künftig neben Cottbus die Landkreise Spree-Neiße, Dahme-Spreewald sowie das Landesumweltamt zusammenarbeiten. Eine Verbesserung des Talsperrenmanagements ist nach Auffassung der Stadt ebenfalls notwendig.

Das ist nach Aussage von Manfred Kupetz vom Landesamt für Umwelt allerdings nicht ganz einfach.

"Die Durchflussmenge aus der Talsperre ist nicht ordentlich regulierbar", erklärt er. Teilweise benötigten die Staumeister Stunden, um den gewünschten Abgabewert zu erreichen.

Anm.: In der Vergangenheit hat die Regulierung, auch bei Hochwässern immer ordentlich funktioniert. Vielleicht wäre eine (interne) Ursachenforschung angebracht.

Die Stadt Cottbus wird das bereits begonnene Deichprogramm beschleunigen. So sollen die bereits ausgewählten Bäume auf den Hochwasserschutzanlagen noch schneller gefällt werden, um im Ernstfall den Deich auch mit schwerer Technik verteidigen zu können.

Die aktuelle Lage: Gegenwärtig überprüfen Fachleute die Brücken. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) bittet die Cottbuser um Verständnis für die andauernde Sperrung der Spreeübergänge. Erst wenn vollständig gesichert sei, dass die Brücken durch das Hochwasser keinen Schaden genommen haben, könnten sie wieder freigegeben werden, heißt es aus dem Rathaus. Für Fußgänger und Radfahrer sollten der Weg über das Große Spreewehr und das Kiekebuscher Wehr am Donnerstagnachmittag (13.06.2013) wieder geöffnet werden. Die Fernwärmeversorgung normalisiere sich weiter. Die Einspeisung in das Wärmenetz wird momentan von 95 auf 100 Grad Celsius erhöht. Üblich sind 115 Grad.

Deiche und Radwege bleiben gesperrt. Weiterhin im Einsatz sind Deichläufer und die Schreitbagger des Wasser- und Bodenverbandes Oberland-Calau. Die Sandsäcke werden schrittweise zurückgebaut.

                

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.06.2013

Anm.: Es wird so getan, als ob die Stadt Cottbus im Juni 2013 an einer Hochwasserkatastrophe „vorbei geschrammt“ wäre.

 

Kabinett (Brandenburg) zieht erste Flutbilanz: Dank an Helfer – Weitere Vorhaben für Hochwasserschutz – Flutgeschädigte Unternehmen werden unterstützt

18.06.2013 - Die Landesregierung hat heute eine erste vorläufige Bilanz des zweiwöchigen Hochwassers an Elbe, Havel, Spree und Schwarzer Elster gezogen. Innenminister Dietmar Woidke zollte den Tausenden Helfern von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Feuerwehren, Hilfsorganisationen sowie Freiwilligen im Namen der gesamten Landesregierung Dank und Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz an den Deichen. Nach erster Einschätzung von Umweltministerin Anita Tack sind die Schäden aufgrund der großen Anstrengungen der vergangenen Jahre bei weitem nicht so gravierend wie in anderen Bundesländern. Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers gab Einzelheiten zur Soforthilfe für Unternehmen bekannt, die durch das Hochwasser geschädigt worden sind.

Minister Woidke erklärte: „Unser Land hat zwei Wochen eines intensiven Kampfes gegen das Hochwasser von Elbe, Spree, Neiße und Schwarzer Elster hinter sich. Wir Brandenburger sind insgesamt relativ glimpflich durch dieses Hochwasser gekommen. Das gilt insbesondere, wenn man die Situation in Brandenburg mit der in Sachsen, Bayern oder Sachsen-Anhalt vergleicht. Ich ziehe meinen Hut vor allen Einsatzkräften und Freiwilligen, die oft bis zur Erschöpfung gearbeitet haben, um die Deiche zu verteidigen. Was hier geleistet wurde, das war einfach sagenhaft.“ Woidke kündigte an, dass das Land dieses außergewöhnliche Engagement in Form einer „Hochwasser-Medaille Land Brandenburg 2013“ auszeichnen werde. Derartige Ehrungen gab es bereits 1997 und 2002.

Woidke sagte, die Katastrophenschutzstrukturen von Land und Kreisen hätten sich als sehr leistungsfähig erwiesen. „Wir waren nach meiner Einschätzung gut aufgestellt. Das gilt vor allem für die Krisenstäbe der Landkreise, die das operative Rückgrat des Katastrophenschutzes bilden.“ Nach endgültiger Bereinigung der Lage müsse dennoch eine gründliche Auswertung des Hochwassereinsatzes erfolgen. „Wir müssen auch aus diesem Hochwasser lernen und für die Zukunft die richtigen Konsequenzen ziehen“, so Woidke. Jedes Hochwasser sei anders.

Das Land habe die Maßnahmen zum Hochwasserschutz massiv unterstützt. Woidke: „3,35 Millionen Sandsäcke wurden von unserem Landeskatastrophenschutzlager in Beeskow an die Landkreise geliefert. Dazu fast 2.200 Betten für Einsatzkräfte und Notunterkünfte, 84.000 Quadratmeter Vlies und 11.000 Quadratmeter Folie für die Abdeckung von Deichen sowie 7.600 Faschinen zur Sicherung gegen Deichrutschungen.“

Verbaut wurden diese von Tausenden Einsatzkräften von Feuerwehren, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Hilfsorganisationen, Bundes- und Landespolizei. „Bis zu 4.000 Menschen täglich haben sich in unserem Land gegen die Fluten gestemmt. Ihnen allen gilt mein Dank“, sagte der Innenminister. Geholfen hätten auch viele Kräfte aus anderen Bundesländern wie Soldaten aus Niedersachsen oder Feuerwehrleute aus Hessen. Sogar die Besatzung eines U-Bootes sei in Brandenburg im Einsatz gewesen. Auch Brandenburg habe seinerseits den stärker betroffenen Nachbarländern geholfen: Brandschutzeinheiten aus Brandenburg waren in Sachsen und Sachsen-Anhalt im Einsatz, dazu Angehörige des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes und der DLRG. „Wir haben natürlich auch Glück gehabt. Mehrfach stand die Situation Spitz auf Knopf“, räumte Woidke ein.

Ministerin Tack hob hervor, dass sich die seit 1997 investierten 400 Millionen Euro in die Hochwasserabwehr gelohnt haben. Auch die Anstrengungen, den Flüssen mehr Raum zu geben, zeitigten Wirkung. Kurzzeitige Deichbrüche führten an der Lausitzer Neiße bei Griesen, im Raum Herzberg an der Schwarzen Elster und an der Spree südlich von Cottbus zu Überschwemmungen von landwirtschaftlicher Nutzfläche und Wald. Im Rückstaubereich der Stepenitz im Landkreis Prignitz wurden einige Häuser geflutet, weil der hier eilends errichtete Notdeich nicht die gesamte Ortslage Breese vor den stauenden Wassermassen schützen konnte. Tack informierte in diesem Zusammenhang über den Stand des Deichbauvorhabens in der Ortslage Breese. Das Projekt befindet sich im Planfeststellungsverfahren. „Gegenwärtig steht vor allem die Klärung von Eigentumsfragen auf der Tagesordnung“, so Tack. Ein Baubeginn wird für die zweite Jahreshälfte 2014 angestrebt.

Ministerin Tack resümierte: „Jetzt kommt es zunächst darauf an, Schäden festzustellen und zu beheben, so an den Hochwasserschutzanlagen entlang von Havel, Spree und der Schwarzen Elster.“ Darüber hinaus werden die geplanten Baumaßnahmen für den Hochwasserschutz auf den Prüfstand gestellt. „Priorität haben neben den Maßnahmen der Deichsanierung und des Deichneubaus die Erschließung von Überflutungsflächen. Wir müssen den Flüssen mehr Raum gehen, das hat das jüngste Hochwasser erneut bestätigt.“ Sie verwies auf die die planmäßig gefluteten fast 10.000 Hektar Havelpolder, die maßgeblich zur erfolgreichen Hochwasserabwehr an der Elbe beigetragen haben.

Zudem sollen weitere Überflutungsflächen geschaffen werden, allein in der Neuzeller Niederung an der Oder sind 2.000 Hektar neue Retentionsfläche in Planung. Die Bauarbeiten bei Mühlberg an der Elbe mit weiteren 240 Hektar werden in diesem Jahr mit Hochdruck vorangetrieben. Auch das Rückhaltevermögen von weiteren Tagebaurestseen soll für kommende Hochwasser geprüft werden. Ein entsprechender Auftrag wird in den nächsten Wochen ausgeschrieben. Für den Hochwasserschutz und wasserbauliche Maßnahmen stehen im laufenden Haushaltsjahr rund 55 Millionen Euro zur Verfügung, von denen rund 35 Millionen Euro bereits gebunden sind.

Die Ministerin machte sich erneut für ein länderübergreifendes Agieren stark. Ohne eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und auch über die Grenze hinweg mit Polen und Tschechien sei kein effektiver Hochwasserschutz möglich. „Es geht um einen landeseinheitlichen Kriterienkatalog zum länderübergreifenden Hochwasserschutz, insbesondere auch im Katastrophenfall. Denn Wettbewerb um immer höhere Deiche kann keiner gewinnen. Die weitere Ausweisung von Retentionsflächen hat eine zentrale Bedeutung, ist aber ohne finanzielle Entschädigungszahlungen an Eigentümer beziehungsweise Landnutzer nicht machbar. Hier besteht dringender Handlungsbedarf auf Bundes- und EU-Ebene.“

Minister Christoffers erläuterte die Einzelheiten der Soforthilfe für hochwassergeschädigte Unternehmen: „Ich bin froh, dass es uns in kurzer Zeit gelungen ist, in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium ein Programm aufzulegen, mit dem Unternehmen geholfen werden kann, deren Betriebstätten durch die Flut Schaden genommen haben. Nun stehen uns zwei Millionen Euro zur Verfügung, mit denen wir Freiberuflern und Gewerbetreibenden aller Branchen - also auch touristische Unternehmen - unterstützen können. Ziel muss es sein, alles dafür zu tun, damit die Betriebe ihre reguläre Arbeit bald wieder aufnehmen können. Zu begrüßen ist, dass sich Betriebe untereinander helfen und die Industrie und Handelskammern sowie die Handwerkskammer mit umfangreichen Beratungsleistungen die Wirtschaft unterstützen“, sagte Christoffers.

Die Kosten für das Programm werden zu gleichen Teilen vom Land und vom Bund getragen. Vorgesehen ist, dass bis zu 50 Prozent der nicht versicherten und unmittelbar durch das Hochwasser verursachten Schäden ersetzt werden könnten. Pro Schadensfall könnten jedoch höchstens 100.000 Euro ausgezahlt werden. „Erfreulich ist, dass auch diejenigen in den Genuss der Hilfe kommen, die von einer Überflutung zwar verschont wurden, aber durch ansteigendes Grundwasser zu Schaden kamen, wie er beispielsweise bei einem touristischen Unternehmen am Elbdeich aufgetreten ist. Mittelbare Schäden wie ein Verdienstausfall oder verloren gegangene Aufträge können nicht ersetzt werden“, ergänzte Christoffers.

Bis Ende der Woche sollen die notwendigen Verwaltungsvereinbarungen unterschrieben sein. Die Investitionsbank Brandenburg wird die Bearbeitung der Anträge übernehmen. Wie viele Unternehmen in Brandenburg von den Flutfolgen betroffen sind und das Programm in Anspruch nehmen können, lässt sich derzeit noch nicht exakt beziffern.

Quelle: http://www.stk.brandenburg.de/cms/detail.php?gsid=bb1.c.334018.de (Ausschnitte)

              

              

55 Millionen Euro für Hochwasserschutz

Innenminister rechnet mit Flut-Schäden in zweistelliger Millionenhöhe / Eisenbelastung der Spree gering

Potsdam Brandenburgs Regierung zog am Dienstag nach dem verheerenden Hochwasser der vergangenen Wochen Bilanz. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) rechnet mit Gesamtschäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke kündigte am Dienstag in Potsdam an, die ehrenamtlichen Helfer, die in den letzten Wochen die Deiche an Elbe, Spree, Neiße und Schwarzer Elster gesichert haben, mit einer "Hochwasser-Medaille" ehren zu wollen. Eine solche Auszeichnung hatte es bereits nach den Flutkatastrophen der Jahre 1997 und 2002 gegeben. "Im Großen und Ganzen haben wir die Herausforderungen sehr gut bewältigt", bilanzierte der SPD-Politiker. Vor allem die Investitionen in den Katastrophenschutz hätten sich ausgezahlt. "Wenn Sie merken, dass Samstag nachts um halb zwei Material, Fachleute und Einsatzkräfte in ausreichender Menge an der richtigen Stelle sind, dann spüren Sie, dass man die Katastrophe bewältigen kann."

Schon in der Vergangenheit habe das Land an den richtigen Stellen interveniert – der Rühstädter Bogen oder der "Böse Ort" bei Lenzen seien dieses Jahr keine Gefahrenstellen mehr gewesen. Dennoch seien allein am elften Juni rund 4000 Menschen zum Schutz der Deiche im Einsatz gewesen. Insgesamt seien in Brandenburg 3,35 Millionen Sandsäcke, 84 000 Quadratmeter Vlies und 11 000 Quadratmeter Folie zur Abdeckung der Deiche zum Einsatz gekommen. Umweltministerin Anita Tack (Die Linke) kündigte an, dass bei Mühlberg die Arbeiten zur Schaffung von 240 Hektar Überflutungsfläche mit Hochdruck vorangetrieben würden. "Wir kommen Schritt für Schritt dahin, den Flüssen mehr Raum zu geben." Insgesamt seien rund 55 Millionen Euro für den Hochwasserschutz im Landeshaushalt vorgesehen.

Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) wies darauf hin, dass für von der Flut betroffene Unternehmen aus Brandenburg nun ein Etat von zwei Millionen Euro zur Verfügung stehe. Pro Schadensfall könnten bis zu 100 000 Euro ausgezahlt werden. "Wir können schon in dieser Woche mit den Regulierungsmaßnahmen anfangen", so Christoffers. Bereits seit Freitag können von der Flut betroffene Brandenburger Soforthilfe beantragen; 2000 Euro für eine Privatperson, 5000 Euro für einen Gewerbebetrieb. Die Gesamtschäden der Flut in Brandenburg sind derzeit aber noch nicht bezifferbar. "Es ist mit Sicherheit ein zweistelliger Millionenbetrag", schätzte Innenminister Woidke.

Brandenburgs Opposition mahnte eine "schonungslose Fehleranalyse" nach dem Hochwasser an. "Die Deiche entlang der Schwarzen Elster müssen grundhaft erneuert werden", so Dieter Dombrowski, CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag. "Hier wurde in den vergangenen Jahren einiges auf dem Papier geplant, passiert ist allerdings bis heute nichts."

Problematisch sei zudem "der seit Jahren voranschreitende Abbau an technischem Fachpersonal im Landesumweltamt." Demnach sei das Amt auch bei diesem Hochwasser nicht in der Lage gewesen, ausreichend Fachpersonal zur Unterstützung vor Ort zu stellen.

Auch eine mögliche erhöhte Eisenbelastung der Spree durch das Hochwasser war am Dienstag Thema.

"Im Auslauf der Talsperre Spremberg messen wir derzeit eine Belastung von 1,5 Milligramm pro Liter Wasser",

so Umweltministerin Anita Tack.

Erst ab einer Belastung von drei Milligramm wird das Eisen durch eine Braunfärbung sichtbar. Damit hielten sich die Umweltschäden nach der Flut in Grenzen.

Das Landesumweltamt hingegen hatte vergangene Woche noch vor einer steigenden Eisenbelastung der Spreewaldfließe gewarnt.

 

"Das Eisen ist sehr weit weggespült worden",

sagte Tack nun am Dienstag (18.06.2013).

Hohe Fließgeschwindigkeiten hätten zudem eine Art Reinigung der Fließe bewirkt.

Benjamin Lassiwe

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.06.2013

 

Anm.: Was sind das für Fachleute, die bei diesen Durchflüssen und Fließgeschwindigkeiten eine steigende Eisenbelastung

der Spreewaldfließe befürchten??

Dass eine Reinigung vom Eisenschlamm erfolgen wird, hat schon der Stauwart der Talsperre Spemberg, Birk Erdmann

am 05.062013 mit den Worten:

„Wenn hier 100 Kubik durchrauschen, wird der Eisenschlamm so stark verdünnt, dass man davon nicht viel sehen wird.“

vorhergesagt.

 

Hochwasser wird teuer für die Stadt

Cottbus Das Hochwasser der vergangenen Wochen kostet die Stadt rund 162 000 Euro.

Darüber informierte die Feuerwehr den Finanzausschuss. Demnach werden allein rund 37 600 Euro für Brückenprüfungen veranschlagt.

Die restlichen Kosten gingen für Verpflegung, Versorgung und Material drauf. Die entstandenen Kosten von Technischem Hilfswerk und der Bundeswehr werden der Stadt den Angaben der Feuerwehr zufolge nicht in Rechnung gestellt.

Quelle: Lausitzer Rundschau, 20.06.2013

 

Wasserstände und Abflüsse für den Pegel: Spremberg / Spree im Hochwasserzeitraum:

Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Hochwassermeldezentrum Cottbus

Alle Zeitangaben in MEZ (UTC+1h)

Wasserstand und Durchfluss Stundenwerte

Wasserstand in cm

 

02:00

06:00

10:00

14:00

18:00

22:00

09.06.2013

334

333

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350

349

10.06.2013

347

352

362

372

382

392

11.06.2013

399

403

403

399

386

369

12.06.2013

354

342

334

325

321

313

13.06.2013

311

310

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307

305

302

14.06.2013

298

300

298

295

292

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15.06.2013

271

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269

266

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16.06.2013

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17.06.2013

252

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243

18.06.2013

238

238

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233

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19.06.2013

234

233

233

229

231

233

20.06.2013

233

233

233

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241

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21.06.2013

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240

248

253

254

22.06.2013

250

246

242

-

-

-

 

Durchfluss in m³/s

 

02:00

06:00

10:00

14:00

18:00

22:00

09.06.2013

62,3

61,9

64,6

67,6

68,4

68

10.06.2013

67,3

69,2

73

77

83,5

92,2

11.06.2013

98,6

102

102

98,6

87

75,8

12.06.2013

69,9

65,4

62,3

59

57,5

54,6

13.06.2013

53,9

53,5

52,1

52,4

51,7

50,6

14.06.2013

49,2

49,9

49,2

48,2

47,1

43,7

15.06.2013

39,9

39,3

39,3

38,3

37,9

37

16.06.2013

37

37

36,6

36

32,8

34,4

17.06.2013

33,7

35,3

34,7

34,1

32,8

31,2

18.06.2013

29,4

29,4

29,4

28,4

26,8

27,3

19.06.2013

27,3

26,8

26,8

24,8

25,8

26,8

20.06.2013

26,8

26,8

26,8

26,8

30,7

30,9

21.06.2013

31,2

30,7

30,4

32,6

34,1

34,4

22.06.2013

33,1

32

30,9

-

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Wasserstände und Abflüsse für den Pegel: Cottbus, Sandower Brücke / Spree im Hochwasserzeitraum:

Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Hochwassermeldezentrum Cottbus

Alle Zeitangaben in MEZ (UTC+1h)

Wasserstand Stundenwerte

Wasserstand in cm

 

02:00

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09.06.2013

239

238

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238

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10.06.2013

239

238

237

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11.06.2013

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239

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12.06.2013

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238

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13.06.2013

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14.06.2013

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15.06.2013

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17.06.2013

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224

215

209

210

18.06.2013

209

210

193

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181

180

19.06.2013

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151

177

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20.06.2013

179

180

179

179

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21.06.2013

183

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181

22.06.2013

181

181

181

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Aktion dauert bis August / Bürger dürfen sich bedienen

Cottbus Die Hochwassergefahr ist gebannt. Für 60 000 Sandsäcke, die über Wochen an den Ufern der Spree im Cottbuser Stadtgebiet für den befürchteten Ernstfall bereitlagen, gibt es keine Verwendung mehr.


Foto Helfer der Regionalwerkstatt beräumen die Sandsäcke an der Spree zwischen Sanzebergbrücke und Sandower Brücke. Foto: Michael Helbig/mih1

Anfang Juli (2013) haben nach Angaben der Stadtverwaltung Helfer der Umgebinde GmbH Groß Schacksdorf mit dem Rückbau begonnen und sich dabei von Norden nach Süden vorgearbeitet.
Derzeit sammeln täglich rund 15 Mitarbeiter der Regionalwerkstatt Brandenburg an der Sanzebergbrücke Sandsäcke ein. "Bisher sind rund 20 000 Säcke zurückgebaut", berichtet Einsatzleiter Bernhard Koalick von der Berufsfeuerwehr. Ziel sei es, die Arbeit bis Mitte August abzuschließen. In den nächsten Tagen sind das Luft- und Waldbad Kiekebusch sowie der Friedensplatz in Gallinchen an der Reihe.
Da die Säcke trocken geblieben sind, kann das Füllmaterial wiederverwendet werden. Der Sand wird ausgeschüttet und auf dem TIP-Gelände gelagert. Ein Teil des Materials ist zum entstehenden Mitmach-Garten in Sandow sowie zum Bürgergarten in Schmellwitz gebracht worden. Auch Privatpersonen dürfen sich jederzeit Sandsäcke vom Spreeufer wegholen. "Das hilft uns bei der Arbeit", sagt Bernhard Koalick. Allerdings sei es ratsam, zuvor in die Säcke zu schauen, denn nicht alle enthalten Sand.
ue
 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 17.07.2013



Aufräumen nach dem Hochwasser erschwert / Sanierung der Talsperre geht weiter

Cottbus/Spremberg Während die Urlauber am Spremberger Stausee auf dem Trockenen sitzen, sind Pegel und Fließgeschwindigkeit der Spree in Cottbus lange Zeit höher als normal. So laufen die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in der Stadt nur schleppend an und es gerät sogar ein Kajak in Not.

Die Urlauber sitzen am Spremberger Stausee auf dem Trockenen. Die Talsperre wurde abgelassen, da eine weitere Sanierung nötig ist. Foto: Igel

Der Bagenzer Strand sieht aus wie eine Wattlandschaft. Eine Gruppe Radfahrer dreht gleich ab. Wieder einmal diskutieren die Dauercamper, ob sie sich ein neues Gewässer suchen sollen. Seit einigen Jahren leben sie mit einem leeren Staubecken mitten in der Ferienzeit.
Während in Bagenz die Urlauber frustriert sind, schießt weiterhin jede Menge Wasser in der Spree durch Cottbus. Bis zum Wochenende liegt der Pegel bei 1,80 Meter. Viel zu hoch, um die vier gesperrten Brücken in der Stadt zu kontrollieren. Das Aufräumen läuft bisher langsam an, berichtet Umweltamtschef Thomas Bergner. "Der Gewässerverband muss derzeit sogar die Unterhaltungsarbeiten an den Gräben nach hinten schieben", berichtet er. "Die Bergung der Bäume aus der Spree wird noch eine ganze Weile dauern." Mehr als 200 Bäume seien bislang aus dem Wasser gezogen worden. Das sind aber bei Weitem nicht alle.
Das wird am Sonntagnachmittag (07.07.2013) zwei Kajakfahrern aus Berlin zum Verhängnis. Sie sind spreeabwärts unterwegs, können mehreren Bäumen ausweichen, kollidieren aber letztendlich doch mit einem Wasser liegenden Baum. Die Sportler können sich retten, das Boot verkeilt sich im Wasser und muss später musste von der Feuerwehr geborgen werden….
… Dass die Talsperre ein wasserwirtschaftliches Bauwerk und nicht in erster Linie Erholungsgebiet ist, verstehen die Camper. Aber nach den Jahren fühlen sie sich völlig vergessen.
Tatsächlich gibt es einen guten Grund für das Ablassen des Stausees, erklärt Dr. Manfred Kupetz vom Landesumweltamt. Die Generalsanierung der Talsperre ist noch immer in vollem Gange. Das jüngste Hochwasser habe den Zeitplan durcheinander gebracht. In der nächsten Woche soll nun mit der Sanierung des Wassereinlaufs der Staumauer begonnen werden. "Dort wird der Beton um 30 Zentimeter abgetragen und erneuert", berichtet Kupetz. Das wird vier Monate dauern. "Deshalb können wir die Arbeiten nicht weiter nach hinten verschieben und der Winter darf nicht früher kommen."
Der Abfluss der Talsperre wird seit Montag (08.07.2013) kontinuierlich verringert. Das ist am Dienstag (09.07.2013) in Cottbus deutlich zu spüren. Der Pegel sinkt im Laufe des Nachmittags auf knapp einen Meter. "Jetzt kann der Wasserverband richtig aktiv werden und mit den Schreitbaggern arbeiten", sagt Umweltamtschef Bergner. "Vorher war das oft gefährlich."…
…Die Generalsanierung der Talsperre ist noch nicht abgeschlossen. 2014 geht es weiter, kündigt Manfred Kupetz an.

 
Der hohe Spreepegel hat bislang das Aufräumen nach dem Hochwasser erschwert. Foto: Michael Helbig/mih1


 

 

 

 

 

 

Annett Igel und Peggy Kompalla


Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.07.2013 (auszugsweise)

 

Fließmenge in Cottbus höher als erwartet

Cottbus Aktuelle Messungen durch das LUGV haben ergeben, dass entgegen den automatisierten Angaben derzeit nicht 76,

sondern 96 m³/sec am Pegel Sandow

vorbeifließen.

Es muss also davon ausgegangen werden, dass  20 m³/sec mehr durch Cottbus fließen, als auf der Internetpräsenz des LUGV angegeben sind.

Differenzen zwischen diesen Messwerten und den 110 m³/sec in Spremberg abgegebenen erklären sich aus den verhältnismäßig großen Überflutungsbereichen zwischen der Talsperre und Cottbus. Gegenwärtig gibt es widersprüchliche Angaben zu den Fließmengen in der Spree.

Die Ursachen dafür versuchen die Fachleute zu klären. Die „Abflusstafel“ des Landesumweltamtes (LUGV) muss nach den aktiven Tagen der Hochwasserschutzmaßnahmen überarbeitet werden.

Die Unsicherheiten ergeben sich augenscheinlich aus der Tatsache, dass es seit über 30 Jahren keine Erfahrungen mit derartigen Wassermengen gibt.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.06.2013

 

Cottbuser Erkenntnisse

Wie schon im Jahr 2010 ist auch diesmal die Stadt Cottbus beim Hochwasser glimpflich davon gekommen. Andere Teile Deutschlands hat es wesentlich schlimmer getroffen.

Die Talsperre in Spremberg hat erneut als Schutz funktioniert. Dass sich die Schäden in der Stadt in Grenzen halten, ist aber vor allem auch den Cottbusern selbst zu verdanken. Hunderte haben Tausende Sandsäcke befüllt und geschleppt, sind als Deichläufer Tag und Nacht unterwegs gewesen, haben wildfremde Menschen unterstützt. Und so gibt es neben der Erkenntnis, dass die Hochwasser-Alarmstufen überarbeitet werden müssen und die Talsperre auch an Grenzen stoßen kann, eine vielleicht noch viel wichtigere: Im Notfall halten die Cottbuser zusammen.

 Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.06.2013

 


An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zu den Hochwasserfolgen Juni 2013 im Elbe-Elster-Land:

Banges Warten auf das nächste Hochwasser


Bauern im Amt Schradenland kämpfen um leistungsfähigeres Schöpfwerk / Kritik an Landesregierung
Elsterwerda Die Untere Pulsnitzniederung (Elbe-Elster) ist beim jüngsten Hochwasser einmal mehr stark betroffen gewesen – der Schaden für die Landwirte ist enorm. Seit Jahren kämpfen sie für den Bau eines leistungsfähigeren Schöpfwerkes, um das Wasser von den überfluteten Feldern und Wiesen abzuleiten. Passiert ist bisher nicht viel.
                          
Im stinkenden Morast stehen die Kühe mit ihren Kälbern auf den überfluteten Weideflächen des Amtes Schradenland (Elbe-Elster). Foto: Lehmann
Die Wiesen im Naturschutzgebiet Untere Pulsnitz stehen auch einen Monat nach dem letzten Hochwasser (Juni 2013) unter Wasser. Kälber und Mutterkühe waten durch die knietiefe Brühe.
Die Landwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber der Region. Ralf Hahndorf, Geschäftsführer der Schradenfrucht Gröden GmbH, fühlt sich wie viele Landwirte im Amt Schradenland (Elbe-Elster) im Stich gelassen. Auf den Weiden wüchsen durch das Stauwasser mittlerweile mehr Binsen statt Gras – für das Vieh nicht schädlich, aber weniger bekömmlich, sagt Ralf Hahndorf. Auf den Feldern stehen noch riesige Pfützen. Erst nach eingehender Prüfung werde man sehen, was von der Ernte verwertet werden kann. Der auf Ackerbau spezialisierte Landwirt beklagt: "Immer mehr Fläche bleibt liegen. Weil das Wasser steht."
Zwischen den umliegenden Ortschaften Gröden und Merzdorf und den landwirtschaftlichen Flächen an der Pulsnitz liegt ein Höhenunterschied von etwa 20 Metern – nicht nur bei Hochwasser, auch bei starken Niederschlägen sammelt sich das Wasser aus den höheren Lagen in der Niederung. Und es versickert nur langsam.
Die Be- und Entwässerung der Polder wird durch ein breites Grabensystem und Schöpfwerke reguliert. Bei erhöhtem Pegel in den Gräben pumpen die Werke das Wasser in die Pulsnitz.
Am Südufer wurde hierfür 1930 das Schöpfwerk Merzdorf errichtet. Erst 2001 wurde es saniert, zwei automatisch über Sensoren gesteuerte Pumpen installiert. Doch diese, so der Vorwurf der Landwirte, seien nicht leistungsfähig genug, die Überflutungsflächen nach Hochwasser zügig zu entwässern. "Wir reden seit 15 Jahren, dass hier etwas passieren muss", sagt Ralf Hahndorf, "es kann nicht sein, dass sich das Land nicht für uns interessiert."
Bernhard Naumburger vom Gewässerverband "Kleine Elster-Pulsnitz" erläutert die Situation: "Bei Normalwasser ist die Leistung des Schöpfwerkes Merzdorf ausreichend." Probleme bereitet Wasser, das aus dem parallel zum alten Schöpfwerksgraben verlaufenden Großthimmig-Krauschützer-Binnengraben durch einen beschädigten Damm in den Vorfluter des Werkes fließe.
Bei erhöhtem Pegel der Pulsnitz wird flussaufwärts das Hochwasserschöpfwerk Hirschfeld in Betrieb genommen. Das entlastet den Großthimmig-Krauschützer-Binnengraben und somit auch den Zulauf des Schöpfwerkes Merzdorf.
Eine Umleitung des Binnengrabens nördlich am Merzdorfer Schöpfwerk vorbei und der Bau eines neuen Dammes ist nach Angaben des Gewässerverbandes bereits in Planung.
Vorwürfe, das Schradenland sei Überflutungsfläche, um größere Städte wie Elsterwerda, Bad Liebenwerda und Herzberg vor Hochwasser zu schützen, weist der Gewässerverband zurück.
Im jüngsten Hochwasserfall sei das Schöpfwerk Merzdorf an zwei Tagen abgeschaltet worden, weil das Wasser der Pulsnitz zum Werk gedrückt habe. Es kam zum Überlaufen des Abflussbeckens. Das Werk hätte die Wassermassen dann im Kreis gepumpt.
Den Landwirten wäre es recht, wenn über das Entwässerungssystem der Grundwasserpegel gesenkt und die überfluteten Weiden im Moor wieder genutzt werden kann.
In den 1970er-Jahren sind hierfür in einem Meliorationsprogramm Stauanlagen gebaut, wichtige Gräben vertieft und kleinere Gräben verschüttet worden, erläutert Bernhard Naumburger vom Gewässerverband. Der Verband sei für die Bedienung des Schöpfwerkes Merzdorf und jene Stauanlagen zuständig, die auf dem Grund des Landes liegen. Für Anlagen auf Privateigentum seien die Anlieger selbst verantwortlich.
Beim jüngsten Hochwasser, so der Vorwurf des Gewässerverbandes, haben Landwirte Stauanlagen bedient, für die sie keine Berechtigung haben. "Bei Hochwasser denkt jeder betroffene Landwirtschaftsbetrieb zuerst an sich", so der Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes, Hubertus Brückner. "Im Osten reißen die Landwirte Stauanlagen auf, in den Niederungen im Westen versinken die Flächen."
 
Anm.: Wo bleibt eigentlich die viel beschworene Solidarität in wasserwirtschaftlichen Extremsituationen ?

Für Bauern scheint das nicht zu gelten,
aber Forderungen der Bauernschaft nach einem Hochwasserschadensausgleich sind sofort auf dem Tisch.

Eine "schrittweise Enteignung auf nassem Weg" seien die jährlichen Überflutungen, so Schradenland-Amtsdirektor Thilo Richter und fordert Unterstützung vom Land. Hochwasserschutz ist Landesaufgabe, sind sich die Betroffenen einig. Nahezu 99 Prozent der Flächen im Überflutungsgebiet sind Privateigentum, das von Agrarbetrieben gepachtet wird, teilweise aber wegen des Stauwassers nicht bewirtschaftet werden kann.
Seit der Flut 2010 habe sich die Grundwasserlage nicht normalisiert, erklärt Bernhard Naumburger. Bereits damals habe der Gewässerverband Vorplanungen für einen Schöpfwerk-Neubau beim Landesumweltamt (LUGV) eingereicht. Das Vorhaben ist bis zum Abschluss der Hochwasserrisikomanagementplanung des Landes eingestellt.
Das Wasserwirtschaftsamt wird nach Angaben des LUGV bis Ende 2014 ein Konzept für das Hochwasserrisikomanagement im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster in Brandenburg erarbeiten.
Die Landwirte im Amt Schradenland wollen unterdessen weiterkämpfen.

 

Zum Thema:

In einer Petition an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) fordern die Landwirte primär den Neubau eines leistungsfähigen Schöpfwerkes. Zudem wollen sie bessere Abstimmung im Hochwasserfall mit den zuständigen Behörden, einen unbürokratischen Ausgleichsfonds, wenn das Schöpfwerk abgeschaltet werden muss sowie die zweimalige Unterhaltung der Vorfluter im Jahr.

Anja M. Lehmann

Quelle: Lausitzer Rundschau, 09.07.2013


Elbe- Elster von Flut am stärksten betroffen

Plessa. Elbe-Elster ist die am stärksten vom Hochwasser betroffene Region in Brandenburg. Insgesamt standen im Landkreis
10 800 Hektar unter Wasser. Landesweit wurden fast 40 000 Hektar geschädigte Fläche registriert.
Die Bauern kritisieren die geplanten Entschädigungen als zu niedrig.

Sie fordern vom Land, komplett für alle Verluste aufzukommen.
Red
 
Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.07.2013
  
Anm.: Manche Forderungen sind an Dreistigkeit schwer zu überbieten, so dass man sich jede Bemerkung 
sparen kann.

Wie werden eigentlich die übrigen vom Hochwasser Betroffenen entschädigt?


 

„Hochwasser“ -Rückblick

RÜCKBLICK Aufatmen in der Lausitz. Die Pegelstände gehen überall zurück. Die Mühlberger können vermutlich am Dienstag (04.06.2013) wieder zurück in ihre Häuser. Hier können Sie den Verlauf des Hochwasser-Tickers (für das Stadtgebiet Cottbus) noch einmal nachlesen.

11:10 Uhr I Cottbus  Reiterhof und Gaststätte an der Kutzeburger Mühle sind weiter zugänglich und durch das Hochwasser nicht beeinträchtigt. Das Reiterfest am Sonntag (02.06.2013) ist deshalb nicht in Gefahr und kann wie geplant veranstaltet werden, teilt die Stadtverwaltung mit. +++

11:10 Uhr I Cottbus: Der Abfluss aus der Talsperre in Spremberg wird schrittweise bis auf 77 Kubikmeter je Sekunde zurückgefahren, erklärte der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski am Samstagvormittag. (01.06.2013) +++

11:16 Uhr I  Cottbus Die Stadt Cottbus sucht Deichläufer. Nachdem die Bundeswehr vorzeitig am Samstag abgezogen worden ist, um in anderen Landesteilen zu helfen, übernimmt die Stadt wieder die Beaufsichtigung der Deiche. Freiwillige werden gebeten, sich unter der Rufnummer 612 4000  zu melden.  Es werden immer zwei Deichläufer einem Abschnitt zugeordnet. +++

12:20 Uhr I| Cottbus Der Biergarten an der Cottbuser Spreewehrmühle steht teilweise unter Wasser. 

THW-Helfer aus Berlin-Pankow versuchen Wasser abzupumpen. +++ 

13:00 Uhr I Cottbus
Aktuelle Messungen durch das LUGV haben ergeben, dass entgegen den automatisierten Angaben derzeit nicht 76, sondern 96 m³/sec am Pegel Sandow vorbeifließen >> http://bit.ly/ZxDkYL +++

14:26 Uhr I Cottbus: Nach dem Deichbruch bei Frauendorf steigt der Wasserpegel etwa zwei Zentimeter je Stunde. Noch sind bis zur Oberfläche der Brücke und damit bis zum kritischen Punkt 40 Zentimeter Platz. Eine akute Gefahr für die angrenzenden Häuser sieht Neuhausen-Bürgermeister Dieter Perko gegenwärtig nicht. +++

16:15 Uhr I Cottbus: Trotz der Probleme im Biergarten bleibt die Gaststätte Spreewehrmühle weiter geöffnet. Darüber hat  Rathaussprecher Peter Lewandrowski informiert. +++

18:20 Uhr I CottbusGute Nachricht vom Spremberger Stausee: Die Abflussmenge wird morgen schrittweise von 110 auf 80 m³/sec zurückgenommen. 

Der Deichbruch bei Frauendorf hat im Laufe des Tages einen erkennbar großen Teil Wasser in dortige Überflutungsflächen aufgenommen. Während des Tages beseitigten Helfer immer wieder Treibgut auf der Spree.

Der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau unterstützt die Cottbuser Kräfte durch den Einsatz von Schreitbaggern, die an schwerzugänglichen Stellen Bäume und Treibgut aus dem Wasser entfernen.    +++

18:44 Uhr I Cottbus  Der Pegel der Spree in Cottbus sinkt.

Nach dem Höchststand von 2,68 Meter am Samstag (01.06.2013) um 9 Uhr

wurden um 17 Uhr (Samstag, 01.06.2013) 2,47 Meter gemessen.

Normal sind für den Monat Juni 95 Zentimeter.

Die Stadt stellt sich laut Oberbürgermeister Frank Szymanski noch einige Zeit auf einen deutlich höheren Wasserstände ein. +++

 

Anm.: Waren  das die Hochwasserschäden in Cottbus???  

            Wo leben wir eigentlich???

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.06.2013


 

Hochwasser wird für Cottbus teuer

Schäden in Höhe von gut drei Millionen Euro / Stadt hofft auf Geld aus Potsdam

Cottbus Das jüngste Hochwasser hat in Cottbus einen Gesamtschaden von gut drei Millionen Euro verursacht. Vor allem die kaputten Brücken schlagen mächtig ins Kontor. Die Stadt hofft nun auf großzügige Hilfe aus Potsdam.

Einen Nachschlag sollen die Cottbuser Stadtverordneten während ihrer Sondersitzung am Mittwoch genehmigen. Nachdem bereits im Juni 124 000 Euro bewilligt worden waren, um damit den Hochwassereinsatz zu bezahlen, kommen jetzt noch einmal 209 000 Euro dazu. Mit dem Geld sollen vor allem die Gutachten für die beschädigten Brücken finanziert werden. Knapp 68 000 Euro kosten diese laut Verwaltung. Ein zweiter großer Posten sind Lohnersatzleistungen, die für den Einsatz der Brandschutzeinheiten angefallen sind. Während des Hochwassers hatten in Cottbus Freiwillige aus den Landkreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree und aus Frankfurt/Oder ausgeholfen. 45 000 Euro muss die Stadt Cottbus nun dafür zusätzlich zu den bereits im Juni freigegebenen 30 000 Euro bezahlen. Schäden, die an Stegen und Wehren beseitigt werden mussten, schlagen laut Rathaus-Kalkulation mit rund 31 000 Euro zu Buche. Die von Firmen ausgeliehenen Bagger und Lkw kosten noch einmal 6200 Euro. Im Juni waren dafür bereits knapp 21 000 Euro veranschlagt worden. Insgesamt muss die Stadt Cottbus also für den Hochwassereinsatz rund 335 000 Euro begleichen. Die im Haushalt nicht eingeplante Summe soll durch Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden. Beispielsweise muss die Stadt für Kredite weniger Zinsen bezahlen als kalkuliert – das schafft etwas Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben.

Positive Signale

Möglicherweise wird ein Teil dieser Kosten aber auch vom Land getragen. "Es gibt positive Signale", sagt der Cottbuser Ordnungsbeigeordnete Lothar Nicht (Linke). Nachdem sich Bund und Länder über eine milliardenschwere Hochwasserhilfe geeinigt hätten, müssten nun die Richtlinien dazu erarbeitet werden. Das soll bis Ende August geschehen, sei der Stadt aus Potsdam signalisiert worden. "Dann können wir unsere Anträge stellen", ergänzt Lothar Nicht.

Die Stadt will dann nicht nur versuchen, einen Großteil der Kosten für den Hochwassereinsatz erstattet zu bekommen. So hat die Verwaltung jetzt auch die Schäden an den Brücken ermittelt. Das Ergebnis: Etwa zwei Millionen Euro werden alleine für den Lönssteg und die Brücke in Skadow benötigt. Noch sei nicht klar, ob die besonders stark beschädigten Brücken saniert oder sogar neu gebaut werden müssen. Die ermittelten Kosten seien deshalb zunächst nur Schätzungen. Sobald die Richtlinien aber klar seien, werde die Stadt die benötigten Unterlagen nach Potsdam schicken, kündigt der Ordnungsdezernent an. "Wir wollen in dieser Frage eine schnelle Lösung, weil wir die Betroffenheit vor Ort kennen", erklärt Lothar Nicht.

Für den Einsatz von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk (THW) muss die Stadt hingegen nichts bezahlen. Diese Kosten übernimmt der Bund. Auch der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau, der in den vergangenen Wochen rund 300 Bäume und Treibgut aus der Spree gefischt hat, wird seine Rechnungen nicht an die Kommune schicken. Für diese Kosten ist laut Stadtverwaltung das Landesumweltamt zuständig.

Zum Thema:
Für die Spreebrücke in Skadow ist bereits vor zwei Jahren die erlaubte Belastung auf neun Tonnen reduziert worden. Durch das jüngste Hochwasser haben sich mehrere Stützen um zehn Zentimeter abgesenkt. Der Lönssteg befindet sich laut Stadt in einem desolaten Zustand. "Dort gibt es Löcher in den Bohlen, die Stützen sind angefault, das Geländer ist beschädigt", zählt Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD) auf. Die Stadt werde deshalb dort um einen Ersatzbau kaum herumkommen, so die erste Einschätzung aus dem Bauamt.

Sven Hering

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 06.08.2013

 

Talsperre erst 2016 fertig saniert

Hochwasser verzögern Bauarbeiten / Instandsetzung der Staumauer liegt im Zeitplan

Spremberg Die Generalsanierung der Spremberger Talsperre soll bis spätestens 2016 abgeschlossen sein. Die aktuellen Arbeiten an der Staumauer des bröckligen Bauwerks liegen laut Landesumweltamt im Plan. Doch das freut nicht jeden.

An der Instandsetzung der bröckligen Spremberger Talsperre wird mit Hochdruck gearbeitet. Die Pfeiler am Entlastungsbauwerk sollen bis Ende November neu betoniert sein. Kurz zuvor beginnt der Einstau des Sees auf den Normalpegel. Foto: Bernhard Schulz

Unter ohrenbetäubendem Rauschen schießen die Wassermassen durch die Spremberger Talsperre. Im Normalfall bis zu 15 000 Liter in der Sekunde. Die Feuchtigkeit und der Zahn der Zeit haben an dem fast fünf Jahrzehnte alten Bauwerk genagt, Putz bröckelt an der Staumauer. "Wir müssen hier dringend weitersanieren", erklärt Ellen Peters vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV).

Die Wasserbauingenieurin wacht mit Argusaugen über die Bauarbeiten. Seit Juli erneuern Bauarbeiter den Wassereinlauf der Staumauer. Dort betonieren sie die massiven Pfeiler neu ein. Parallel dazu wird das angrenzende Grabensystem auf Vordermann gebracht. Die Kosten allein dafür belaufen sich auf gut eine halbe Million Euro.

Diese beiden Aktionen laufen bisher planmäßig. Verzögerungen gibt es hingegen beim Gesamtprojekt: "Wenn sich alle Randbedingungen ideal einstellen, könnte die Generalsanierung 2015/2016 abgeschlossen werden", sagt Peters.

Die Sanierung sollte ursprünglich in diesem Jahr beendet werden, lediglich Restarbeiten und ein großer Probestau im Jahr 2014 erfolgen. Grund für den Rückstand bei den insgesamt 23 Einzelmaßnahmen sind vor allem die Hochwasser von 2010 und 2011. So musste unter anderem die Betonierung des Tosbeckens – ein Auffangbecken für das abfließende Wasser des Stausees – mehrfach unterbrochen werden. Ein weiteres Manko ist der niedrige Wasserstand des Stausees.

Da die Arbeiten unter laufendem Betrieb stattfinden, wurde der Pegel um gut zwei Meter gesenkt. In der Folge verwandelte sich das Ufer teilweise in eine modrige Wattlandschaft. "Ab Mitte November wird wieder mit dem Einstau begonnen", kündigt LUGV-Mitarbeiterin Peters an.

Zu spät für Torsten Blondzik. Der Spreecamp-Geschäftsführer ist sauer: "Seit Anfang Juli sind enorm viele Tagestouristen und Gäste ausgeblieben", erklärt er. Der niedrige Wasserspiegel schreckte ab. Denn Schwimmer mussten erst einmal durch Schlamm waten, um in den See zu gelangen. "Auf unseren Campingplätzen in Bagenz und Klein Döbbern hatten wir in der letzten Saison noch 18 000 Übernachtungen", sagte Blondzik. In diesem Jahr ist es – vor allem auf der Bagenzer Seite – rund ein Drittel weniger. Blondzik hätte sich deshalb gewünscht, dass die Bauarbeiten im Frühjahr oder im Herbst erledigt werden – nicht jedoch in der Hauptsaison.

Gegenwind bekommt der Spreecamp-Chef indes aus dem Landesumweltamt. Präsident Matthias Freude sagt: "Wenn man Hochwasserschutz haben will, muss man solche Einschränkungen hinnehmen." Die Talsperre sei das wichtigste Hochwasserschutzobjekt Brandenburgs und die Sanierungen im Vorfeld lange genug angekündigt, schiebt er hinterher.

Das Bauwerk habe sich im Juni-Hochwasser erneut bewährt, muss aber unbedingt erneuert werden.

Die Talsperre Spremberg ist bundesweit die drittgrößte ihrer Art. Seit 1965 in Betrieb, ist sie in die Jahre gekommen. Nach der Überprüfung der Anlage im Jahr 2004 beschloss das LUGV die Generalsanierung, bei der auch alle Überwachungs- und Kontrolleinrichtungen an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden.

Die Arbeiten wurden 2005 begonnen und mussten seither mehrfach wegen Hochwassers unterbrochen werden.

Zum Thema:
Von 1958 bis 1965 wurde die Talsperre Spremberg erbaut. Im Jahr 2005 begann das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, sie zu sanieren, um den weiteren Erhalt des Bauwerks und dessen Sicherung und Funktion zu gewährleisten.Die Kosten für das ursprünglich 2014 endende Sanierungsprojekt belaufen sich auf etwa 16 Millionen Euro. Die aktuellen Arbeiten am Entlastungsbauwerk belaufen sich auf 540 000 Euro. Mit einer Seegröße von 683 Hektar und einem Volumen von rund 42 Millionen Kubikmetern regelt die Talsperre das ganze Jahr über den Wasserhaushalt der Spree und des Spreewalds. Im Rahmen der Baumaßnahmen zur Generalsanierung der Talsperre wurde der Wasserstand um gut zwei Meter unter das Normalstauziel abgesenkt. Ab November steigt der Pegel wieder.


Bernhard Schulz

Quelle: Lausitzer Rundschau, 25.09.2013

 

Stadt braucht Millionen für kaputte Brücken

Cottbus meldet beim Land Hochwasserschäden an und hofft auf eine 100-prozentige Förderung

Cottbus

Das Hochwasser in diesem Jahr hat in Cottbus Schäden von rund 4,5 Millionen Euro verursacht.

Vor allem kaputte Brücken müssen ersetzt werden. Die Stadt setzt auf das vom Land aufgelegte Hilfsprogramm.     

Wilfried Bruchatz, Hans Pschuskel und Hans-Günther Kamenz vor der gesperrten Brücke in Skadow. Foto: Hering

Weite Umwege müssen derzeit einige Skadower in Kauf nehmen. Nach dem Hochwasser im Sommer ist die Spreebrücke und damit die direkte Verbindung von ihren Grundstücken in den Ort gesperrt. "Die Brücke muss Priorität haben", fordert der Skadower Ortsvorsteher Rainer Lauk.

Den Weg für einen Neubau haben die Cottbuser Stadtverordneten in dieser Woche geebnet. So wurde die Stadt durch die Volksvertreter beauftragt, einen Kostenausgleich beim Land zu beantragen. Gemeinsam mit dem Bund hat das Land einen Hilfefonds eingerichtet. Für Städte, Gemeinden, private Haushalte und Wohnungsunternehmen sind Förderungen bis zu 100 Prozent in Aussicht gestellt.

Die Cottbuser Antragsliste ist umfangreich:

Der Ersatzneubau der Skadower Spreebrücke schlägt alleine mit Gesamtkosten von 1,3 Millionen Euro zu Buche.

Für die neue Hermann-Löns-Brücke kalkuliert die Stadt mit Kosten in Höhe von rund 800 000 Euro.

375 000 Euro soll die neue Brücke über den Mühlgraben in Gallinchen kosten. Die Brücke Markgrafenmühle über den Fabrikgraben findet sich mit 363 000 Euro in der Liste.

Repariert werden muss laut Stadt die Sanzebergbrücke. Diese Arbeiten kosten nach der aktuellen Schätzung etwa 478 000 Euro.

Ein großer Posten mit 333 000 Euro sind die Aufwendungen, die unmittelbar während des Hochwassers entstanden sind. Dazu zählen das Übernachtungslager für die Bundeswehr, die Evakuierung des Tierheims, Kosten für die Deichläufer, Brückengutachten oder auch die Verpflegungsbeutel, die an die Hochwasserhelfer verteilt worden sind.

157 000 Euro wird aller Voraussicht nach die Reparatur des kombinierten Radwegs Lakomaer Straße-Spreewehrmühle kosten. Dort haben die schweren Fahrzeuge, die beim Transport der Sandsäcke zum Einsatz gekommen sind, die Oberfläche ramponiert. Auch Gutachterkosten hat die Stadt in den Hochwasser-Schadensplan aufgenommen.

Danach schlägt der beauftragte Sonderplan für den Katastrophenschutz der Stadt mit 43 000 Euro zu Buche.

Eine Dokumentation, in der die Schäden aufgenommen worden sind, kostet rund 20 000 Euro.

Die Stadtwerke haben Schäden an der Heiztrasse in Rechnung gestellt. Die Fernwärmerohre sollen höher gelegt werden, damit sie nicht mehr mit dem Wasser in Verbindung kommen, sollte der Pegel der Spree wieder ansteigen. In diesem Jahr musste die Versorgung für Schmellwitz abgestellt werden. 10 000 Einwohner waren mehrere Tage lang ohne warmes Wasser.

Alle aufgelisteten Vorhaben sollen bis zum Jahr 2016 umgesetzt werden – eine komplette Förderung durch das Hilfsprogramm vorausgesetzt. Sollte die Stadt sich mit einem Eigenanteil beteiligen müssen, sind gesonderte Beschlüsse durch die Stadtverordnetenversammlung erforderlich. Darauf haben sich die Volksvertreter verständigt.

Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 27.09.2013

 

Anm.: Die aufgelisteten Summen enthalten Aufwendungen, die bei einem vernünftigen Hochwassermanagement gar nicht erst

entstanden wären, z.B.  Straßenschäden durch Transport von Sandsäcken mit sog. schweren Fahrzeugen ,

Evakuierung des Tierheimes. Hier ist doch abzusehen gewesen, das die Wasserstände, selbst unter ungünstigsten Voraussetzungen, nicht

das Niveau des Tierheimes erreichen.

Wohlgemerkt es handelt sich bei diesem Hochwasser um eine höhere Wasserführung der Spree im Raum Cottbus

mit etwa 95 m3/s und einem Höchst-Wasserstand am Pegel Cottbus, Sandower Brücke (PegelNull= 67,58 müHNH) am 01.06.2013, 17.00 Uhr

von 2,68 m = 70,16 m ü HNN.

 

Anm.: Das Einfachste ist das Kritisieren

 

Naturschützer fordern mehr Ausgleich für zerstörte Lakomaer Teiche

Cottbus Brandenburger Naturschützer haben einen größeren Ausgleich für das vom Braunkohlenbergbau zerstörte Lakomaer Teichgebiet bei Cottbus gefordert.

Die Umsiedlung von Tierarten in die renaturierte Spreeaue bei Dissen (Spree-Neiße) sei nicht ausreichend, kritisierte die Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga am Freitag (13.09.2013). Die Naturfreunde forderten weitere Ausgleichsmaßnahmen, zudem prüften sie eine Beschwerde bei der EU. Das Projekt der renaturierten Flussaue ist nach siebenjähriger Arbeit fast fertig. Der Energiekonzern Vattenfall stellt das millionenteure Vorhaben am Spreelauf nordwestlich von Cottbus an diesem Freitag vor. Auf elf Kilometern Länge wurde zwischen Döbbrick und Schmogrow eine Auenlandschaft geschaffen.

(dpa/bb)

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.09.2013

 

 

Fließe statt Deiche: Wie die Spree befreit wurde

In der Fluss-Aue bei Dissen ist ein bemerkenswertes Naturschutzprojekt verwirklicht worden / Erfolgskontrolle in den nächsten Jahren

Dissen Die Spreeaue nördlich von Cottbus war totes Gebiet: Der Fluss eingekeilt, begradigt, die Flächen intensiv bewirtschaftet – kein Raum für Natur. Jetzt haben Planierraupen der Natürlichkeit wieder ein Recht verschafft.

                                             

Bürgermeister Fred Kaiser, Vattenfall-Geotechniker Ingolf Arnold und Planer Christoph Gerstgraser (v. l.) zeigen, was sie vollbracht haben. Foto: Jan Siegel

Christoph Gerstgraser hat die Spree befreit. Der Diplomingenieur mit dem angenehmen Salzburger Dialekt ist stolz auf das, was er in den zurückliegenden fünf Jahren südlich des Dörfchens Dissen (Spree-Neiße) geschaffen hat. Er hat als Chefplaner den einst eingedeichten, geradlinigen Strom herausgeholt aus seinem beengten Bett und eine Naturlandschaft geschaffen, in der sich inzwischen wieder zahlreiche Tierarten wohlfühlen.

Insgesamt wurden zwischen Döbbrick und Schmogrow etwa 400 Hektar Fläche und elf Kilometer Flusslauf naturnah gestaltet. Das Geld für das 30-Millionen-Euro-Projekt gab das Energieunternehmen Vattenfall. Ausschlaggebend dabei war aber nicht die Naturverbundenheit der schwedischen Stromerzeuger. Die Renaturierung der Spreeaue ist der von Behörden und Naturschützern geforderte Ausgleich für ein Biotop in der Nähe der Fischerstadt Peitz. Dort waren zum Anfang der 2000er-Jahre die Lakomaer Teiche im Tagebau Cottbus-Nord verschwunden. Das Teichgebiet war davor Heimat für zum Teil seltene Amphibien und Insekten. "Wir haben zwischen 2007 und 2010 beispielsweise mehr als 75 000 Rotbauchunken und weitere 105 000 andere Amphibien aus dem Gebiet der Lakomaer Teiche umgesetzt. Davon kamen 150 000 Tiere in die acht neu geschaffenen Teiche in der Spreeaue", erzählt Christoph Gerstgraser.

 

Wo die Nachfahren der Tiere heute leben, gab es bis dahin ausschließlich intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Die großen Landwirtschaftsbetriebe der Umgebung waren auf die Erträge angewiesen. Die Spree musste weichen. "Gelebt hat hier nicht viel", erzählt Christoph Gerstgraser. Mit schwerer Technik haben er und viele Firmen aus der Region der Natur wieder zu ihrem Recht verholfen.

Eigentlich sollte das Projekt bereits ein Jahr früher fertiggestellt sein. "Da haben uns aber die Hochwässer der vergangenen Jahre ein paar Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht", erklärt Ingolf Arnold die Verzögerung. Arnold ist Leiter Geotechnik bei Vattenfall. Als Verantwortlicher dort hat er die Wiederbelebung der Spreeaue überwacht. Von Ärger über die Verzögerung ist bei Ingolf Arnold nichts zu spüren. "Im Gegenteil: Wir haben durch das Hochwasser jedes Mal eine Menge dazugelernt, " erzählt er. Das Wasser habe sich stets seinen Weg gesucht und habe auf seine unmissverständliche Weise auch einige ursprüngliche Pläne zur Bepflanzung für unsinnig "erklärt".

Mit der Befreiung der Spree in diesem Abschnitt ist aber weit mehr erreicht worden als ein Ausgleich für die verschwundenen Lakomaer Teiche. Die neu gestaltete Spreeaue ist nämlich gleichzeitig auch ein aktiver Beitrag zum Hochwasserschutz für den Spreewald. Einem Schwamm gleich, ist das riesige, von vielen Fließen durchzogene Terrain in der Lage, gewaltige Wassermassen aufzusaugen. Auf diese Weise funktioniert die Fläche als natürliche Hochwasser-Flutungsfläche.

Die künftige Bewirtschaftung des neu geschaffenen Naturraums sollen insgesamt 76 Aueroxen, Wasserbüffel und Wildpferde übernehmen, die ein Landwirt aus dem Cottbuser Stadtteil Sielow eigens angeschafft hat. Ohne vorsichtige ökologische Pflege würde die Auenlandschaft sehr schnell ihren Charakter verlieren und von Bäumen überwuchert.

Kritik an der Renaturierung kam am Freitag von Brandenburger Naturschützern. Die Umweltgruppe der Grünen Liga in Cottbus kritisierte, dass der Ausgleich für die Lakomaer Teiche nicht ausreichend sei. Außerdem sei es nicht gelungen, alle seltenen Tierarten aus Lakoma wieder anzusiedeln. Dabei ist die Rede vom seltenen Eremiten-Käfer (lateinisch Osmoderma eremita).

"Inwieweit das tatsächlich so ist, kann jetzt niemand mit Bestimmtheit sagen", beschreibt Wolfgang Genehr die Situation. Genehr begleitet das Spreeauen-Projekt als zuständiger Abteilungsleiter im Brandenburger Landesumweltamt. "Das Vorhaben ist jetzt baulich nahezu abgeschlossen. Jetzt muss ein über mehrere Jahre laufendes regelmäßiges Monitoring zeigen, welche Pflanzen- und vor allem Tierarten die Spreeaue dauerhaft bevölkern", erklärt der Experte die Vorgehensweise. Und weil das Biotop um die Lakomaer Teiche einst ein durch europäisches Recht besonders geschützter Naturraum war, soll auch die Spreeaue diesen Status wieder erhalten. "Wir wollen das Gebiet im kommenden Jahr bei der Europäischen Union als sogenanntes FFH-Gebiet anmelden", kündigt Wolfgang Genehr gegenüber der RUNDSCHAU an.

Zu erreichen ist das Spree-Auen-Gelände von Dissen aus über den Spreeweg (etwa zwei Kilometer) in Richtung Maiberg.

Jan Siegel

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 24.09.2013

 

Besserer Schutz bei Hochwasser durch Flutungsflächen im Spreewald

Ministerium untersucht bis Ende 2013 Alternativen

Alt Zauche Bis zum Dezember will das Land Brandenburg erste Flutungsflächen für den Hochwasserfall ausweisen. Erst danach können weitere Entscheidungen gefällt werden, teilt das Umweltministerium mit. Somit ist derzeit noch offen, ob Forderungen des Bürgermeisters von Alt Zauche/Wußwerk, Jens Martin, sowie der Forstwirtschaft und von Naturschützern zum Schutz des Hochwaldes dort einfließen werden.

Nicht allein Deiche wie am Nordumfluter sollen Hochwasser im Spreewald regulieren, sondern mehr Flutungsfläche. Foto: Jan Gloßmann

Sie hatten sich in seltener Einigkeit dafür ausgesprochen, im Hochwasserfall am Nordumfluter nicht mehr allein den Hochwald als Flutungsgelände zu nutzen. "Das Wasser braucht mehr Fläche", sagte Martin im August. So könne auch die Stadt Lübben besser geschützt werden, vor deren Toren das Wasser aus der Spree und den Umflutern in einem Nadelöhr zusammenläuft. In der kommenden Woche wollen sich die Beteiligten über ihr weiteres Vorgehen verständigen.

Das Land will bis zum Jahresende eine so genannte hydraulische Modellierung vorlegen. Diese ist dann Teil des Managementplans bei extremen Hochwassern, wie sie zuletzt im Juni auch den Spreewald mehrere Wochen lang lahm legten. Damals war – wie seit Jahren üblich – die Masse an Wasser in den Hochwald geleitet worden. Dazu dient eine Überlaufschwelle am Wehr Eichenwäldchen. Die Forstwirtschaft beklagt ihrerseits immense Schäden, und auch Jens Martin hatte im August deutlich gemacht: "Der Hochwald wird in zwei, drei Jahren nicht mehr vorhanden sein, wenn wir nicht endlich etwas tun." Dabei ist er prägnanter Teil des Biosphärenreservates samt geschützter Zonen, Höhepunkt vieler besonderer Kahnfahrten und begehrter Holzlieferant. Dass der Hochwald geflutet wird, geht noch auf eine Entscheidung des Rates des Bezirkes Cottbus aus dem Jahr 1982 zurück. Diese Regelung könnte nun kippen – je nachdem, zu welchen Ergebnissen das Ministerium und das Landesumweltamt bis Jahresende kommen. Das Ministerium betont, dass Neu und Alt Zauche "außerhalb von festgesetzten Überschwemmungsgebieten" lägen.

Im Blick der Spreewälder als Alternative zum Hochwald oder zumindest dessen Entlastung sind einige Polder sowie Flächen zwischen Nordumfluter und Neu Zauche – was wiederum bei Landwirten Vorbehalte auslöst, die diese Äcker und Weiden bewirtschaften. Dahme-Spreewalds Vizelandrat Carl-Heinz Klinkmüller (CDU) hatte zwar stets betont, dass die Nutzung solcher Flächen mit Entschädigungen für die Landwirte einhergehen müsse. Für das Ministerium kommen Fragen nach etwaigen Geldquellen, Ersatzmodellen oder Zuständigkeiten jedoch zu früh: "Diese Fragen stellen sich derzeit nicht."

Jan Gloßmann

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.10.2013

 

Anwohner fürchten Malxe-Rückverlegung

Briesniger sorgen sich über möglichen Grundwasseranstieg / Alter Flusslauf soll wieder entstehen

Forst/Briesnig Der Bergbaukonzern Vattenfall will bis 2030 das alte Bett der Malxe zwischen Bohrau und Heinersbrück wiederentstehen lassen. Die Anwohner fürchten deshalb einen Anstieg des Grundwassers. Vattenfall hält das für unwahrscheinlich.

 

                                                

                                     

Die Malxe, hier an der Wassermühle im Forster Ortsteil Noßdorf, soll auch zwischen Bohrau und Heinersbrück wieder ihr altes Bett erhalten. Foto: Peter Althaus

Es scheint schon eine Ewigkeit her zu sein, als die Malxe noch in ihrem angestammten Bett floss. In den kommenden Jahren könnten Spaziergänger womöglich wieder dort entlangwandern. "Die Malxe soll bis 2030 wieder in ihr früheres Bett zurückkehren”, sagte Stephan Fisch. Der Hydrologe aus der Abteilung Geotechnik des Energiekonzerns Vattenfall hat an den Berechnungen für die Rückverlegung mitgewirkt.

Bereits 2011 war der erste Spatenstich für das Projekt gemacht worden. Bisher läuft das Wasser des Flusses über den Neiße-Malxe-Kanal in die Neiße bei Briesnig. Ursprünglich ist das Gewässer aber ein Zufluss für die Spree gewesen. Durch den Tagebau Jänschwalde war die Malxe verlegt worden.

Bei einer Präsentation von Vattenfall zweifelten jüngst jedoch besonders einige Briesniger an, dass das Gewässer eine Rückverlegung ohne Weiteres mitmacht. "Das Wassersystem funktioniert auch unterirdisch. Das ist durch den Tagebau komplett zerstört worden. Bis sich das in die alten Richtungen bewegt, dauert es sicher Hunderte von Jahren", sagte Susanne Lerke aus Briesnig. Vattenfall-Hydrologe Fisch sieht dies jedoch nicht so. "Es gibt Erfahrungen mit Rückverlegungen alter Flussläufe im Rheinischen Revier beispielsweise", sagt er. "Dort hat das funktioniert."

Bisher ist eine freie Entwässerung in Briesnig nur bei Niedrigwasser möglich. Das Entwässern wird bis heute von den Schöpfwerken an der Neiße erledigt. "Es gab bei Hochwasser oft Probleme, die Gewässer zu entwässern", so Fisch.

Sorgen macht den Briesnigern und ihren Nachbarn deshalb, dass das Grundwasser wieder steigen könnte. Auch Vattenfall-Hydrologe Fisch kann bestätigen, dass vorbergbaulich das Grundwasser in der Gegend höher stand. "Als ich 1978 mein Haus gekauft habe, war mein Keller trocken. Mittlerweile ist die Feuchtigkeit bis zur Kellerdecke gekrochen", berichtete Ludwig Röhrs aus Briesnig.

Stephan Fisch verweist jedoch darauf, dass auch eine mögliche teilweise Öffnung der Tagebaudichtwand nicht zum Grundwasseranstieg führen müsse. Die Grundwasserscheide, die in der Nähe des Ortes verlaufe, würde das Abfließen nur in Richtung Briesnig verhindern.

Viele Briesniger sehen die verringerte Pumpenleistung der Schöpfwerke als Ursache für das höhere Grundwasser. "Zu DDR-Zeiten liefen die Pumpen rund um die Uhr", sagt Susanne Lerke. "Heute lässt das Land sie nur noch zum Hochwasserschutz laufen. Außerdem gibt es noch nicht einmal Verträge, wer das Schöpfwerk betreibt", fügt die Anwohnerin noch an. Auch die, nach Ansicht einiger Briesniger mangelnde Säuberung der Entwässerungsgräben würde für das höhere Grundwasser verantwortlich sein.

Zum Thema:
Die Malxe (Maksa) entspringt am Hohen Berg, der Teil des Muskauer Faltenbogens ist. Die Malxe war ursprünglich etwa 45 Kilometer lang. In den 1970er-Jahren wurde der Fluss allerdings gekappt, um Platz für den Tagebau Jänschwalde zu schaffen. Im östlichen Bereich wurde er über den Malxe-Neiße-Kanal abgeleitet. Im westlichen Bereich fließt die Neiße, gespeist durch die Einleitung von Sümpfungswasser aus dem Tagebau, über Vorfluter zur Spree.

Peter Althaus

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.10.2013

 

Sanierung der Spremberger Talsperre geht in Winterpause

Pegel am Stausee steigt seit wenigen Tagen wieder an

Spremberg Die Gerüste am Entlastungsbauwerk der Spremberger Talsperre sind vorerst gefallen. "Die für dieses Jahr geplanten Bauarbeiten gehen dem Ende entgegen", erklärt Ellen Peters vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV).

Die aktuellen Bauarbeiten an der Talsperre sind bis Ende November abgeschlossen. Im kommenden Jahr geht es weiter. Foto: Bernhard Schulz

Seit Juli haben Bauarbeiter den Wassereinlauf der Staumauer erneuert und dort massive Pfeiler neu einbetoniert. Parallel dazu wird das angrenzende Grabensystem auf Vordermann gebracht. "Die Arbeiten laufen bis Ende November", sagt Wasserbauingenieurin Peters. Je nach Witterung kann es kleinere Restleistungen 2014 geben.

Seit wenigen Tagen steigt auch der Pegel im Stausee wieder. Da die Arbeiten unter laufendem Betrieb stattfanden, musste der Pegel seit Sommer um gut zwei Meter gesenkt werden. In der Folge verwandelte sich das Ufer teilweise in eine modrige Wattlandschaft. "Ziel ist es für den Wiederanstau im Winter eine Höhe von etwa 91,50 Meter über Normalnull zu erreichen", erläutert LUGV-Mitarbeiterin Peters.

Die Generalsanierung der maroden Talsperre sollte ursprünglich bis 2014 beendet werden. Grund für den Rückstand bei den insgesamt 23 Einzelmaßnahmen sind die Hochwasser von 2010 und 2011. Die Gesamtkosten für das seit 2005 laufende Projekt belaufen sich auf etwa 16 Millionen Euro.

Bernhard Schulz

 

Quelle: Lausitzer Rundschau. 21.11.2013

 

Tagebauseen könn(T)en ein Hochwasser aufhalten

Senftenberger Wasserwirtschaftler drängen auf mehr Bewegung beim Hochwasserrschutz

Senftenberg Das Erarbeiten der Abwehrpläne gegen Hochwasserlagen dauert zu lange. Diesen Vorwurf erheben aus Senftenberg in Richtung Potsdam der pensionierte Wasserwirtschaftler Reinhard Heepe und Walter Karge, ehemaliger LMBV-Chef.

Am Senftenberger Hafen: Die Wasserexperten Reinhard Heepe und Walter Karge (2. und 3. v. l.) erwarten beim Kampf gegen die Braunfärbung von Gewässern und für den Hochwasserschutz die Unterstützung der CDU-Fraktion im Landtag, hier in Person von Roswitha Schier (M.), Ingo Senftleben (2. v. r.) und Dieter Dombrowski (r.) sowie vom CDU-Landtagskandidaten Marcel Templin (l.) aus Großräschen. Foto: Steffen Rasche/str1

Die Sachsen haben aus dem immer wiederkehrenden Hochwasser nicht nur entlang der Schwarzen Elster gelernt. Alles, was den Wasserablauf in Richtung Brandenburg stören könnte, wird zurückgebaut. Während der Raum Senftenberg in den vergangenen Jahren auch dank nennenswerter Einleitung von Wasser aus der Elster in Tagebauseen von Überflutungen verschont geblieben ist, sieht es bei einem Hochwasser flussabwärts dramatisch aus. Auf ihrem Weg in Richtung Westen sorgen zahlreiche Vorfluter, beginnend in Lauchhammer, für Katastrophenlagen am Fluss.

Das muss aus Sicht des Wasserfachmannes Reinhard Heepe nicht sein. Sein Mitstreiter Walter Karge hat gerechnet. "Die Seen können ein 100-jähriges Hochwasser fünf Tage lang aufnehmen", versichert er. Die Sanierungspläne seien Gesetz. Darin stehe, dass die Tagebaurestseen als Speicher dienen. Walter Karge bedauert, dass die Machbarkeitsstudie der zuständigen Landesbehörde auf sich warten lässt. "Die Sachsen haben mit der Weißen Elster vorgemacht, dass das geht", so Walter Karge. "Doch bei uns sind die technischen Voraussetzungen nicht vorhanden", hofft Reinhard Heepe, dass in Zukunft bei Bedarf zum Schutz von Mensch und Natur deutlich mehr Elsterwasser in die Seen abgeleitet werden kann.

Aus Sicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag und Mitglied im Umweltausschuss Dieter Dombrowski gibt es die Wasserprobleme nicht nur in der Lausitz. Er kritisiert die bisherige Herangehensweise. Beim Thema Wasser werde weniger Augenmerk auf die wasserwirtschaftliche Seite gelegt, als vielmehr auf Naturschutz und Tourismus. "Wir brauchen im Land ein funktionierendes fließendes System. Es sollte nur so viel Wasser gehalten werden, wie für den Wasserhaushalt und die Biologie notwendig sind", fordert er. Zu seinem Bedauern gebe es in Verwaltungen immer weniger Wasserwirtschaftler, die die Problematik fundiert und komplex bearbeiten können.

Das ist das Stichwort für den stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU, Ingo Senftleben aus Ortrand. Aus seiner Sicht muss das gesamte Aufgabenpaket mit der Wassereinleitung in die Seen, der Deichsanierung und der Schaffung von Überflutungsflächen für das ganze Elster-Pulsnitz-Gebiet bis hin zur Elbe betrachtet und intensiver mit Sachsen zusammengearbeitet werden. "Bisher gibt es nur Einzellösungen. Wer am lautesten schreit, wird bedient", sagt er.

"Genau das ist wasserwirtschaftlicher Unsinn", gibt ihm Reinhard Heepe recht. Auch er fordert mehr Kooperation mit Sachsen: "Die Wasserprobleme enden nicht an der Landesgrenze. Wenn sich ein gemeinsamer Arbeitskreis nur zweimal im Jahr trifft, dann kann er keine Probleme lösen. Eine Arbeitsgruppe hätte schon seit 1990 geben müssen. Wir bieten unsere Hilfe an."

Nach Aussage von Dieter Dombrowski sollen die Fachgespräche in der Lausitz im Januar (2014) fortgesetzt werden.

Manfred Feller

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.12.2013

 

Cottbus erwartet Hilfen für Hochwasserschäden

Neubau Skadower Brücke wichtigstes Projekt

Cottbus In Cottbus sind durch das Hochwasser in diesem Jahr Schäden in Höhe von 4,7 Millionen Euro entstanden. Das hat das Rathaus jetzt errechnet und erwartet bereits zum Ende des Jahres die ersten Zahlungen vonseiten des Landes.

Darüber informiert Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD).

Beim Hochwasser im Juni wurden zwei Brücken so stark beschädigt, dass sie seither gesperrt sind. Das sind der Lönssteg und die Skadower Brücke. "Die Skadower Brücke wird von der Stadtverwaltung als besonders prioritär eingestuft", versichert das Stadtoberhaupt. "Die Prüfung dazu soll Ende Januar abgeschlossen sein. Dann kennen wir die Dimension der Finanzierung."

Zusagen für drei weitere Hochwasser-Posten gibt es Szymanski zufolge bereits. So erhält die Stadt für die Hochwasserbeseitigung – Ersatzanschaffungen und Lohnersatzleistungen – 333 400 Euro. Die Stadtwerke Cottbus bekommen demnach rund 240 000 Euro für die Reparatur der Heiztrasse. Die Fernwärmerohre sollen höher gelegt werden. 10 000 Einwohner waren wegen des Hochwassers in diesem Jahr mehrere Tage ohne warmes Wasser. Darüber hinaus bekommt die Stadt 22 000 Euro für die Beseitigung von Schäden an der Spreewehrmühle und am Sandsacklager.pk

Quelle: Lausitzer Rundschau, 27.12.2013

 

Karten zu Flutgefahren im Land online

Potsdam. Rund 3000 Karten informieren seit Dienstag im Internet über Brandenburger Hochwassergefahren. Daraus können Empfehlungen für den Katastrophenschutz, die Kommunal- und Regionalplanung sowie die Eigenvorsorge abgeleitet werden, sagte Umweltministerin Anita Tack (Linke) am Dienstag (07.01.2014). Für die Karten wurden die Wasserausbreitung und -tiefe in der EIbe, der Stepenitz, Schwarzen Elster, Havel, Spree, Oder, Lausitzer Neiße und Ucker untersucht.

Bis Ende 2015 werden auf dieser Grundlage Pläne zum Umgang mit Hochwasserrisiken erarbeitet. Auch Brandenburg war von der Flut im Juni 2013 betroffen. dpa/uf

 

www.mugv.brandenburg.de/info/hwrm/karten

 Quelle: Lausitzer Rundschau, 08.01.2014

 

"Hochwasserschutz vor Naturschutz"

Touristiker und Politiker debattieren über neue Regelungen bei Hochwasser im Spreewald

Lübben/Alt Zauche Krisenstab hier, Beirat dort, mehr Mitsprache, differenzierte Regelungen, mehr Flutungsflächen: Die Forderungsliste vor dem nächsten Hochwasser ist lang, die Gespräche ziehen sich. Die Spreewälder hoffen jetzt auf einen Durchbruch.

                                        

Der Hochwald unter Wasser - künftig soll das Idyll besser geschützt werden. Foto: Jan Gloßmann

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Die Sommer 2010 und 2011 haben es gezeigt, der Juni 2013 nochmals untermauert: Der Spreewald kann mit dem Hochwasser umgehen, das ist jahrelang erprobt – und doch fordert jede Flut Opfer. Diese sollen künftig gerechter verteilt werden. Das hat Alt Zauches Bürgermeister Jens Martin im Spätsommer gefordert und durchaus einige offene Türen eingerannt. Indes warten Martin und seine Mitstreiter noch auf den Durchbruch in den Gesprächen. Bislang sei vor allem der Hochwald, obwohl touristisch prägend, das große Auffangbecken für das Wasser. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass die Stadt Lübben in Gefahr gerät. Daran will auch Martin nicht rütteln: "Wir wollen keine Menschen gefährden." Die Lösung liegt in Flächen am Nordumfluter, die meist landwirtschaftlich genutzt werden. Dorthin könne das Wasser abgeleitet und später wieder herausgepumpt werden. Landwirte müssten dafür Entschädigungen erhalten. Ein solches Verfahren sei aber noch immer verträglicher, als den Hochwald ausschließlich als Überschwemmungsgebiet zu nutzen. Denn die Erlen dort vertragen kein wochenlang stehendes Nass.

Jens Martin: "Wir brauchen endlich Regelungen für das Biosphärenreservat, die sinnvoll sind und kontinuierlich wirken."

In dieser Woche wird es weitere Gespräche geben, unter anderen mit Vertretern des Umweltministeriums. Martin: "Wir hoffen, dass wir jetzt Gehör finden. Wir wollen nicht vergessen werden."

Ein Thema wird dabei auch die Entschlammung des Spreewaldes sein, die erhebliche Defizite aufweist. Zudem liege, so Kenner der Region, in den Fließen Laub mit bis zu einem Meter Höhe, was wiederum den Wasserpegel hebe. Es fehlten Profile in den Fließen.

Ein künftiges Hochwassermanagement und vor allem die "Minderung der Folgen" liegt auch dem Tourismusverband Spreewald am Herzen. Das geht aus einem Protokoll des Vorstandes hervor, das in der Kommunalpolitik kursiert und auch der RUNDSCHAU vorliegt. Darin fordert der Vorstand den "Hochwasserschutz vor Naturschutz" und die "Abschaffung bzw. Überarbeitung der Baggergutrichtlinie". Beide Forderungen beziehen sich auf die Hindernisse beim Entschlammen, da niemand so recht sagen kann, wohin mit dem Aushub. Der Erhalt der Kulturlandschaft erfordere, dass der Schlamm entfernt, die Ufer befestigt und der Hochwald aufgeforstet werden. Der Vorstand des Verbandes hat sich zudem für die Bildung eines Krisenstabs, eines Fach-Beirats und auch eines Hochwasser-Managements in den Landkreisen ausgesprochen. Es brauche "klare Anweisungen, wie in dieser Situation vorzugehen ist". Denn die Touristiker hadern noch immer mit der Vollsperrung der Fließe im Spreewald im vergangenen Juni, was zu 40 Prozent Einbuße geführt habe. Sie wollen mehr Mitsprache, um gegebenenfalls die Fließe abgestuft zu sperren und so einen Teil der Kahnfahrten zu ermöglichen. Gleichzeitig gehörten "unverhältnismäßig viele Strafgelder" abgeschafft.

Nicht zuletzt stören sich die Vorständler an "Sensationsschlagzeilen" der Medien, sei es zum Hochwasser oder der Belastung von Teilen der Spree und ihrer Zuflüsse durch Eisenocker. In Sachen Hochwasser hat das Ministerium seinerseits bereits reagiert.

Im Internet sind Karten zu finden, die mögliche Überflutungsflächen zeigen sollen. Denn um die Karten öffnen zu können, müsse man "wohl Informatik studiert haben", spottet ein Betroffener.

Jan Gloßmann

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 22.01.2014

 

Anmerkung:

Diese Bemerkung kann nur unterstützt  werden.

Um die unter diesem Link

 www.mugv.brandenburg.de/info/hwrm/karten

angebotenen Leistungen in Anspruch zu nehmen, muss man mindestens

ein (!) Informatik-Studium absolviert haben.

Hoffentlich werden durch das LUGV die entsprechenden Lehren daraus gezogen.

 

Vielleicht sollte man eine "Regie"-Anweisung als pdf-Datei beifügen, um das berechtigte Informationsbedürfnis

bürgerfreundlicher zu gestalten.

 

Landesparlament lehnt Hochwasserschutzprogramm ab

Potsdam Brandenburg erhält vorläufig kein Landesprogramm zum Hochwasserschutz. Mit den Stimmen der Regierungskoalition sowie von Bündnis 90/Die Grünen lehnte der Potsdamer Landtag am Donnerstag (27.02.2014) einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion ab.

Mit dem Programm hätten Maßnahmen zum Unterhalt von Hochwasserschutzbauwerken und des Deichbaus finanziert werden sollen. Der Vizevorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dieter Dombrowski, sprach sich in der Debatte zudem für eine deutliche Aufstockung der Abteilung für Hochwasserschutz im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz aus.

"Hochwasserlagen sind in Brandenburg ohne die Mithilfe von Pensionären nicht mehr beherrschbar."

Zudem müsse der Schwerpunkt des Hochwasserschutzes stärker auf mittlere Gewässer, wie die Spree, die Stepenitz oder die Pulsnitz gelegt werden.

Doch aus Sicht der Regierungskoalition ist Brandenburg beim Hochwasserschutz bereits gut aufgestellt, betonte Umweltministerin Anita Tack (Linke). "Der Hochwasserschutz hat in Brandenburg hohe Priorität." las

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 28.02.2014

 

Talsperre soll erneut Wasser lassen

Sanierung der Staumauer erfordert Absenkung des Wasserspiegels / Tourismus massiv betroffen

Spremberg An der Staumauer der Spremberger Talsperre herrscht dringender Sanierungsbedarf. Im Laufe des Jahres soll es deshalb eine Absenkung des Wasserspiegels geben. Nur so kann die Staumauer ausgebessert werden. Der Landkreis weist indes auf die Dringlichkeit hin und stimmt die Touristiker auf das Vorhaben ein.

Für eine Sanierung wird das Wasser aus der Talsperre abgelassen werden müssen.

Foto: Bernhard Schulz

Der Wasserspiegel der Talsperre Spremberg muss erneut gesenkt werden. "Es herrscht dringender Sanierungsbedarf", so der für Umweltfragen zuständige Beigeordnete Olaf Lalk. Dabei soll noch in diesem Jahr der Wasserstand der Talsperre auf 89 Meter gesenkt werden. "Touristiker werden von der Absenkung wahrscheinlich massiv betroffen sein", so Lalk während der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistages des Spree-Neiße-Kreises am Montag (10.02.2014) in Forst.Der Grund für die Arbeiten am Auslaufbauwerk sind sogenannte Auskolkungen. "Es gab durch Unterspülungen Schäden an den Pfeilern", so Lalk. "An der Notwendigkeit dieser Maßnahme gibt es nichts herumzudeuten", so der Beigeordnete. Eine Sanierung bei höherem Wasserstand sei nicht möglich.

Das für die Sanierung zuständige Landesumweltamt prüft nach Aussage Lalks nun, welche Variante der Absenkung nötig werde.

"Es gibt die Möglichkeit, die Arbeiten in der Vorsaison bis Juli zu erledigen oder in der Nachsaison", so Lalk. Eine Alternativvariante, bei der man Spundwände aufgebaut und das Wasser daran aufgestaut hätte, ist laut Umweltamt nicht möglich.

"Das würde wohl die Lehmschürze des Bauwerkes beschädigen", berichtete Lalk.

Lalk kündigte an, dass es mit den betreuenden Fachleuten des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz einen Termin geben werde, bei dem es auch um die Strömungen gehen soll.

"Die zuständigen Kollegen werden sich dazu am kommenden Montag zusammensetzen", sagte Thomas Frey, Pressesprecher des Landesumweltamtes. "Vorher können wir noch nichts Genaueres sagen."

Was mit der Talsperre im Falle eines Hochwassers passieren würde, ist indes noch nicht klar.

"Das Landesumweltamt findet sich noch im Entscheidungsprozess", so Lalk. Man wolle wohl auch eine Lösung mit Sachsen erarbeiten um auch Niedrigwasser im Sommer zu vermeiden.

(Anm.: Wenn es nicht so ernst wäre, ist fast schon wieder zum Lachen!!!),

Sorgen bei den Kreistagsabgeordneten machte indes die Problematik der "braunen Spree". Edeltraud Radochla (Linke) aus Werben fragte deshalb: "Heißt es, dass das Wasser so "ungeklärt" abgeleitet wird?". Radochla spielte damit darauf an, dass die Sedimente, die die Verockerung des Flusses verursachen, durch die Aufstauung sich zum Teil in der Talsperre absetzen und weniger stark in den Fluss fließen. "Die Absetzung passiert bereits im oberen Drittel der Spree", sagte hingegen Wieland Böttger, Vorsitzender des Regionalverbandes Spremberg des Naturschutzbundes (Nabu). Er rechne deswegen nicht mit einer erhöhten Belastung für den Unterlauf der Spree durch ein verstärktes Ablassen der Talsperre.

Auch für die Talsperre selbst sehe er kaum eine Beeinträchtigung. "Die ist doch in den vergangen Jahren bereits mehrfach abgelassen worden", so Böttger. "Das Ökosystem ist auch durch die Eiseneinträge bereits gestört", sagte er. Nur in einigen Buchten seien noch schützenswerte Arten anzutreffen. Dennoch haben die Wasserregulierung und der Hochwasserschutz Vorrang. "Es ist ein Rückhaltebecken."

Die Tourismusverantwortlichen in Spremberg sind unterdessen entsetzt. "Es wird nun schon seit Jahren an der Mauer gebaut. Mir tun die betroffenen Anlieger jetzt schon leid", so Regina Stein, Leiterin der Spremberger Touristinformation. Man habe schon die vergangenen Jahre unter dem Ablassen leiden müssen. "Und die ,braune Spree' macht alles noch schlimmer", sagte Stein. Seit 2004 wird die Talsperre bereits generalüberholt. Dazu war in den Vorjahren der Wasserspiegel immer wieder verringert worden.

Für die Tourismusvermarktung der "Perle der Lausitz" sei die Talsperre ein wichtiger Bestandteil. "Hier gehen ja auch einige Radwege wie der Spree-Radweg lang", so Stein. Sie sei sich nicht sicher, ob die Firmen eine erneute Besucherflaute überstehen können. Betroffen sind vor allem die Betreiber zweier Campinganlagen am Ufer des Sees und ein Hotel in der Nähe.

Peter Althaus

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 12.02.2014

 

Anm. : Ein bisschen unverständlich sind diese Bau-Aktionen schon!

 

Stadt wartet auf Spree-Messpegel

Cottbus. Die Bemühungen um einen zweiten Hochwasser­Messpegel in der Spree in Cottbus sind bisher ohne Erfolg geblieben. Laut Verwaltung sieht das Land keine Notwendigkeit, einen zusätzlichen Messpunkt einzurichten. Die vorhandene Einrichtung an der Sandower Brücke würde ausreichen.

Dieser Pegel hatte allerdings beim letzten Hochwasser fehlerhaft gearbeitet und musste deshalb zwischenzeitlich sogar abgestellt wer­den. Bei der nächsten Landeshochwasserkonferenz will die Stadt ihre Forderung wiederholen. Sh

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.02.2014

 

Anm.:

Da fragt man sich, welchen Nutzen ein zweiter Hochwasserpegel für die Stadt bringen soll.

Die Abgaben aus der Talsperre Spremberg und die Laufzeit einer Hochwasserwelle von der Talsperre bis in das Stadtgebiet Cottbus sind bekannt – so dass jederzeit die etwaigen Gefährdungsflächen ausgewiesen und entsprechende Hochwasserschutz-Maßnahmen rechtzeitig ergriffen werden können.

Eine etwaige Durchflusszunahme durch das Zwischeneinzugsgebiet der Spree auf der Strecke Talsperre- Cottbus wird durch den Abfluss in den Priorgraben weitgehend kompensiert.

Allerdings bedarf es einer Überprüfung der Wasserstands-Durchfluss-Beziehung für den Pegel Cottbus, Sandower Brücke und die Sicherung der ständigen Betriebsbereitschaft des Pegels.

Eine Unterstützung durch die Stadt bei der Sicherung der ständigen Betriebsbereitschaft des Pegels wäre durchaus wünschenswert und angebracht.

 

Senftenberger fordern: Pegel runter für trockene Keller

See vor der Haustür soll seine Aufgabe als Wasserspeicher abgeben / Machbarkeitsstudie zum Hochwasserrückhalt in anderen Gewässern

Senftenberg Für die Senftenberger Bürger und die Rathausspitze steht fest, dass die Pegel im See vor der Haustür und in der Schwarzen Elster den Grundwasserstand im anliegenden Stadtgebiet beeinflussen. Nasse und sogar überschwemmte Keller sind die Folge. Um dies zu vermeiden, soll nicht mehr der Senftenberger See so viel Elster-Wasser aufnehmen, sondern die umliegende Gewässerkette.

Die Forderung aus Senftenberg ist, dass das Speicherbecken Niemtsch (vorn) künftig weniger angestaut wird. Dafür sollen insbesondere bei Hochwasserlagen die anderen Tagebaurestseen im Hintergrund mehr Wasser aufnehmen. Foto: Peter Radke/pre1

Wenn Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) in der Öffentlichkeit lauter als gewohnt spricht, dann fährt entweder gerade ein lauter Lastwagen vorbei oder aber es gibt ein drängendes Problem, das auf einem sehr langen anderen Verwaltungstisch liegt – zu lange liegt. Bei der Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz am Mittwoch in dem mit Bürgern voll besetzten großen Rathaussaal ging es einmal mehr auch um das Grundwasserproblem. Während die Bergbausaniererin LMBV ihren Part mit dem Bau von Horizontalfilterbrunnen erfülle, erwartet Fredrich von den Landesbehörden mehr Tempo und endlich eine Lösung.

Der Senftenberger See, die Schwarze Elster, der Hochwasserschutz und der Grundwasseranstieg in Gewässernähe seien nicht losgelöst voneinander, sondern als eine Einheit zu betrachten. "Unser einziges Ziel sind trockene Keller", wird der Bürgermeister deutlich. Er und die Einwohner möchten auch nicht immer wieder hören, dass geprüft wird, ob die übrigen Tagebaurestseen für die Hochwasseraufnahme aus der Schwarzen Elster geeignet sind, sondern wie diese Möglichkeit genutzt werden kann.

Davon sind die Landesbehörden noch ein ganzes Stück entfernt, erfahren die Senftenberger, darunter viele Wasserbetroffene. Sie sind enttäuscht. Karin Breitenbach, Referatsleiterin im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV), kündigt an, dass eine Vorzugsvariante zum Jahresende 2014 benannt werden soll. Die Öffentlichkeit würde später informiert. Grundlage sei die in Auftrag gegebene "Machbarkeitsstudie zur Nutzung der Tagebauseen im Gebiet der Schwarzen Elster für den Hochwasserrückhalt".

So mach einem Zuhörer schwoll der Kamm, weil er nicht den Weg zum Ziel erfuhr, sondern ausschließlich, welche Hindernisse sich auftürmen, was alles zu beachten und zu klären ist. Die Palette reicht von einem Bewirtschaftungskonzept über das Prüfen der Speicherlamelle in den Gewässern, der Standsicherheit der Seen, der Bewertung der Überleitungskapazitäten von einem See in den anderen, den Zu- und Abläufen bis hin zur Wasserqualität und natürlich den daraus resultierenden Kosten. Eventuell müssten sogar die im Auftrag der LMBV bereits errichteten Bauwerke angepasst werden. Das alles soll die Studie, die ein Ingenieurbüro erarbeitet, leisten.

Kurt Augustin, Abteilungsleiter im Brandenburger Umweltministerium, lobte die Senftenberger Reinhard Heepe, pensionierter Wasserwirtschaftler, und den ehemaligen LMBV-Chef Walter Karge für deren jahrelanges Engagement. Beide weisen seit Langem auf die Zusammenhänge von Hoch- und Grundwasser hin sowie auf die Möglichkeit, Bergbauseen als Hochwasserrückhalt zu nutzen.

Der gelobte und später von den Einwohnern mit reichlich Beifall bedachte Ingenieur Reinhard Heepe sieht zwar, dass das Thema Elster-Hochwasser in Potsdam jetzt nachhaltiger bearbeitet wird, Ruhe gibt er trotzdem nicht. Das Land habe viel Zeit verschenkt. Nach seinen Recherchen hätten die betroffenen Bergbauländer im Osten bereits Mitte der 1990er-Jahre ein Rahmenkonzept zum Wasserhaushalt in der Lausitz und in Mitteldeutschland verabschiedet. "Schon damals sind die Tagebauseen als Speicher benannt worden", erinnert er. Seitdem sei viel Zeit vergangen und zumindest hier nichts passiert. Er habe sich als Ingenieur stets die Aufgabe gestellt, wie ein Ziel zu erreichen ist und nicht, was möglicherweise herauskommen könnte.

Elster kann entlastet werden

Aus Sicht von Reinhard Heepe muss der Senftenberger See nicht mehr als Speicherbecken und damit als Grundwasserschreck für die Kreisstadt dienen. Er hat ausgerechnet, was die umliegenden Seen zwischen Bluno und Sedlitz im Hochwasserfall leisten können. Wenn die Schwarze Elster mit 119 Kubikmetern Wasser je Sekunde an der schon oft stark gefährdeten Stadt Bad Liebenwerda vorbeiströmt, sind es am Pegel Neuwiese gerade einmal 55 Kubikmeter je Sekunde. Der Fluss könnte durch die Tagebauseen um 50 Kubikmetern Wasser je Sekunde entlastet werden. "Die Seen sind ein Geschenk", sagt er angesichts der Suche nach Überflutungsflächen.

Wenn Kurt Augustin vom Umweltministerium sagt, dass auch die Kosten stimmen müssen, so sieht der Senftenberger kein Geldproblem: "In diesem Land bekommt nur der was, der laut schreit." Die Stimmung im Rathaussaal war ein deutliches Indiz dafür, dass sich die Senftenberger in Zukunft mindestens ebenso hörbar und deutlich artikulieren wollen.

Ein anderer Bürger wirft ein, dass er Zweifel hat, dass das Nachbarbundesland bei der Lösung des Problems, Elster-Hochwasser in die Seen zu leiten, aktiv mitwirken wird. "Sachsen hat eine wahre Elster-Autobahn in Richtung Brandenburg gebaut", beschreibt er den dortigen Ausbau des Flusses. Abteilungsleiter Kurt Augustin vom Umweltministerium versichert, dass es speziell zum Hochwasserrückhalt in den Bergbauseen eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten beider Bundesländer gibt. "Es geht nicht ohne die Sachsen", sagt er.

Wolfgang Genehr, Leiter der Regionalabteilung Süd des Brandenburger Landesumweltamtes in Cottbus, verweist darauf, dass die Seenkette in der Vergangenheit aufgrund bergtechnischer Probleme nicht wie gewünscht Wasser aufnehmen konnte. Doch die Sanierung sei fortgeschritten. Hinsichtlich der zusätzlichen Wassereinleitung werde es keine Schnellschüsse geben, vielmehr zuerst die angekündigte Untersuchung. Potenzial sieht er jedoch: "Was wir an Wasser in die Seen ableiten, sparen wir an Kosten beim Deichausbau."

Brandenburg werde auch nicht alle Deiche der Schwarzen Elster, die auf weit mehr als 100 Kilometern durchs Land fließt, auf einmal sanieren. Schwerpunkte seien die urbanen Bereiche, also die Städte und Dörfer flussabwärts.

Grundwasserrunde zugesagt

Kurt Augustin spürt den Unmut der Senftenberger und verspricht eine gesonderte Informationsveranstaltung speziell zum Grundwasser in Senftenberg. Bürgermeister Andreas Fredrich fordert im Namen der Bürger aber auch, den Senftenberger See als Speicher zu entlassen und mehr Arbeitsgeschwindigkeit.

Manfred Feller

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 28.02.2014

 

Schwarzer Elster muss mehr Platz eingeräumt werden

Plädoyer für Überschwemmungsflächen / Seltenes Kraut in einstige Wildnis des Urstromtales zurückgekehrt

Schwarzheide Senftenberg, Ruhland und Lauchhammer liegen im Urstromtal der Schwarzen Elster. Noch vor zwei Jahrhunderten inmitten einer einzigartigen Wildnis. Das sagt der Ortrander Agraringenieur und Biologe Dr. Dietrich Hanspach. Heute braucht der Heimatfluss wieder mehr Platz, erklärt er.

Dr. Dietrich Hanspach referiert im Seecampus Niederlausitz zur Urstromtalwildnis zwischen Senftenberg und Elsterwerda. Foto: trt1

Vor rund 200 Jahren hätten sich Schulklassen aus Senftenberg, Ruhland und Mückenberg (heute Lauchhammer-West) Ausflüge in den Spreewald sparen können. Hatten sie doch eine ganz ähnliche feuchte Niederungslandschaft direkt vor der Haustür. Denn an der Schwarzen Elster, die die drei Orte verbindet, sah es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts genauso aus wie zwischen Schlepzig, Lübbenau und Burg. Nämlich wasserreich und wild. Ein Bild jener längst vergangenen Zeit hat jetzt der Ortrander Agraringenieur und Biologe Dr. Dietrich Hanspach in seinem Vortrag im Seecampus Schwarzheide-Lauchhammer gezeichnet:

...das Nass der Schwarzen Elster im Hochwasserfall sage und schreibe sieben Tage für die lediglich acht Kilometer lange Strecke von Mückenberg nach Plessa benötigte.

Heute rauscht es im begradigten Flussbett innerhalb kürzester Zeit hindurch.

Darüber hinaus prägte ein schier undurchdringlicher feuchter Wald diesen Bereich des eiszeitlich entstandenen Urstromtals. Er bildete während des Mittelalters über viele Jahre eine natürliche Grenze des Territoriums der Herren von Naumburg gen Norden und Osten. Heute ist dieser Wald weitestgehend verschwunden. Bereits im Zuge der Elsterregulierung in den 1850er-Jahren wurden die Bäume gerodet. Seitdem präsentiert sich das Schradenland als große Offenfläche. Nur noch hier und da haben sich Reste der Wildnis erhalten können. Beispielsweise bei Gröden im Elbe-Elster-Kreis. Dagegen ist der Ruhlander Eichwald nordwestlich der namensgebenden Stadt ein Kunstprodukt tüchtiger Förster.

Heute präsentiert sich die Schwarze Elster als weitestgehend begradigter, ja kanalisierter Fluss. Die einstigen zahlreichen Flussarme sind abgeschnitten und nur noch hier und da vorhanden. Mancherorts erkennen Fachleute den früheren Verlauf lediglich an Senken in den heutigen Landwirtschaftsflächen. Bei Ruhland und Schwarzheide gibt es zwar noch alte Elsterarme, doch sind diese weitgehend trocken und teils mit Müll verunreinigt.

Dr. Dietrich Hanspach, der Hauptautor der in den Jahren 2001 und 2005 erschienenen Schraden-Bücher, sagt, dass ihm der heutige Zustand der Schwarzen Elster Bauchschmerzen bereite.

Er befürchte, dass für den Hochwasserschutz in den kommenden Jahren auch noch die letzten Bäume auf und an den Deichen der Säge zum Opfer fallen könnten. "Dabei ist die Erhöhung der Deiche keine Lösung. Stattdessen sollte versucht werden, dem Fluss mehr Platz einzuräumen.

Mit Überschwemmungsflächen", stellt er klar. Diese gebe es zumindest im Abschnitt zwischen Senftenberg und Elsterwerda bislang so gut wie gar nicht. Dabei sei es gerade für Grünland kein Problem, wenn es mal längere Zeit unter Wasser stehe.

Positiv ist, die Wasserqualität hat sich seit der politischen Wende erheblich verbessert. Das in Brandenburg und der Oberlausitz sehr seltene Knoten-Laichkraut ist in der Elster wieder heimisch geworden.

Mit einer weiteren Aussage sorgt Dietrich Hanspach erneut für Aufsehen bei seinen Gästen:

Bereits in alten Quellen wird der rostbraune Schlamm der Schwarzen Elster erwähnt.

Also könne der Bergbau nicht der Alleinverursacher dieses Phänomens sein.

"Es gibt durchaus natürliche Austritte des dafür verantwortlichen Eisenhydroxids", erklärt Hanspach.

Kein Wunder, wurden doch im Lausitzer Urstromtal über Jahrhunderte größere Mengen an Raseneisenstein gewonnen.

Und dass direkt unter der Grasnarbe.

Torsten Richter / trt1

Quelle: Lausitzer Rundschau, 24.02.2014 (auszugsweise)

 

Hartmannsdorfer Wehr wird neu gebaut

Zehn-Millionen-Euro-Projekt steht in der Vorplanung / Querungssteg ist offen

Lübben Das Hartmannsdorfer Wehr soll neu gebaut werden. Dem Bauausschuss in Lübben wurde nun die Vorplanung präsentiert. Offen ist, wie der neue Steg als einzige Querung der Spree zwischen Lübben und Schlepzig finanziert werden soll.

Auf rund zehn Millionen Euro schätzt Jörg Wiesner die Gesamtinvestition. Der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverband Nördlicher Spreewald stellte gemeinsam mit Holger Haas von der Planungsgruppe PTW und BDC die Entwurfsplanung vor. Der Wasser- und Bodenverband ist mit dem Vorhaben vom Landesumweltamt beauftragt worden.

Entstehen soll innerhalb von zweieinhalb bis drei Jahren ein Komplexbauwerk aus Stahlbeton mit einem vierfeldrigen Wehr, einer Kahnschleuse und einem Fischaufstieg. Einen Starttermin gibt es noch nicht. Die vier Wehrfelder sollen eine Durchflussbreite von 9,50 Metern haben mit elektromechanisch angetriebenen Doppeltafelschützen als Verschlüssen. Gebaut wird voraussichtlich in zwei Abschnitten. Das Spreewasser soll zunächst in Fließrichtung rechts an der Baustelle, später durch den dann fertigen Wehrteil links an der zweiten Bauhälfte vorbei fließen. Der Schiffsverkehr soll möglich bleiben, unterstrich Holger Haas. Hochwasser während der Bauarbeiten macht ihm wenig Sorgen: "Ein ,normales' Hochwasser passt durch zwei Wehrfelder bei einem verträglichen Aufstau von zehn Zentimetern." Bei extremem Hochwasser müsse die Baugrube geflutet werden.

Im Zuge der Bauarbeiten sollen ein Fischaufstieg und eine Kahnschleuse entstehen. Gleichzeitig wird der nahegelegene Durchlass neu gebaut. Die Zufahrt erfolgt zunächst über Hartmannsdorf, im zweiten Teil über den Forstweg, der von der Verbindungsstraße nach Schlepzig abzweigt.

Wiesner und Haas baten im Bauausschuss um ein klares Bekenntnis dazu, dass die Stadt Lübben den Bau eines Steges als Überquerung schultert. Zwei Varianten wurden präsentiert, die bei etwas mehr als 200 000 Euro liegen. Wie das finanziert werden soll, ist unklar, auch wenn die Verwaltung vorsorglich einen Förderantrag gestellt hat. Daher gab es im Bauausschuss auch kein eindeutiges Votum, sondern nur ein allgemeines Nicken dazu, dass der Überweg – der einzige für Fußgänger und Radfahrer zwischen Lübben und Schlepzig – gewollt ist. Einigkeit bestand dazu, mit dem Landkreis, Tourismus-Fachleuten und dem benachbarten Amt Unterspreewald erneut das Gespräch zu suchen.

Ingvil Schirling

Quelle: Lausitzer Rundschau, 15.03.2014

Gefährliche Hohlräume in Staumauer

Talsperre Spremberg muss erneut saniert werden / Wasserabsenkung vor Baubeginn

Spremberg Die Talsperre Spremberg schützt den Spreewald vor Ockerschlamm aus dem Oberlauf der Spree. Wegen Schäden in der Staumauer muss sie im Sommer erneut saniert werden. Der Wasserstand wird jedoch schon bald reduziert.

Die Talsperre Spremberg ist einerseits Auffangbecken für Eisen, löst aber wegen der anstehenden Sanierung auch neue Befürchtungen im Spreewald aus. Foto: Back-Pictures

Bei den vorherigen Sanierungsarbeiten an der Staumauer Spremberg wurde die Gefahr entdeckt. Im östlichen Flügel befindet sich ein größerer Hohlraum, der die Standsicherheit gefährdet. "Eine Sanierung der Staumauer ist unumgänglich", sagt Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke). Mit straffem Zeitplan sollen die Bauarbeiten im August beginnen, doch ohne Beeinträchtigung Erholungsuchender am Stausee werde es nicht gehen.

Zur Entlastung der Mauer soll der Wasserstand schon bald um 75 Zentimeter abgesenkt werden. Für die Baumaßnahmen geht der Wasserstand dann weitere drei Meter nach unten. Bis dahin sollen zusätzliche Maßnahmen zum Rückhalt des Eisenockers aus den sächsischen Bergbaugebieten vorbereitet werden.

Denn die Talsperre hat dafür große Bedeutung. Das belegt eine neue Untersuchung von Wilfried Uhlmann vom Institut für Wasser und Boden (IWB). Von Juli 2012 bis Oktober 2013 hat er dazu die Eisenbelastung vor und hinter der Talsperre Spremberg gemessen.

Danach fängt das Speicherbecken im Sommer 70 bis 90 Prozent der Eisenockerfracht ab, die sich in einem Mischschlamm am Boden absetzt. Im Winter beträgt die Wirkung 40 bis 60 Prozent. Durch den Einbau eines Fangdammes könnte die Wirkung noch erhöht werden, so Uhlmann.

Wenn für die Sanierung der Staumauer im Sommer der Wasserstand abgesenkt werden muss, verringere das die Rückhaltewirkung nicht, im Gegenteil: "Je länger das Wasser in der Talsperre bleibt, um so mehr Ocker kann sich absetzen." Gefährlich wäre nur ein Hochwasser in einer solchen Situation.

Wilfried Uhlmann, der sich seit Jahren mit der Eisenockerbelastung der Spree beschäftigt, geht wegen des hohen Eisengehaltes der Spreewitzer Rinne davon aus, dass die Region noch "auf Jahrzehnte" mit diesem Problem zu tun haben wird.

sim

Quelle: Lausitzer Rundschau, 21.03.2014

Spreewälder hoffen auf Durchbruch beim Hochwasser

Entschlammung soll endlich beginnen / Treffen mit Landesbehörden im März an der Kannomühle

Neu Zauche Die Entschlammung der Fließe vornehmlich im Hochwald steht ganz oben auf der Wunschliste der Spreewälder. Noch im März soll es ein Treffen mit Vertretern von Landesbehörden geben, denen die Tragweite der Probleme gezeigt werden kann. Die Hoffnung wächst nun auf zügige wie dauerhaft wirksame Lösungen.

Konsens ist ein oft bemühtes Wort, und Jens Martin braucht es gleich zwei Mal am Dienstagnachmittag an der Kannomühle am Rande des Hochwaldes. Es ist dem Bürgermeister von Alt Zauche/Wußwerk wichtig, diesen Konsens zu betonen. Er hat Naturschützer, Forstleute, Landwirte, Kahnfährmänner zusammengerufen, die den kleinsten gemeinsamen Nenner bestätigen sollen – der Hochwald muss dringend entschlammt werden. Auf diese Forderung können sich alle einigen, trotz der einen oder anderen Differenz im Detail. "Wir haben endlich Gehör gefunden", sagt Martin, der sich wie viele andere um den Hochwald sorgt, seit die Hochwasser der vergangenen Jahre dort verheerende Schäden hinterlassen haben. Grundlegendes stehe auf dem Spiel: Der Hochwald ist Naturparadies, Lieferant hochwertigen Erlenholzes, atmosphärisch einmalige Kulisse für Kahnfahrten, Ruhepol.

Allerdings werde davon kaum etwa bleiben, wenn jedes Jahr Hochwasser den Hochwald flutet und vor allem nicht abfließen kann. Drei Wochen, länger dürfe das Wasser nicht stehen, sonst leidet der Wald, sagt Jörg Dunger, Chef der Landeswald-Oberförsterei Lübben. Sowohl der Landesbetrieb Forst als auch der Naturschutzbund mit seinem Regionalverband im Spreewald sowie Landwirte wie der Neu Zaucher Harald Kloas oder der Radensdorfer Andreas Bulligk haben signalisiert, Flächen für Flutungen, aber auch unbelasteten Schlamm zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Vorleistung für Notfälle will man gemeinsam in Gespräche gehen, die es noch im März mit Vertretern von Landesbehörden geben wird. Diese sind für die Entschlammung zuständig. Der Schlamm in den Fließen ist ein Grund, warum das Wasser nicht mehr zügig abfließen kann. "Wir müssen immer wieder mit Hochwasser rechnen", sagt Dunger. Mittlerweile springe die Überlaufschwelle am Eichenwäldchen schon bei einer Abflussmenge aus der Talsperre Spremberg von 50 bis 60 Kubikmeter an, einst war das erst bei 80 bis 100 Kubikmetern der Fall.

Es kommt also mehr Wasser in den Spreewald, und dennoch ist sich Andreas Bulligk, selbst Opfer mancher Flut, sicher: "Man muss gar nichts Neues bauen, sondern das Vorhandene erhalten und pflegen." Diesen Konsens soll es nun mit den Landesbehörden geben.

Jan Gloßmann

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 23.03.2014

Bäume stören Hochwasserschutz in Cottbus

Im Herbst beginnen Fällarbeiten an den Deichen im Süden der Stadt Cottbus

Cottbus Nach monatelangen Querelen, zahlreichen Vor-Ort-Begehungen und Unterschriftensammlungen gibt es nun eine Entscheidung: Ab Herbst werden rund 1000 Bäume auf den Spreedeichen im Cottbuser Süden gefällt.

Die rot markierten Bäume am Spreedamm zwischen Madlow und Kutzeburger Mühle sollen ab Herbst weichen. Foto: Michael Helbig/mih1

"Bäume haben auf Deichen eigentlich nichts zu suchen." Der Gallinchener Ortsvorsteher Dietmar Schulz bezieht zu der seit Monaten diskutierten Frage deutlich Stellung. Das hängt zum einen mit seiner Vergangenheit zusammen. "Ich bin an der Neiße groß geworden, da gab es keine Bäume auf den Deichen." Zum anderen trägt Schulz als Ortsvorsteher heute Verantwortung für den Cottbuser Ortsteil Gallinchen. Und dieser ist in akuter Gefahr, sollte die Spree zu viel Wasser führen. Welche Ortsteile überflutet werden, ist den Risikokarten zu entnehmen, die das Umweltministerium jetzt erarbeitet und ins Internet gestellt hat (siehe gelber Kasten). Für Schulz steht deshalb fest. "Der Schutz von Menschenleben ist wichtiger als die Natur." Der jetzt erreichte Kompromiss berücksichtige beide Belange. "Ich hoffe, dass es nun bald losgeht", sagt der Gallinchener Ortsvorsteher.

"Unsere Aufgabe war es, eine Variante zu finden, die den Naturschutz und den Hochwasserschutz in Einklang bringt", sagt Dorothee Bader, Referatsleiterin im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Vorgabe für das beauftragte Büro sei es gewesen, eine Variante zu finden, dass der Deich im Süden der Stadt jederzeit mit Sandsäcken geschützt werden kann. Bisher ist das an einigen Stellen nicht möglich, weil Bäume die Zufahrt für Lkw versperren. "Natürlich gibt es einen Eingriff in den Naturhaushalt", ergänzt Dorothee Bader. Dieser sei aber aus ihrer Sicht vertretbar. "Es bleibt ein geschlossener Baumbestand erhalten", betont sie. Gut 1000 Bäume wurden markiert. Ein Fünftel davon habe einen Stammumfang von 40 Zentimetern oder mehr.

Doch es gibt weiterhin kritische Stimmen. Dazu gehört der Naturschutzbund (Nabu). Horst Alter sagt dazu: "In der kommenden Woche plant der Nabu noch einmal eine Begehung vor Ort. Dann werden wir unser Urteil abgeben."

Positioniert hat sich hingegen der Cottbuser Nabu-Sprecher Harald Wilken. Er hat vor wenigen Tagen einen Brief an den Präsidenten des Landesumweltamtes Matthias Freude geschrieben. Die Aktivitäten in Cottbus bezeichnet er darin als "Dammverteidigung um jeden Preis". Außerdem verweist Wilken auf eine Passage im neuen Koalitionsvertrag, in der es um die Förderung der Renaturierung von Fließgewässern und Auen geht. "Müssen erst Schneisen in unsere Spreeaue geschlagen werden, um sie dann wieder zu renaturieren", so Wilken weiter. "Sicher hat man uns im Referat Süd nicht lieb, aber wir sind nun einmal für das schwächste Glied in unserer Gesellschaft da: Für Pflanzen und Tiere in der Landschaft." So endet der Brief.

"Wir sind auch für einen Hochwasserschutz", sagt Johann Staudinger von der Bürgerinitiative zum Erhalt der Spreebäume. Das Cottbuser Vorhaben bezeichnet er als eine Billiglösung. "Wenn Potsdam einen umfassenden Hochwasserschutz will, dann muss man diesen auch bezahlen", richtet er seine Kritik an die Adresse des Ministeriums.

Derweil hat das Landesumweltamt ein Versäumnis nachgeholt. So sind die Eigentümer der betroffenen Flächen über die Pläne der Behörde informiert worden. Der Haupteigentümer Wilfried Belka hat laut Amt seine Zustimmung erteilt. Für die RUNDSCHAU war er am Freitag nicht erreichbar. Die Stadt steht in der Diskussion auf der Seite des Landesumweltamtes. "Das Verfahren ist transparent geführt worden", erklärt Umweltamtsleiter Thomas Bergner.

In den nächsten Wochen wird sich an den Deichen an der Kutzeburger Mühle freilich nicht viel tun. Abgeholzt werden darf erst wieder ab Herbst.

Zum Thema:
Seit wenigen Wochen gibt es für das Gebiet der Spree Hochwasser-Gefahren- und Risikokarten. Aus ihnen lassen sich wichtige Empfehlungen für die Gefahrenabwehr, den Katastrophenschutz oder die Eigenvorsorge ableiten. Dabei sind die Gebiete dargestellt, die bei Hochwasser überflutet werden. Abgerufen werden können die Karten im Internet unter der Adresse www.mugv.brandenburg.de/info/hwrm/karten

Sven Hering

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 23.03.2014

 

Mehr als 30 Millionen Euro Fluthilfe gezahlt 

Potsdam. Zur Regulierung von Flutschäden nach dem Sommer- Hochwasser im vergangenen Jahr sind in Brandenburg
30,7 Millionen Euro an Hilfe­leistungen ausgereicht worden. Das erklärte eine Sprecherin der Investitionsbank des Landes am Donnerstag
(24.04.2014) auf Anfrage. Dickster Batzen war mit 19,3 Millionen Euro die Hilfe für mehr als 320 Landwirte, deren Felder überflutet waren. Für die Sanierung von Straßen, Gebäuden und Anlagen wurden 11,1 Millionen Euro ausgegeben. Die weiteren Schäden waren vergleichsweise gering: Ausgereicht wurden gut 52 000 Euro Soforthilfe für vier Firmen und gut 180 000 Euro an sieben Geschädigte zur Instandsetzung ihrer Wohnungen.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 25.04.2014

 

Der Schöps erobert sich sein neues Flussbett

Probebetrieb am Wehr in Werda gestartet / Bis Dezember sollen mögliche Mängel behoben werden

Rietschen Zehn Kilometer neu angelegter und renaturierter Schöps-Flusslauf zwischen Rietschen und Boxberg sind am Mittwoch (04.06.2014) in einem Testlauf geflutet worden. Das Öffnen des Wehrs im Rietschener Ortsteil Werda gestaltete sich als Festakt mit gut 100 Besuchern.  

Hermann und Erna Kaubisch halten die Flutung am Wehr im Bild fest. Das Grundstück der Familie liegt gleich neben dem Weißen Schöps in Werda. Foto: Joachim Rehle/jor1

"Alles Schöne kommt eben nie zusammen." Dieser alte Spruch kam Vattenfall-Projektleiterin Corina Fiskal in den Sinn, als sich das Schöpswasser glucksend und sprudelnd gegen 10.20 Uhr vom Wehr ins schick gestaltete Kiesbett ergoss. Mit einer kleinen Bugwelle schob sich das Nass durch das schlängelige Flussbett. Für Corina Fiskal war das zweifellos ein schöner Anblick nach zweieinhalb Jahren Bauzeit und mehrjähriger Planung. Noch lieber aber würde sie das Wasser auf der zehn Kilometer langen Strecke begleiten.

Am Wehr im Rietschener Ortsteil Werda jedoch rief die Pflicht. Natürlich durfte die Projektleiterin nicht fehlen, wenn vor mehr als 100 Besuchern das Schleusenrad soweit hoch gedreht wurde, dass zunächst 300 Liter pro Sekunde fließen konnten. "Jetzt wird sich zeigen", sagte Ingolf Arnold, Leiter Geotechnik bei Vattenfall, "ob wir richtig gedacht, geplant und gebaut haben." Bis Dezember gehe der Testbetrieb mit der am Wehr in Werda regulierten Wasserzufuhr. Bis dahin sollten sich Schöpswasser, Flussbett und Uferbereiche aneinander gewöhnt haben. Mittels Pegellatten, elektronischen Wasserstandsmessern und einem Überwachungsprogramm werde entlang der zehn Kilometer ständig kontrolliert. Sollte es irgendwo noch hapern, werde baulich nachgeholfen.

 Aufträge in Größenordnung  

                                                                                                       

"Wasser marsch!" Die Projektpartner Uschi Muschol von der Landesdirektion Sachsen, Daniel Steinmüller von der Landestalsperrenverwaltung, Manja Nadebor und Vattenfall-Geotechnikleiter Ingolf Arnold (v.l.) drehen auf dem Wehr am Schleusenrad.

Foto: Joachim Rehle/jor1

Konkret dafür zuständig wäre das Krauschwitzer Unternehmen Nadebor. Firmen-Chefin Manja Nadebor sagte, was man beim Energiekonzern sicher gern hört. Nicht nur dieser Fluss, auch Dörfer werden in der Tagebau-Region umverlegt und Menschen müssen umsiedeln. "Dennoch bin ich froh, dass wir hier diesen Rohstoff haben und Vattenfall ihn fördert." Das Unternehmen vergebe Aufträge in Größenordnung, schaffe und erhalte damit viele Arbeitsplätze. Mit der Renaturierung werde die Landschaft verschönert und interessanter.

Auf Rundschau-Nachfrage bestätigte Manja Nadebor, dass ihre Mitarbeiter nun schon zweieinhalb Jahre an der Schöpsumverlegung mitarbeiten durften. Bis zu 20 Kollegen waren phasenweise gleichzeitig im Einsatz, bedienten dabei Bagger, Lkw und Dumper. Über einen so langen Zeitraum beauftragt zu werden, sei für ein Unternehmen ein Segen. Eine Selbstverständlichkeit jedoch sei es nicht gewesen, die Aufträge zu bekommen.

Um gleich ein wenig Leben in den Schöps zu bringen, brachten die ortsansässigen Fischwirte Karsten und Helmut Tusche ein Gastgeschenk mit. Vier Karpfen mit etwa 500 Gramm Gewicht ließen sie kurz hinter dem Wehr ins Wasser gleiten.

 

Zeitplan eingehalten

Bei dem Wehr handele es sich um ein "Regulierungsbauwerk", erklärte Projektleiterin Corina Fiskal. Maximal 5300 Liter pro Sekunde könnten eingelassen werden. Das Schleusenrad wäre dann 75 Zentimeter hoch aufgezogen. Das hänge vom Wasserstand des Schöps ab. Ist die Schöpsumverlegung am Ende des Jahres komplett abgeschlossen, könne das Wehr wieder abgebaut werden.

Der Zeitplan, sagt Corina Fiskal, konnte trotz mehrerer Hochwasser und Starkregen, trotz auch eines sehr langen Winters mit weißen Ostern im vergangenen Jahr eingehalten werden. In der Planung seien genügend Zeitpuffer eingebaut worden.

Zum Thema:
Die größte Flussverlegung deutschlandweit wurde notwendig, weil Vattenfall im Tagebau Reichwalde bis 2045 rund 366 Millionen Tonnen Kohle für das Kraftwerk in Boxberg fördern will. Dabei wurden zwischen Rietschen und Hammerstadt 2,5 Kilometer Schöpslauf renaturiert, fünf Kilometer zwischen Hammerstadt und Altliebel neu angelegt und 2,5 Kilometer Kanal zwischen Altliebel und Reichwalde naturnah umgestaltet.

Daniel Preikschat

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.06.2014

 

 

Sachsen baut weiteren Wasserspeicher für die Spree

Lohsa. An der Spree soll es ab 2020 einen weiteren Speicher zur Regulierung der Wassermen­ge geben. Für das Speichersystem Lohsa II im Landkreis Bautzen wird derzeit ein 1400 Meter lan­ger Tunnel zwischen dem Lohsa­er See und dem Bernsteinsee ge­baut. 20 000 Kubikmeter Erde wurden dafür bis Ende Mai von der Lausitzer und Mitteldeut­schen, Bergbau – Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bewegt. Voraussichtlich im Herbst (2014) soll der Probestau für den Lohsaer See beginnen.

 Gemeinsam mit dem benachbarten Dreiweiberner See könnten in den drei Tagebaugruben  rund 72 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert werden um bei Hoch- oder Niedrigwasser die Spree zu regulieren. bl

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.06.2014

Hohlräume in der Spremberger Staumauer werden verfüllt

 

Spremberg. An der Talsperre Spremberg haben Arbeiten zur Betonsanierung begonnen. Dazu werden die oberste Schicht des Staubauwerkes erneuert und Hohlräume verfüllt. Diese Hohl­räume waren vor knapp einem Jahr bei Untersuchungen zur Be­tonqualität entdeckt worden.

"Die Schwachstellen müssen be­seitigt werden, um die Standsi­cherheit zu gewährleisten"; sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) am

Montag (18.08.2014) bei einem Baustellenbesuch. Die Hohlräume waren vermutlich ] beim Bau mit Sand gefüllt, der jedoch inzwischen ausgewaschen wurde. Die Arbeiten werden eine Million Euro kosten und Jahresende (2014) dauern.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.08.2014

 

 

Talsperren-Sanierung mit Eisenocker-Bremse

Staumauer bekommt neue Verkleidung / Hohlräume werden mit Stahlbeton verfüllt / Weniger Eisenhydroxid durch Flockungsmittel und Kalk

Spremberg An der Staumauer der Talsperre Spremberg wird bis Weihnachten gebaut. Bei abgesenktem Wasserspiegel darf jedoch nicht zu viel Eisenocker in Richtung Spreewald fließen. Teure Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung.

 

Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack auf der Talsperrenbaustelle im Gespräch mit dem Präsidenten des Landesbergamtes, Klaus Freytag. Foto: ZB

 

Anm.: Warum das Referat Wasser eigentlich nicht aus dem LUGV ausgliedern und in das Landesamt für Geologie und Rohstoffe integrieren.

 

Eine Betonfräse, die die Staumauer bearbeitet, erzeugt höllischen Lärm. Für kurze Zeit wird die Maschine angehalten, als Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) sich über die Brüstung beugt, um sich die Arbeiten erklären zu lassen. Neben ihr Behördenmitarbeiter, aber auch zahlreiche Lokal- und Landespolitiker. Denn die Sanierungsarbeiten sind ein Politikum.

Nicht wegen der Kosten von rund einer Million Euro, die bis zum Jahresende in der Staumauer verbaut werden sollen, sondern wegen der Angst vor Eisenocker, der bis in den Spreewald gelangen könnte.

Der Ocker entsteht durch Verwitterung in Kippenböden des Bergbaus und färbt die Spree ab einer bestimmten Konzentration braun. Er schädigt Kleinstlebewesen im Wasser und ist verhängnisvoll für den Tourismus.

Die größte Ocker-Belastung kommt dabei aus der "Spreewitzer Rinne" in Sachsen. In der Talsperre Spremberg setzt sich ein großer Teil des Ockers eigentlich ab. Doch wegen des Baus an der Staumauer wurde der Wasserspiegel und damit die Verweildauer gesenkt.

Doch daran, dass der Betonmantel der fast 50 Jahre alten Staumauer erneut werden muss, gibt es keine Zweifel. Auch, dass große Hohlräume in der Wand mit Stahlbeton verfüllt werden müssen, ist unstrittig. Bei vorangegangenen Instandsetzungsarbeiten waren die Hohlräume entdeckt worden. "Die waren vermutlich beim Bau der Mauer mit Sand gefüllt", sagt Umweltministerin Tack über die Entstehung. Inzwischen sei dieser Sand jedoch ausgewaschen.

 

 

Anita Tack lässt sich erklären, wie Flockungsmittel zugesetzt wird. Foto: ZB

Deutlich mehr als eine Million Euro gibt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) aus, um während der Bauphase zu verhindern, dass mehr Eisenocker als sonst die Talsperre passiert. Das scheint offenbar gut zu gelingen.

Dafür hat die LMBV an der Vorsperre eine Anlage errichtet, die dem Wasser ein Flockungsmittel zusetzt. Der Ocker setzt sich dadurch schneller ab. In der kommenden Woche wird eine Bekalkungsanlage ein Stück weiter flussaufwärts in Betrieb gehen. Auch sie wird das Ausfällen des Schlammes verstärken.

Wie wirksam schon das Flockungsmittel allein ist, kann Volkmar Zarach mit Zahlen belegen: "An der Vorsperre haben wir vier bis fünf Milligramm Eisen pro Liter im Wasser, am Auslauf nur eineinhalb." Zarach ist Projektleiter der LMBV. "Sobald sich am Auslauf der Talsperre das Wasser brauner färbt, wird in Cottbus Alarm ausgelöst", verspricht er.

Dann würde dort Wasser in die Gräben des Branitzer Parkes geleitet, um ihn vor dem Ockerschlamm zu schützen. Doch das werde nicht notwendig sein, davon ist Zarach nach den ersten Erfahrungen mit der Flockungsanlage überzeugt.

Die sollte, so der LMBV-Fachmann, auch nach dem Ende der Staumauersanierung betriebsbereit bleiben, falls mal größere Ockerfrachten aus Sachsen kommen. Cottbus und der Spreewald hätten dann eine zusätzliche Sicherheit, dass der braune Schwebstoff im Wasser nicht bis zu ihnen durchdringt. Denn bis in Sachsen das Konzept zum Abfangen der Eisenverbindung an der "Spreewitzer Rinne" umgesetzt ist, würden Jahre vergehen.

 

Auf der Staumauer der Talsperre tragen Arbeiter mit Presslufthämmern Beton ab. Die Reparatur soll Weihnachten beendet sein. Foto: ZB

 

Mit Brunnenriegeln und offenen Gräben soll der Ocker dort abgefangen und über Rohre in ein Tagebaurestloch, voraussichtlich in das Speicherbecken Lohsa II, geleitet werden.

"Das Wasser dort muss ohnehin konditioniert werden, der Schlamm setzt sich dann am Boden ab und muss nicht noch extra entsorgt werden", erläutert Zarach die Planungen. Doch alle Baumaßnahmen seien dort auf privatem Grund nötig, was die Umsetzung verzögere.

An der Mitarbeit der sächsischen Behörden mangele es nicht, so der LMBV-Fachmann: "Die haben daran auch Interesse, die wollen ihre FFH-Gebiete schützen." Erst wenn auf sächsischer Seite die Ockerfracht in der Spree spürbar reduziert wird, werde sich auch die Belastung der Stadt Spremberg durch den braunen Fluss deutlich verringern. "Wir werden aber Wege finden, der gebeutelten Stadt vorher schon zu helfen", macht Zarach den Sprembergern Mut.

Einhelliges Lob für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Talsperrensanierung kam am Montag von allen daran beteiligten Behörden. Dass das so gut geklappt habe, sei "ein Wert an sich", so der Chef des Brandenburger Landesumweltamtes Matthias Freude. Und Klaus Freytag, Chef des Landesbergamtes, sagte mit Blick auf die anstehenden Arbeiten im benachbarten Freistaat: "Das müssen wir jetzt nach Sachsen tragen."

Zum Thema:

Der Weiße Schöps im Osten Sachsens fließt seit zwei Monaten in einem neuen Bett – am gestrigen Montag wurden die Arbeiten entlang der zehn Kilometer langen Flussbaustelle offiziell abgeschlossen. Wie der Energiekonzern Vattenfall mitteilte, war der Fluss in den vergangenen drei Jahren für die Erweiterung des Braunkoh-letagebaus Reichwalde (Landkreis Görlitz) verlegt worden. Damit sich dieser in nordöstlicher Richtung ausdehnen könne, fließt der Weiße Schöps zwischen Rietschen und Reichwalde nun südlich am Abbaufeld vorbei. Anfang Juni dieses Jahres war das Wehr für den Probebetrieb geöffnet worden. Noch bis Ende des Jahres soll getestet werden, ob es Problemstellen im neu angelegten Bett gibt, unter anderem mit Hilfe elektronischer Wasserstandsmesser. Nach Angaben von Vattenfall sind 5,4 Kilometer des Flussbetts völlig neu entstanden. Zwischen Rietschen und Hammerstadt kehrte der Weiße Schöps in sein altes Bett zurück, nachdem er bereits zu DDR-Zeiten für den Braunkohleabbau umgeleitet wurde.

Simone Wendler

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.08.2014

 

Umverlegter Schöps in Betrieb genommen

Rietschen. Nach drei Jahren Bauzeit ist der auf 5,4 Kilome­ter Länge umverlegte Weiße Schöps bei Rietschen (Land­kreis Görlitz) am Montag (18.08.2014) offiziell in Betrieb genommen worden. Der Fluss weicht dem Tagebau Reichwalde aus, der ins Nordfeld umschwenkt. Weitere 7,8 Kilometer Flusslauf wurden renaturiert. dpr

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.08.2014

Nicht nur Erlen: "Wir wollen den wahren Spreewald"

Die Auseinandersetzungen um den Waldbau im Biosphärenreservat schwelen / Widersprüche zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft

Alt Zauche/Lübbenau Ist der Spreewald als Kulturlandschaft noch zu halten? Landwirte und Forstleute fürchten ein Primat des Naturschutzes. Ein Ausgleich der Interessen scheint weiter schwierig, die Differenzen schwelen weiter.

"Hier stehen Leichen." Nicht nur Förster graust der Anblick in Teilen des Hochwaldes. Foto: Jan Gloßmann

"Was wir anstreben, ist der wahre Spreewald." Würde Eugen Nowak, der Chef der Biosphärenverwaltung Spreewald, diesen Satz in einer öffentlichen Runde sagen, dann gäbe es Leute, die laut klatschten, und Leute, denen der Schock im Gesicht stünde. Denn die Vorstellungen, was der wahre Spreewald ist und wo er zur bloßen Ware wird, gehen – freundlich gesprochen – ein wenig auseinander.

Es sind zwei große Dinge, die miteinander auskommen müssen (und wohl auch könnten), deren Rahmenbedingungen sich aber immer wieder widersprechen: der Spreewald, konkret der Hochwald, als attraktivstes touristisches Ziel und gleichzeitig begehrter Holzlieferant für die Forstwirtschaft auf der einen Seite, auf der anderen Seite die fast jährlich drohende Hochwassergefahr an den Umflutern der Spree. Ganz gleich, mit wem man spricht – in Gefahr ist immer irgend etwas.

Da ist das Hochwasser. Der Hochwald liegt in einer Senke, in die Wasser aus dem Nordumfluter abgeleitet wird, wenn die Stadt Lübben abzusaufen droht. Viele Jahrzehnte war das kein großes Problem; das Wasser strömte durch den Hochwald und floss halt später wieder ab.

Mittlerweile aber kommt es nicht mehr weg, es ist zu viel, und die Gewässer können nicht mehr leisten, weil sie verschlammt sind. Das Wasser bleibt stehen; und genau das ist buchstäblich tödlich für die Erlen im Hochwald. Sie sind der Brotbaum der Forstwirtschaft. Horrende Bilder gibt es davon und Zahlen, die zeigen, dass an einigen Stellen kein Baum überlebt hat. Naturschützer sehen darin einen natürlichen Prozess und zumindest willkommene Nisthilfen für die Tierwelt des Spreewaldes, die Forstwirtschaft eine weitflächige Vernichtung von nutzbarem Vermögen – Holz ist begehrt, besonders von gerade aufgeschossenen Erlen.

Es ist dieser Widerspruch, der sich im Übrigen durchs ganze Land Brandenburg zieht: Naturschutz soll sein, Holznutzung auch. Schließlich soll sich die Forstwirtschaft zu weiten Teilen aus Holzerlösen finanzieren.

Kulturland oder Reservat?

Forst- und Landwirte finden mit ihren Sorgen derzeit vor allem bei Oppositionspolitikern Gehör. Dieter Dombrowski, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sitzt mit Forstleuten, Landwirten, mit der Bundestagsabgeordneten Jana Schimke (CDU) und Kommunalpolitikern im Kahn, der Nordfließ und Großes Fließ passiert. "Geht es um Schutz und Nutzung der Kulturlandschaft oder geht es in Richtung Totalreservat?" Das müsse klar gesagt werden, erklärt Dombrowski, denn dann sei auch klar, aus welchen Töpfen Geld kommen müsse – Geld wird immer gebraucht, selbst wen man die Natur sich selbst überlässt.

Wie viel bleibt von der Idylle im Hochwald für Tourismus? Auch dabei gehen die Meinungen auseinander. Foto: Jan Gloßmann

… Einer aber spricht. Paul Rupp, früherer Chef der Lübbener Forstbehörde, Fachmann, Pensionär:

"Die Schäden im Hochwald sind wie die Kulturlandschaft auch vom Menschen gemacht." Dass Erlen auf Rabatten gepflanzt worden sind, war eine Anpassung an Hochwässer vergangener Jahrzehnte. Doch in den trockenen 1990er-Jahren hat sich schleichend die Idee festgesetzt, man könne auf diesen Aufwand wohl verzichten. Die Hochwasser der vergangenen Jahre haben ein anderes Bild bewirkt. Derzeit zeige sich ein "Galeriewald"; am Fließ, wo das Wasser in Bewegung ist, sind grün belaubte Bäume zu sehen. Doch fünf Meter weiter ins Land steht das Wasser und der Wald ist tot. Ein Förster sagt verbittert: "Hier stehen Leichen." Derzeit werde "alles getan, um den Wald zu vernichten".

… 

 

Hochwasser-Probleme

Galeriewald: Am Fließ leuchtet es grün, dahinter aber sind die meisten Bäume tot. Allein im Landeswald im Oberspreewald sind auf 164 Hektar die Bäume fast komplett abgestorben. Foto: Jan Gloßmann

Zwar sind sich Naturschützer, Forstleute, Landwirte, Behörden und die Politik weitgehend einig, den Wasserläufen bei Bedarf wieder mehr Überflutungsraum zu geben in den umliegenden Flächen. Der Hochwald werde aber immer betroffen bleiben. Und an den Details aber scheiden sich auch hier die Geister. "Wir hatten auf etwa 1100 Hektar einen großen See", erzählt Andreas Bulligk, Vorstand der Agrargenossenschaft Radensdorf, mit Blick auf die zurückliegenden Jahre.

Landwirte hätten nichts gegen Überflutungsflächen, aber das Wasser dürfe nicht drei Monate oder länger draufstehen. "Da ist dann alles angefault." Zu klären wären zudem Entschädigungen.

Das Land hat eine Risikomanagement-Planung für Hochwasser vorgelegt. Verschiedene behördliche Verfahren laufen, alles dauert seine Zeit.

Eugen Nowak fragt: "Bauen wir wieder einen künstlichen Hochwald oder machen wir naturnahe Wälder?"

Die Förster fragen sich und ihren Arbeitgeber, das Land, wie sie Geld verdienen sollen, wenn ihnen die Grundlage genommen wird?

Und sie fragen sich, warum ihre Arbeit nicht als das anerkannt wird, was sie "doch auch immer gewesen ist": Naturschutz, Naturerhalt?

Je mehr Zeit vergeht, desto stärker haben Forst- und Landwirte den Eindruck, den sie so formulieren: "Wir sollen raus aus dem Spreewald".

Jan Gloßmann

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 30.08.2014 (auszugsweise, nur Spree-Hochwässer bertreffend)

 

Auch derartige  Phänomene gibt es im Binnenland:

 

Cottbus versinkt in Wassermassen

Starker Gewitterregen sorgt für überflutete Straßen und vollgelaufene Keller

Cottbus Am Montag (04.08.2014) ist in Cottbus in wenigen Stunden so viel Regen gefallen wie sonst in einem ganzen Monat nicht. Am Nachmittag hieß es in vielen Teilen der Stadt "Land unter". Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Die Kameraden der Feuerwehr waren im Dauereinsatz.

Über 90 Liter Niederschlag pro Quadratmeter waren nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes bis zum frühen Nachmittag auf Cottbus gefallen. Und es regnete weiter.

"Diese Niederschlagsmenge ist schon etwas Besonderes.

Für den Monat August haben wir in Cottbus einen Mittelwert von 69 Litern pro Quadratmeter", informierte Ralph Hasse von der Wetterwarte im Cottbuser Meisenweg.

                  

                  Überflutete Straße nach dem Starkregen vom 04.08.2014

Die Wassermassen, die vom Himmel fielen, versetzten Cottbus in den Ausnahmezustand. Von oben goss es in Strömen und von unten drückte das Wasser aus den Gullys nach oben. Überflutete Fahrbahnen waren unpassierbar. Kurzzeitig fielen Ampeln aus….

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.08.2014 (auszugsweise)

 

Eine Wetterlage vergleichbar mit dem Aufsteigen eines Heißluftballons

Feuchtwarme energiegeladene Luft entlädt sich in heftigen Gewittern / Die Prognose des DWD-Experten Hans-Werner Voss: "Der Montag war der letzte schlimme Tag"

Cottbus/Potsdam Wovor die Unwetterzentrale gewarnt hatte, ist am zeitigen Montagnachmittag (04.08.2014) in Cottbus Realität geworden:

Über der Lausitzmetropole entlud sich das wohl heftigste Gewitter der vergangenen Tage. Entwässerungskanäle sind in Windeseile übervoll, Wasserlachen überall, Land unter in vielen Kellern. Die Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz.

 

 

Der Lausitzer Hobbymeteorologe Rudolf Kupfer Foto: trt1

Hans-Werner Voss vom Deutschen Wetterdienst (DWD) fragt beim Anruf der LAUSITZER RUNDSCHAU gegen 14 Uhr zurück: "Haben Sie zurzeit Gewitter?" Der Potsdamer Meteorologe vom Dienst hatte die Unwetterwarnung für die Lausitz herausgegeben und sieht seine Prognose bestätigt. Mit einem Augenzwinkern sagt er: "Es trifft ja nicht immer zu." Seit Mitte vergangener Woche war die Treffsicherheit allerdings enorm hoch.

Voss erläutert, warum es zurzeit die extreme Gewitterneigung gibt. "Die Lage ist vergleichbar mit dem Aufsteigen eines Heißluftballons." Die feuchtwarme Luft steige bei der starken Sonneneinstrahlung seit Tagen bis in Höhen von 15 Kilometern auf. Dort gefriere sie. Die Eispartikel gingen hoch und runter und würden sich extrem mit Energie aufladen. "Irgendwann entlädt sich diese Energie", schildert Voss. Und da es zurzeit nur eine geringe Strömung gebe, passiert es, dass 20 Kilometer weiter von Blitzen, Donner, Hagel und Stark regen nichts zu spüren sei.

Der Hobbymeteorologe Rudolf Kupfer aus Lindenau (Oberspreewald-Lausitz), dessen Messdaten auch der Deutsche Wetterdienst nutzt, sieht die schweren Gewitter der zurückliegenden Tage einer besonderen Wetterlage geschuldet. Insgesamt aber schätzt Kupfer ein: "Das ist ein Sommer, wie er sein soll." Er bezeichnet den Juli als einen hervorragenden Hochsommermonat, "den wir lange nicht mehr hatten".

Deshalb erlebt die Lausitz nach Ansicht des Hobbymeteorologen, der das Wetter der Region seit mehr als zwei Jahrzehnten genau beobachtet, nichts Außergewöhnliches. Im Vergleich zu den zurückliegenden fünf Jahren sei 2014 vielmehr ein richtiger Sommer. Hochsommerliche Wärme wechsele sich mit Regenperioden ab.

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Juli die Erwartungen erfüllt habe, sei die Tatsache, dass die Landwirte bereits sehr zeitig die Getreideernte eingefahren haben, erläutert der 71-Jährige gegenüber der LAUSITZER RUNDSCHAU seine Wetterbeobachtungen.

Dass die Lausitzer den bisherigen Sommer als extrem empfinden, hänge sicher auch damit zusammen, dass der Juli fünf Jahre lang viel zu nass gewesen sei – bis hin zu den immer wieder auftretenden Hochwasser-Gefahren. "Dennoch: Der Juli 2014 war ein Hochsommermonat, der in der Region sogar noch etwas zu trocken gewesen ist", weiß der Lindenauer Rudolf Kupfer, der monatlich an den DWD mit den Mitgliedern des Freundeskreises "Hobbymeteorologen Senftenberg" die Beobachtungen und Messungen übermittelt.

Was sich für Kupfer bereits Anfang März dieses Jahres ankündigte, als er auf ein "Wachstumsfeuerwerk in der Natur" hingewiesen hatte, erfüllte sich im bisherigen Sommer. "Wir sind ohne Frostschäden aus dem Winter herausgekommen. Dann haben sich Wärme und die Verteilung der Niederschläge ergänzt, dass nichts vertrocknen konnte", erläutert er. Das Resultat könne man überall in der Lausitz etwa an "traumhaft schönen Hortensien und Rosen sehen".

Auf Anzeichen für einen Klimawandel angesprochen kann der Hobbymeteorologe natürlich nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aufwarten. Aber auch für Rudolf Kupfer steht fest, dass die Extreme gerade in der Lausitz sichtbar werden: zu viel oder gar kein Regen, Schneemassen oder keine Flocke, Extremkälte oder milder Winter.

Hans-Werner Voss, der seit 41 Jahren in Potsdam "Wetter macht", hat für die Fortsetzung des Sommers 2014 zumindest eine positive Prognose. "Der Montag war der letzte schlimme Tag", sagt er. Die Schauer und Gewitter klingen am Dienstag ab, es komme warme Luft aus Westen. Über Aufheiterungen und ein Zwischenhoch am Mittwoch sowie Gewitterneigung am Donnerstag bewege sich die Temperatur schon wieder in Richtung der 30-Grad-Marke – Sommer eben.

Christian Taubert

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.08.2014

 

Und so es einen Tag später aus ... der Märkische Sand hat auch sein Gutes

                       

                       Die Straße einen  Tag nach dem Starkregen (05.08.2014)

 

Erste Bilanz nach dem großen Regen

Montag einer der schlimmsten Regentage in Cottbus seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Cottbus Mit der ungewöhnlich hohen Niederschlagsmenge, die am Montag auf Cottbus herabregnete, hat es die Stadt sogar in die Hauptnachrichten des Fernsehens geschafft. Die Cottbuser Wetterwarte meldet für den 4. August 2014 die dritthöchste Regenmenge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

TV-Wetterfrau Claudia Kleinert berichtet am Montag in den ARD-Tagesthemen über extrem hohe Niederschläge in Cottbus. Foto: ARD-akutell

115 Liter Regen pro Quadratmeter in Cottbus seit Sonntagabend. Mit dieser ungewöhnlich hohen Niederschlagsmenge hat es die Lausitz am Montag in den Wetterbericht der Tagesthemen geschafft. In nur wenigen Stunden war am Montagnachmittag so viel Regen auf Cottbus gefallen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. "Unser Messgerät im Meisenweg hat am Montag genau 102,6 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. Das ist der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Im August 1946 sind an einem Tag 107,5 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen und im Jahr 1978 waren es an einem Tag sogar 130,6 Liter, ebenfalls im August", informiert Ralph Hasse von der Wetterwarte. "Die Menge, die am Montag vom Himmel kam, war schon ungewöhnlich groß", sagt Hasse…..

Sven Hering und Nicole Nocon

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 06.08.2014 (auszugsweise)

 

 

Seenland könnte Hochwasser in Schwarzer Elster entschärfen

Machbarkeitsstudie des Brandenburger Umweltministeriums soll im nächsten Frühjahr vorgestellt werden

Senftenberg Die Anrainer der Schwarzen Elster im Landkreis Oberspreewald Lausitz sind bei den jüngeren Hochwasserlagen relativ glimpflich davongekommen. Dramatisch war es dagegen stets im Elbe-Elster-Land. Helfen soll das Herzstück des Lausitzer Seenlandes mit Partwitzer, Geierswalder, Sedlitzer und Senftenberger See.

 

Die Schwarze Elster und ihre Hochwasserlagen sorgen vor allem im Elbe-Elster-Landkreis für Alarmstimmung. Entschärfen könnte dies das Speichervermögen der Seenkette bei Senftenberg. Foto: privat

Gegenwärtig, so Kurt Augustin, Abteilungsleiter Wasser und Bodenschutz im Brandenburger Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV), werde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, wie Teile des Seenlandes auf sächsischer und brandenburgischer Seite in die Hochwasserabwehr einbezogen werden können. Begleitet werde diese Arbeit von Fachleuten aus beiden Bundesländern. Das Ergebnis soll im kommenden Frühjahr vorgestellt werden.

Ziel der Studie sei es, die Möglichkeiten und Mengen des Wasserabschlagens darzustellen, ebenso den gesteuerten Abfluss nach dem Hochwasser zurück in die Schwarze Elster sowie auch eventuell notwendige bauliche Veränderungen an den Gewässern. Auch die Wasserqualität müsse beachtet werden. "Es geht hier um mehrere 100 000 Kubikmeter Wasser", so Kurt Augustin.

Wasserwirtschaftler wie der Senftenberger Reinhard Heepe fordern diese Betrachtung seit Jahren. Demnach müsse im Hochwasserfall so viel Nass aus der Elster durch ein entsprechend dimensioniertes Bauwerk in die Seenkette abgeleitet werden, dass der Fluss durch Senftenberg lediglich Normalwasser führt. Dies würde nicht nur die Anrainer flussabwärts entlasten, sondern auch die der Pulsnitz.

Ergänzt werden soll das Ableiten in die Seen durch noch festzulegende Retentionsflächen. "Wir können die Deiche nicht unendlich hoch bauen, sondern müssen dem Fluss mehr Raum geben", kündigt Kurt Augustin an. Dies dürfte nicht allen Landeigentümern und -nutzern gefallen Hauptbetroffene werden die Landwirte sein. Das Festlegen als Überflutungsflächen erfolge durch ein Planfeststellungsverfahren. Zu regeln sei in diesem Zusammenhang die Entschädigung. "Wir wollen die Landwirtschaft auf keinen Fall verdrängen", versichert der Abteilungsleiter im Ministerium.

Hart getroffen hatte es in den Vorjahren den Landwirtschaftsbetrieb Benning unweit der Schwarzen Elster in Lauchhammer-West. In einem Jahr war es erst im Winter möglich, auf den zuvor überfluteten und dann gefrorenen Flächen den Mais abzuernten.

Der Hochwasserschutz sei allein mit technischen Maßnahmen nicht zu bewältigen. Kurt Augustin erinnert an das letzte Elbe-Hochwasser. Es wurden Deiche geöffnet. Dadurch konnten etwa 150 000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden, die schließlich Wittenberge gerettet haben. Dennoch sei es auch an der Schwarzen Elster notwendig, die Deiche zu sanieren oder gar zurückzuverlegen. Dies werde viele Jahre dauern.

Das Maßnahmepaket für die Schwarze Elster von der sächsischen Landesgrenze bei Großkoschen zur Landesgrenze von Sachsen-Anhalt soll im ersten Quartal des kommenden Jahres vor Ort im Landessüden präsentiert werden.

Die Nachbarn in Sachsen sind schneller. Mit ihrer kanalartigen Deichsanierung sorgen sie bereits dafür, dass das Elsterwasser zügig nach Brandenburg transportiert wird.

Manfred Feller

 Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.08.2014

 

Lübbenau sucht Wasser-Opfer

Bürgerumfrage soll Schadensanalyse erleichtern / Frist bis 19. September

Lübbenau Jetzt sind die Opfer der Hochwässer der vergangenen Jahre direkt gefragt: Mittels einer Umfrage unter Betroffenen wollen die Stadt Lübbenau und der Bergbausanierer LMBV einen aktuellen Überblick über Schäden und Risiko-Standorte erlangen – damit endlich Hilfe anlaufen kann.

Zu wenig Regen ist eben so wenig gut wie zu viel Niederschlag. Foto: Jan Gloßmann

Mit jedem Tropfen Regen wächst bei den Lübbenauern die Angst: Wie stark fällt der Niederschlag diesmal aus? Was wird aus den Kellern der tief liegenden Gebäude? Dass es eine Lösung für alle geben wird, daran glaubt kaum jemand in der Stadt. Das Wetter schlägt unbeeinflussbare Kapriolen, das Grabensystem ist zumindest für die Extreme zu schwach und selbst fürs Normale an Regen oft zu ungepflegt. Zudem trifft der Regen auf einen Grundwasserstand, der so genannte vorbergbauliches Niveau erreicht hat. Mindestens.

Derzeit bemühen sich Stadtverwaltung und der Bergbausanierer LMBV um eine Übersicht über alle Schäden in Lübbenau und den Ortsteilen. Dazu sind bereits die Betroffenen von den Behörden angeschrieben worden, die sich schon in den vergangenen Jahren beim Sanierungsträger mit Schäden an Haus und Hof gemeldet haben" .....

...Nach Angaben der Stadt gewährt die LMBV zudem direkte finanzielle Hilfen: "Ohne Anerkennung einer Rechtspflicht", wie es die Juristen vorsichthalber hinzufügen, gibt es Geld für Sofortmaßnahmen. Wer sich als Betroffener Pumpen, Luftentfeuchter sowie Zubehör anschafft, kann "ab dem Tag der Schadensmeldung eine finanzielle Hilfe bei Neuanträgen von 50 Prozent" einplanen, sofern "die bezeichnete Gerätschaft zum Zweck der Absenkung des Wassers in den Kellern der Betroffenen betrieben wird". Außerdem werden die laufenden Kosten für Betrieb und Bewirtschaftung bezuschusst.

Jan Gloßmann

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.09.2014 (auszugsweise)

 

PERSONEN

Der langjährige Leiter der Regionalabteilung Süd des Landesamtes für Umwelt Gesundheit und Verbraucherschutz, Woplfgang Genehr,wurde am Donnerstag (25.09.2014) von Umwe1tministerin Anita Tack in Briesen bei Cottbus mit der Hochwassermedaille 2013 des Landes Brandenburg geehrt. Mit großem Einsatz und Fingerspitzengefühl habe er nicht nur beim Frühjahrhochwasser 2013, sondern über Jahre und Jahrzehnte dasWassermanagement gemeistert, heißt es in der Begründung.

Der Dip1omgeologe wurde gleichzeitig in den Ruhestand verabschiedet.

 

Quelle: Märkischer Bote, 27.09.2014

 

Anm.:  Lieber Wolfgang, ich wünsche Dir für den Ruhestand alles erdenklich Gute.

 

Der Wassermann für die Spree geht in Ruhestand

Ehrenmedaille für Cottbuser Umweltamtschef Wolfgang Genehr

Wolfgang Genehr hat 41 Jahre und drei Monate lang für die Spree ge­arbeitet. Dabei wollte der studierte Geologe nie in die 'Wasserwirtschaft. Nun ist der  langjährige Regionalleiter Süd im Landesumweltamt in den Ruhestand gegangen.

Von Peggy Kompalla

Cottbus. Bei der Verabschiedung von Wolfgang Genehr ist Branden­burgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) voller Anerkennung: "Mit ihm verlässt einer der erfahrensten Wasserwirtschaftier die Behörde." Er habe einen großen Anteil daran, dass zahlreiche Hochwasser in den vergangenen Jahrzehnten in Brandenburg be­wältigt werden konnten. Dazu gehöre auch ein Wassermanagement der Talsperre Spremberg mit viel Fingerspitzengefühl. Als Anerkennung gab es noch die Hochwassermedaille 2013 für den Geologen.

Dabei hatte Genehr gar kein Interesse an der Wasserwirtschaft, wie er bei einem entspannten Gespräch an seinem zweiten Rententag verrät. "Ich wollte Kartie­rungsgeologe werden", erzählt er.

 

Doch da er Kirchensteuer statt Parteibeitrag zahlte, blieb ihm dieser Karriereweg versperrt.

 

So kam Wolfgang Genehr nach seinem Studium in Greifswald im Jahr 1973 zur Wasserwirtschaftsdirektion Spree-Oder-Neiße nach Cott­bus. Und blieb.

"Ich habe immer für die Spree gearbeitet - 41 Jahre und drei Monate lang", sagt er mit einem Lachen. Reue liegt nicht in seiner Stimme. Er hat offenbar schnell Frieden mit der Wasserwirtschaft geschlossen. Zunächst war Genehr für die Trinkwasserversorgung von Berlin mitverantwortlich. Damals lag der Verbrauch pro Kopf und Tag schon einmal bei 350Litern - mehr als dreimal so viel wie heute. "Das war schon eine Herausforderung. "

In die Zeit fällt auch ein Forschungsprojekt zur Anreicherung des Grundwassers. 15 Jahre lang arbeitete er daran. "Das hat mir sehr geholfen. Denn ich musste in viele fachliche Bereiche einsteigen. Dadurch habe ich einen komplexen Überblick über die Wasser­wirtschaft erhalten", berichtet der Geologe. Damit war er für das neu gegründete Referat für Grundwasser im Brandenburger Umweltministerium im Jahr 1990 prädestiniert. "Unsere wichtigste Aufgabe bestand damals darin, den durch den Bergbau gestörten Wasserhaushalt wieder in seinen Ursprung zurückzuversetzen." So entstanden unter seiner Ägide erste Flutungskonzepte für die Lau­sitz. Das waren Großraummodelle zur Steuerung des Wasserhaushalts, die heute noch ihre Bedeutung haben.

Zu DDR-Zeiten vernachlässigt, erhielt der Naturschutz mit der Wende seine Bedeutung zurück. Genehr war am Entstehen des Rahmenkonzepts zur Wasserbewirtschaftung des Spreewalds beteiligt und hat dem Energiekonzern Vattenfall die Renaturierung der Spreeaue als Großprojekt angepriesen. "Mein Anspruch war immer, nicht nur punktuelle Vorhaben umzusetzen, sondern im Sinne der Entwicklung von Naturraum größere Projekte zu unterstützen." Den größten Eindruck in seiner Laufbahn hat eine Beinahe-­Katastrophe hinterlassen. "Am prägendsten für mich war, dass wir Mühlberg halten konnten." Beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 floss die angeschwollene El­be nur wenige Zentimeter unter­halb der mit großer Kraft verteidigten Deichkrone an der Stadt vorbei.

Mit Wolfgang Genehr geht einer der Urgesteine des Umweltamtes in den Ruhestand, wie es die Ministerin selbst sagt. Mit ihm geht auch Fachwissen verloren. Diesbezüglich findet Genehr kritische Worte: "Dem Personalabbau im Landesumweltamt stehen stetig steigende Aufgaben allein aus dem - EU-Recht oder aber dem Eisenocker- Problem entgegen. Das ist keine gute Entwicklung."

 

ZUM THEMA

 

Wolfgang Genehr begann seine Karriere im Jahr 1973 in der Wasserwirtschaftsdirektion Spree-Oder-Neiße in Cottbus. 1990 arbeitete er im Referat für Grundwasser  im Landesumweltamt. 1996 übernahm er die Referatsleitung Süd und 2004 wurde er Abteilungsleiter bis zu seinem Ruhestand.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.10.2014

 

Anm.:  Unzweifelhaft hat Wolfgang Genehr Verdienste in der Wasserwirtschaft.

Doch leider bleibt im Artikel unerwähnt (ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt – entzieht sich meiner Kenntnis), dass es nicht immer nur die

Verdienste eines Einzelnen sind oder waren, sondern er die erworbenen Meriten auch immer seinen MitarbeiterInnen durch das Einbringen

ihrer umfangreichen, sach- und fachkundigen Kenntnisse zu verdanken hat.

 

 … Ein General ohne Truppen kann allein überhaupt nichts ausrichten …

 

Es richtig, dass die Zahl dieser sach- und fachkundigen MitarbeiterInnen im Landesumweltamt abnimmt (d.h. die Zahl der Soldaten)

leider immer mehr abnimmt. 

 

Spezielle Karten für Risikogebiete

Entwürfe für Überschwemmungskarten Schwarze Elster werden ausgelegt

Potsdam/Bad Liebenwerda Welche Bereiche an der Schwarzen Elster im Hochwasserfall besonders betroffen sind, zeigen spezielle Überschwemmungskarten. Das zuständige Umweltministerium hat diese Übersicht erarbeitet. Die Entwürfe werden vom 5. Januar bis 6. Februar bei den unteren Wasserbehörden, Städten, Ämtern und Gemeinden öffentlich ausgelegt.

. Verbote resultieren aus diesen Karten, nicht die möglichen Hochwasserschutzmaßnahmen. An der Schwarzen Elster werden zukünftig Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, die das Schadenspotenzial bei starkem Hochwasser minimieren sollen. Auf einer Veranstaltung wurden im Vorfeld bereits Interessierte über die geplante Festsetzung und die dort geltenden Regeln sowie den Ablauf des Verfahrens informiert, heißt es in einer Pressemitteilung des zuständigen Ministeriums. Auf diese Weise sollten frühzeitig alle Beteiligten vor Ort einbezogen werden. Die Festsetzung eines Überschwemmungsgebietes verfolge nicht zuletzt das Ziel, die Bürger und die Unternehmen auf eine etwaige Hochwassergefährdung hinzuweisen und sie zum Ergreifen geeigneter Vorsorgemaßnahmen zu veranlassen.

 

                                  

Der Bund fordert diese Übersicht für Risikogebiete, in denen ein Hochwasser statistisch alle 100 Jahre zu erwarten ist. Demnach wären Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Uebigau-Wahrenbrück und Herzberg besonders betroffen – auf der Überschwemmungskarte für den Flussverlauf in Elbe-Elster färben sich die urbanen Gebiete dunkel ein.

 

"Diese Karten dienen zukünftig jenen, die Entscheidungen zu treffen haben, bei baulichen Angelegenheiten beispielweise. Es gibt einen Gefahren- und Verbotskatalog zur Orientierung", sagt Abteilungsleiter Wasser und Bodenschutz MUGV, Kurt Augustin.

Zwar gelte für die bereits vorhandenen Ackerflächen oder Baugebiete Bestandsschutz, neue zu erschließen oder zu erweitern wird zukünftig allerdings schwieriger. Überschwemmungsgebiete werden dann für eine neue Bebauung oder Erweiterungen tabu sein. "Allerdings werden diese Karten novelliert werden müssen, wenn man Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt hat", sagt Augustin.

Ungeachtet der ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete erarbeiten Land und Bund gerade die regionalen Maßnahmen für den Hochwasserschutz entlang der Schwarzen Elster, so Augustin. "Der Katalog wird im Juni vorgestellt", sagt er. In Bad Liebenwerda beispielsweise seien bislang zwei Varianten im Gespräch. Augustin: "Derzeit sind das Stadtgebiet und Flächen rundherum als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Nach der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen wird die Karte ganz anders aussehen."

Zum Thema:
Im Frühjahr wird die regionale Planung zum Hochwasserschutz an der Schwarzen Elster fertiggestellt, im Juni 2015 vorgestellt. Am 22. Dezember 2014 wird der Hochwasserrisikomanagementplan für die komplette Elbe ausgelegt und wird auch im Internet einzusehen sein. Stellungnahmen können innerhalb eines halben Jahres eingereicht werden.

Corinna Karl

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 10.12.2014

 

Wo sich Elbe, Elster und Spree ausbreiten dürfen

Land weist erste Überschwemmungsgebiete aus

Region Das Land Brandenburg ist dabei, Überschwemmungsgebiete in den Fluss-Einzugsgebieten von Elbe und Oder auszuweisen. Damit will es besser auf Hochwasser vorbereitet sein. Im Elbe-Elster-Kreis regen sich schon Protest und Unmut; der Spreewald wird noch bis Mitte 2015 auf konkrete Informationen warten müssen.

Große Teile der Herzberger Kernstadt sind in den Elbe-Elster-Entwürfen als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Die letzten Hochwasser haben gezeigt, warum.

Foto: Rudow

Viele Lübbenauer kennen Kurt Augustin mittlerweile, der Mann hat einige Sitzungen zu Hochwasser-Problemen in der Stadt moderiert. Vielleicht hat der Abteilungsleiter aus dem Umweltministerium deshalb einen Blick auf die Spreewald-Stadt geworfen und die erste Regionalkonferenz zur Ausweisung von Überschwemmungsgebieten sowie zur Wasserrahmenrichtlinie im Süden des Landes dort abhalten lassen. Wie sich zeigte, war das – vorsichtig formuliert – ungünstig.

Denn Schwerpunkt der Informationen waren das Elbe-Einzugsgebiet und dabei die Schwarze Elster. Diese setzt den Gemeinden und Bürgern im Elbe-Elster-Kreis zu – mal durch Hochwasser und jetzt durch den geplanten Kampf dagegen. Zumindest dürften die Spreewälder im Publikum wenigstens ahnen, was auf sie zukommt, wenn voraussichtlich im Sommer – so ganz genau weiß es niemand zu sagen – die Karten für die Spree vorliegen werden.

Anhand der für die Schwarze Elster bereits ausgelegten Karten und Daten macht sich Angst zwischen Elbe und Elster breit: Wo kann künftig noch gebaut werden? Welche Flächen sind landwirtschaftlich noch nutzbar? Bürgermeister schimpfen über zu wenig Informationen und fühlen sich nicht zeitig genug einbezogen, Landwirte sehen gar ihre Heimat verloren gehen. Und auch beim Bergbausanierer LMBV in Senftenberg gibt es offenbar einigen Klärungsbedarf, wo beispielsweise Anlagen zur Grubenwasserreinigung entstehen können.

Kurt Augustin kennt diese Kritiken, und mit Regionalkonferenzen und weiteren Veranstaltungen will er ihnen begegnen. Damit will er sich auch wehren gegen Sätze wie den vom Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, Kurt Tranze, der in einem RUNDSCHAU-Interview gesagt hatte: "Da hat jemand am grünen Tisch zu viel blaue Farbe verschüttet." Augustin und seine Mitarbeiter betonen dagegen die intensive Vorarbeit auch an Ort und Stelle, um die geeigneten Vorhaben auszuweisen, mit denen einem "hundertjährigen Hochwasserereignis" entgegengewirkt werden könne: Dazu zählen der Bau von Deichen, die Sanierung oder Verlegung bereits bestehender Anlagen, mittlerweile aber mehr und mehr die Nutzung von Flutungsflächen. "Wir brauchen diese Flächen, die Landnutzer wollen einen Obolus dafür. Das muss verlässlich geregelt werden." Man werde aber "nicht alle Flächen aus der Nutzung nehmen" und niemandem "die Heimat wegnehmen". Es gehe auch nicht um künstliche Flutung, sondern um die Flächen, auf die sich die Gewässer von Natur aus ihren Weg bahnen. Allerdings werde man, wenn nötig, zwar fachliche Fehler berichtigen, sich aber nicht Nutzer-Konflikten beugen. "Lage ist Schicksal", solche Sätze dürften Leuten nicht all zu viel Hoffnung machen, deren Grundstücke künftig in Überschwemmungsgebieten liegen.

Die Vorschläge für die Schwarze Elster liegen noch bis zum 6. Februar (2015) öffentlich aus, unter anderem bei den Unteren Wasserbehörden. Dort werden Hinweise, Kritiken und Anregungen gesammelt.

Etwa 400 Millionen Euro seien in Brandenburg bereits für den Hochwasserschutz ausgegeben worden, und die "Investitionen wirken". Ziel ist es, neben dem Hochwasserschutz auch die Qualität der Gewässer zu verbessern. Augustin: "80 Prozent der 190 Seen im Land sind in keinem guten Zustand, was die Wasserqualität betrifft." Bei den Flüssen sind es gar 90 Prozent. Die Gründe sind vielfältig: Die meisten Gewässer sind ökologisch nicht durchlässig, es gibt zu viele Nährstoffe im Wasser und es drücken Altlasten durch Tagebaue. Der Spreewald hat damit so seine Erfahrungen, viele Vorhaben aber im Gewässerrandstreifenprojekt erledigt.

Zum Thema:

 


Im Elbe-Elster-Kreis liegen die Entwurfskarten für die Überschwemmungsgebiete der Schwarzen Elster und ihrer Zuflüsse derzeit in den Stadt- und Amtsverwaltungen, zumeist in den Bauämtern, aus. Sie können dort zu den Öffnungszeiten der Verwaltungen eingesehen werden. Die einzelnen betroffenen Flurstücke sind bezeichnet. Beim Land laufen seit geraumer Zeit Vorplanungen für den Hochwasserschutz. Mit der Realisierung dieser Schutzmaßnahmen sollen die Überflutungsgebiete den neuen Bedingungen angepasst werden.In Herzberg werden die Vorplanungen am 4. Februar
(2015) auf einer Veranstaltung vorgestellt. Der genaue Termin einschließlich Uhrzeit und Ort wird noch bekannt gegeben.

Jan Gloßmann ru  

Quelle: Lausitzer Rundschau, 17.01.2015

 

Cantdorfer fordern Hochwasserschutz

Bürger wollen für die Instandsetzung alter Gräben und die Schließung des Deiches kämpfen

Spremberg/Cantdorf Die Einwohner von Cantdorf fühlen sich beim Hochwasserschutz für ihr Siedlungsgebiet weiterhin allein gelassen. Jetzt wollen sich die Bürger mit vereinten Kräften wehren und mit einem eigenen Konzept in die Offensive gehen. Sie fordern, dass das alte Grabensystem wieder instandgesetzt und ein fehlendes Stück Deich an der Spree ergänzt wird.

Beim Hochwasser 2013 waren Straßen und Wege in Cantdorf in braunen Fluten verschwunden. Sie wurden zu Wasserstraßen. Foto: wr

15 Monate ermüdender Korrespondenz mit Landesämtern, Staatskanzlei und Landesregierung liegen hinter Kerstin Wussow. Die Cantdorferin hatte gleich nach dem schlimmen Hochwasser vom Juni 2013 – als ein Großteil des Ortes erneut überflutet worden war – den Schriftverkehr mit den Behörden gestartet und eine Petition mit der Forderung nach besserem Schutz vor den braunen Wassermassen verfasst. "Doch wir haben als Antwort nichts als Allgemeinplätze und Schulterzucken bekommen", blickt die Cantdorferin enttäuscht zurück. Die Einwohner seien lediglich vertröstet worden, dass Cantdorf im Tal der Spree gelegen schon immer ein Überflutungsgebiet gewesen sei.

Doch vor Jahrzehnten ist das Spreewasser auch noch hell und farblos gewesen. "Heute haben wir dagegen eine aggressive braune Plörre in unseren Kellern stehen, die die Gemäuer und unsere Grundstücke und Wiesen mit Sulfaten, Säure, Eisen und Schwermetallen versetzt", bringt es Frank Jannack auf den Punkt. "Und unsere Familien werden mit diesem Problem nicht nur zehn Jahre, sondern vielleicht 110 Jahre zu tun haben und mehrere Hochwasser verkraften müssen", ergänzt er.

Der Cantdorfer will deshalb gemeinsam mit anderen Einwohnern eine Initiative ins Rollen bringen, um geeignete Maßnahmen für den Hochwasserschutz anzustoßen. Was für Maßnahmen das sein könnten, hat Udo Nickusch als Vertreter der Anglerverbände am Mittwochabend im proppevollen Saal der Cantdorfer "Linde" vorgestellt. Denn auch die Angler, die an den Cantdorfer Wiesen im Flussgebiet der Kochsa ein größeres Angelgewässer betreiben, fordern: Cantdorf darf kein Überschwemmungsgebiet der braunen Spree sein.

Das Konzept von Nickusch sieht vor, dass mehrere alte Entwässerungsgräben wieder ertüchtigt werden, darunter der vor Jahrzehnten zugeschüttete Graben entlang dem alten Stadtbahngleis. Über einen neu zu schaffenden Grabenlauf könnten zwei Altgrabensysteme miteinander verbunden werden, die das Wasser der Kochsa über den Angelteich an den Cantdorfer Wiesen führen und erst eineinhalb Kilometer weiter flussabwärts in die Vorsperre der Spree entwässern. "Die bisherige Kochsamündung, über die das Hochwasser immer nach Cantdorf hineindrückt, kann dann geschlossen werden. An dieser Stelle müsste natürlich ein fehlendes Deichstück ergänzt werden", erläuterte Udo Nickusch.

Bei den Cantdorfer Familien, die nahezu komplett am Mittwoch zur Einwohnerversammlung erschienen waren, stieß der Vorschlag auf deutliche Zustimmung. So beispielsweise auch von Werner Schiemenz. "Vor allem die Grabenbauwerke parallel zur Spree würden sicher etwas bringen. Dann könnten viele Cantdorfer Familien wieder etwas ruhiger schlafen", sagte er. Thomas Hanko erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Stadt Spremberg eigentlich schon mal den Bau einer Rückschlagklappe an der Einmündung der Kochsa in die Spree versprochen hatte. "Das würde zumindest kurzfristig und zeitnah bei kleineren Hochwassern helfen – bis wir den langen Weg der Genehmigungen und Planungen für dieses Konzept gegangen sind", sagte er.

Das Cantdorfer Konzept zum Hochwasserschutz soll jetzt umgehend bei Stadt, Landkreis und Landesbehörden bekannt gemacht werden. "Wir hoffen, das unsere Vorschläge in die geplante Studie zum Hochwasserschutz an der Spree einfließen", erklärte Frank Jannack. Die Studie sollte bis 2014/15 vorliegen.

Kommentar zum Artikel: Bürger lassen sich nicht abspeisen

Zum Thema:
An der Veranstaltung in Cantdorf nahmen mehrere Spremberger Stadtverordnete teil. Peter Reininger (CDU), Egon Wochatz (CDU), Klaus Grüneberg (SPD) und Jens-Uwe Winkler (BI SPB) ermunterten die Einwohner ausdrücklich, mit dem Konzept bei den verantwortlichen Behörden beim Landkreis und Land vorzusprechen. Sie sicherten auch ihre Unterstützung zu.

Catrin Würz

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 23.01.2015

 

Die Frist läuft ab – noch liegen die Entwürfe für Überflutungsgebiete aus

Potsdam Brandenburg will seine Überschwemmungsgebiete neu ordnen und beginnt dabei mit der Schwarzen Elster. Die Kartenentwürfe liegen seit Januar in den betroffenen Gebieten aus.

 

Hier fließt was zusammen – im Zahnaer Ortsteil Elster mündet die Schwarze Elster in die Elbe. Bei Flut potenziert sich hier dann die Gefahr. Foto: dpa

Nun läuft die Frist ab, bis zum morgigen Freitag (06.02.2015) noch können die Entwürfe von Betroffenen eingesehen werden. Bis zum 23. Februar (2015) ist es dann möglich, bei den unteren Wasserbehörden der Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster Einwendungen einzubringen. Denn in den Orten gelten bei Inkrafttreten der Karten einige Verbote. Sie betreffen unter anderem Neubauvorhaben.

Laut Umweltministerium sind bislang zwei Schreiben von betroffenen Bürgern eingegangen. Dabei gehe es unter anderem um Bedenken, dass Immobilien an Wert verlieren könnten, wenn sie zum Überschwemmungsgebiet gehören. Und es gebe die Sorge, dass die Gebiete künstlich überflutet werden könnten. Diese Angst sei unberechtigt, denn es gehe bei den Überschwemmungsgebieten ausschließlich um natürliche Hochwasser, hieß es aus der Politik. dpa/b

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.02.2015

 

"Sonderplan Hochwasserschutz für jeden einsehbar" -

unter dieser Überschrift kann jeder seit dem 05.03.2015 unter der Adresse:

www.cottbus.de/hochwasserschutz

ausgewiesene Überschwemmungsflächen, bezogen auf die Spree ab Talsperre Spremberg bis unterhalb Stadtgebiet Cottbus

(Brücke Dissen) einsehen.

In abrufbaren Lageplänen sind die Überschwemmungsflächen für verschiedene Hochwasserszenarien ausgewiesen und die sich an

ausgewählten Stationen einstellenden Wasserstände der Spree für Hochwässer verschiedener Größenordnungen  (Q= 90 m3/s,

Q= 110 m3/s, Q= 130 m3/s, Q= 150 m3/s, Q= 199 m3/s) aus entsprechenden Tabellen zu entnehmen.

 

Der "Sonderplan Hochwasserschutz des Katastrophenstabes der Stadt Cottbus, Stand: 21.11.2014" wurde

im Auftrag der Stadt Cottbus, FB Umwelt, Natur durch den Auftragnehmer : gerstgraser Ingenieurbüro für Renaturierung Cottbus

erarbeitet und am 26.02.2015 veröffentlicht.

 

Anm.: Vielleicht wäre es sinnvoll, eine Verschneidung der verschiedenen Hochwasserspiegellagen mit hochaufgelösten digitalen

Geländeaufnahmen (z.B. google Earth, bing oder anderen geeigneten Satellitenaufnahmen) zu erwägen, damit sich

der im Kartenlesen nicht so geübte Bürger einen besseren Überblick zu den durch die Hochwässer gefährdeten Flächen

verschaffen kann.

 

Lübbenau gräbt sich das Wasser ab

Nord- und Neustadtgraben sollen einen Teil der Stadt entlasten / Zwei Jahre Bauzeit

Lübbenau Die Stadt Lübbenau will erste konkrete Vorhaben zum Schutz vor Hochwasser umsetzen – gegebenenfalls über Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Begonnen wird mit Nord- und Neustadtgraben.

 

So sah es im Mai (2014) in der Sparte "Jugend" in Lübbenau aus. Ein Grabensystem soll Abhilfe schaffen. Foto: Jan Gloßmann

Alte Lübbenauer werden wohl einiges davon wiedererkennen. "Wir werden zum Teil die alten Grabensysteme wieder ertüchtigen", erklärte Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) im Hauptausschuss bei einer kurzen Präsentation der Pläne. Diese beschreiben ein Netz von Gräben, das überschüssiges Wasser schneller aus dem südöstlichen Teil der Neustadt abfließen lässt.

Entsprechende Vorplanungen hat die Stadt initiiert und teilweise vorfinanziert. Einen weiteren Teil der Planungskosten wird der Bergbausanierer LMBV übernehmen, sagte Wenzel. Die Verwaltung will zur Sitzung der Stadtverordneten am 24. September einen Beschlussvorschlag einbringen, wie weiter verfahren werden soll. Konkret geht es dabei um ein Finanzvolumen von 600 000 Euro. Ein Teil des Geldes für die voraussichtlich fast zwei Jahre dauernden Arbeiten werde bereits im Entwurf für den kommunalen Haushalt 2015 stehen, kündigte das Stadtoberhaupt an. Derzeit werde mit der LMBV verhandelt, wer welchen finanziellen Anteil zu schultern hat.

Die Stadt werde dabei viel Geld aufwenden, obwohl sie nicht zwingend für alles zuständig sei. Wenzel: "Wir wollen aber die Chance nutzen voranzukommen." Die Arbeiten seien ein wesentlicher Baustein der so genannten "Lupe Lübbenau", unter der die anhaltenden Probleme mit dem Wasser betrachtet werden.

Die teils heftigen Überflutungen sind Folge einer Mischung aus gestiegenem Grundwasser und heftigen Niederschlägen – das Wasser von unten wie oben trifft auf ein weitgehend vernachlässigtes oder gar zugebautes altes Grabensystem. An diesen Zuständen haben viele Anteil, seien es Behörden und Verbände, die in trockeneren Zeiten die Gräben aus den Augen verloren, sein es Anlieger, die Unrat oder Bauschutt dort entsorgten oder gar Lauben über Gräben bauten.

Doch seit dem Hochwasser 2010 wendet sich das Blatt, die Nässe fließt nur schlecht ab aus der Stadt. Dauerhaft feuchte Keller sind nur eine Folge.

Im kommenden Jahr (2016) könnte den Plänen zufolge nun der Nordgraben wieder ertüchtigt werden (siehe Karte). Dazu soll es einen Stichgraben geben. Darauf warten unter anderem die Kleingärtner der Sparte "Jugend" sehnsüchtig. Sie hatten zuletzt Ende Mai nach heftigem Regen eher Wasserstraßen und Teiche statt Wege und Gärten.

Doch die Hilfe diene nicht allein der Sparte, so Wenzel. Über den Nordgraben sei zu DDR-Zeiten Wasser aus dem Kraftwerksgelände abgeleitet worden. Geplant ist zudem ein Neustadtgraben, der etwa hinter den Spreewald-Werkstätten Wasser aufnehmen soll. Die Gräben sollen künftig vom Wasser- und Bodenverband "Oberland" Calau gepflegt werden.

Entstehen oder wieder hergerichtet werden zudem mehrere Durchlässe, ohne die das gesamte System zum Scheitern verurteilt wäre. Zwei dieser Bauwerke sollen unter der Kraftwerkstraße hindurchführen, für die der Landkreis Oberspreewald-Lausitz zuständig ist. Die Deutsche Bahn will einen Durchlass unter den Gleisen nach Senftenberg 2016 sanieren. In dem Jahr sollen auch weitere Arbeiten stattfinden. Ziel, so Wenzel, ist es, die Arbeiten bis Ende 2016 abzuschließen.

Jan Gloßmann

Quelle: Lausitzer Rundschau, 29.08.2014

 

Anm.: Es stellt sich die Frage, wo sind eigentlich die jährlich zu entrichtenden festgesetzten

Umlagen der Grundstückseigentümer für den Unterhaltungsaufwand des zuständigen

 Wasser- und Bodenverbände geblieben.

In mir bekannten Fall betrug die Umlage je Ar für den WBV: 0,0706 € / Jahr.

 

Auch in der Lausitz gibt es ein Leben nach der Braunkohle

Filmische Bilanz der Spreeauen-Renaturierung

Cottbus. Es ist das größte Flussumbauprojekt Brandenburgs: Über einen Zeitraum von fast zehn Jahren wurde der Lauf der Spree zwischen Schmogrow (Spree-Neiße) und Cottbus-Döbbrick völlig verändert, die Uferzonen renaturiert und Lebensräume für bedrohte Tierarten geschaffen.

 

                                                          

Premiere im Obenkino: Lebensader Fluss – die Renaturierung der Spreeaue, ein Dokumentationsfilm von Donald Saischowa. Foto: mih1

 

Der Cottbuser Filmemacher Donald Saischowa hat die Renaturierungsmaßnahmen begleitet und im Auftrag des Energiekonzerns Vattenfall dokumentiert. Aus diesem Material und zahlreichen Interviews hat er jetzt den Film "Lebensader Fluss" zusammengestellt, der im Cottbuser Obenkino erstmals gezeigt wurde.

Der Film dokumentiert die Geschichte der Renaturierung: Das Energieunternehmen Vattenfall kompensiert damit die Abbaggerung der Fischzuchtteiche Lakoma, die unter europäischem Schutz standen. Die politischen Diskussionen um die damalige Abbaggerung, die vehementen Proteste von Umweltgruppen und die Besetzung der Lakomaer werden im Film ausgespart. Saischowa zeigt den technischen Vorgang des Flussumbaus: Da kommen Mitarbeiter der Baufirmen ebenso zu Wort wie Vertreter von Vattenfall, das federführende Ingenieurbüro Gerstgraser, Ornithologen und Vertreter der Teichwirtschaft, die ihre Karpfenaufzucht zugunsten des Tagebaus umstrukturiert haben. Das Fazit der Interviewpartner: Die neu entstandene Flusslandschaft sei ein vollwertiger Ersatz für die zerstörten Lakomaer Teiche, die Umsiedlung der bedrohten Tier- und Pflanzenarten geglückt, der Tourismus werde bereichert.

Dr. Christoph Gerstgraser, Chef des gleichnamigen Ingenieurbüros schilderte den Wandel einer strukur- und artenarmen Spree hin zu einem dynamischen Gewässer mit hoher Artenvielfalt und hohem Freizeitwert. Immerhin 30 Millionen Euro hat Vattenfall in das Projekt investiert – das Ergebnis wurde von fast allen Anwesenden als gelungen gelobt. Einzig Dr. Martin Kühne, Stadtverordneter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erinnerte: "Lakoma musste verschwinden, damit das Kraftwerk Jänschwalde 18 Monate Volllast fahren konnte." Auch vor dem nächsten Großprojekt der Renaturierung, dem Cottbuser Ostsee, warnte er. "Der See hat eine Fläche von 19 Quadratkilometern, ist aber im Schnitt nur 2,7 Meter tief. Man stelle sich vor, was aus so einem flachen See in einem heißen Sommer wird – eine trübe Brühe." hil

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 26.03.2015

 

Puffer für 35 Millionen Kubikmeter

Nutzung der Tagebauseen für Hochwasserschutz machbar / Aufwand: 15-20 Millionen Euro

Falkenberg Die Tagebauseen sind als leistungsfähige Hochwasserspeicher geeignet. Das ist ein Ergebnis der vom Land Brandenburg in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz an der Schwarzen Elster. Das andere: Die endgültige Nutzung benötigt neue Planungen, teils umfangreiche Bauarbeiten und kostet Geld – 15 bis 20 Millionen Euro.

Warten mit vielen Zahlen und Fakten auf: Matthias Grafe, Frank Trosien (Landesumweltamt) und Kurt Augustin (Umweltministerium). Foto: F. Claus

Die Hochwasserkonferenz am Donnerstag (18.06.2015) in Falkenberg hat viele neue Erkenntnisse gebracht. Zwei Komplexe wurden besonders beleuchtet.

Flutung der Tagebaurestseen. Diese Zahl hat aufhorchen lassen: Die Tagebaurestseen in der Lausitz können zwischen 35 und 40 Millionen Kubikmeter Hochwasser aufnehmen. Das ist die gute Botschaft, die allerdings eine Konsequenz erfordert: Zwischen 15 und 20 Millionen Euro müssen aufgewendet werden, um unter anderem neue Überleiter zu bauen beziehungsweise vorhandene für diesen Zweck zu ertüchtigen.

Durchgängige Euphorie bei den Anwohnern an der Schwarzen Elster ist zudem fehl am Platze. Denn es gibt einen zweiten Teil der Botschaft: Während die Einwohner rund um Senftenberg aufatmen können, hilft die Flutung der Restseen flussabwärts von Elsterwerda nur begrenzt. Da kommt im Hochwasserfall schon wieder viel neues Wasser aus Großer Röder und Pulsnitz dazu.

Michael Moder von der Fugro Consult GmbH, die für das Land Brandenburg die Machbarkeitsstudie erstellt hat, stellt jedoch klar: Prinzipiell wird die Flutung der Restseen eine deutliche Entlastung bringen, weil der Scheitel bei Senftenberg gekappt wird. Untersucht wurden drei Szenarien: Hochwasserereignisse, bei denen entweder 33, 54 oder 65 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu bewältigen sind. Als Auffangbecken wurden der Speicher Niemtsch (Senftenberger See), die Seenkette Bluno und die Restlochkette (Partwitzer-, Sedlitzer-, Geierswalder- und Großräschener See) untersucht. Dass zwischen 35 und 40 Millionen Kubikmeter eingeleitet werden können und dafür vermutlich 15 bis 20 Millionen Euro aufgewendet werden müssen, ist allerdings eine sehr verkürzte Darstellung der wirklichen Anforderungen, die es noch zu ermitteln gilt: Welche Konsequenzen hat die im Gegensatz zur Flutung veränderte Fließgeschwindigkeit, was bedeutet der enorme Wassereintrag für die Gewässergüte, welche Auswirkungen hat so ein Ereignis für die Standsicherheit der Böden, und, und, und.

                            

                              Foto: Neumann/lr

Reinhard Heepe aus Senftenberg wertete es als einen Erfolg der Bürgerinitiative, dass das Land die Machbarkeitsstudie überhaupt in Auftrag gegeben hat und sieht seine Vermutung als bestätigt an: Wäre das früher passiert, hätten die Überschwemmungsgebiete entlang der Schwarzen Elster nicht so groß ausgewiesen werden müssen. Kurt Augustin, Referatsleiter im Umweltministerium, machte auf den langen Realisierungszeitraum aufmerksam, der nötig sei, um die Tagebauseen als Hochwasserspeicher zu nutzen – gerechnet wird zwischen 10 und 20 Jahren – und sah angesichts der immer kürzer aufgetretenen Hochwasser in den vergangenen Jahren die Ausweisung für gerechtfertigt an.

Hochwasserschutz am Flussverlauf. Frank Trosien, Koordinator für die Umsetzung des Hochwasserrisikomanagements, wartete mit verständlichen, faktenreichen Erläuterungen des momentanen Ist-Zustandes auf. Etwa 160 Quadratkilometer Retentionsflächen stehen demnach entlang der Schwarzen Elster zur Verfügung. Die Städte seien dabei bereits herausgerechnet, weil es umfangreiche Planungen für den Hochwasserschutz gebe (siehe Grafik). Die darin veranschaulichten Zahlen der Investitionen würden deutlich machen, dass Hochwasserschutz von heute auf morgen nicht machbar sei. Momentan gebe Brandenburg für das gesamte Land jährlich 50 Millionen Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen aus. Allein an der Schwarzen Elster seien 150 Millionen Euro nötig.

 

Frank Claus

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 20.06.2015

Ab sofort wird entschlammt

Minister startet Pilotprojekt für Befahrbarkeit und Hochwasserschutz im Spreewald

Lübben/Neu Zauche Im Spreewald darf Schlamm wieder zu Dünger werden. Allerdings bis jetzt nur an ausgewählten Stellen. Drei kurze Kanalabschnitte werden von hinderlichem Sediment befreit zugunsten von besserem Wasserdurchfluss und Hochwasserschutz. Dem Pilotprojekt ging ein langer Kampf voraus.

Landrat Stephan Loge und Minister Jörg Vogelsänger (beide SPD, v. l.) sind mit Pressevertretern am Dienstag in den Peterkanal gefahren. Dort hebt ein Bagger Schlamm aus, damit das Fließ befahrbar bleibt. Foto: Ingvil Schirling

Seit dem gestrigen Dienstag ist am Peterkanal bei Neu Zauche ein wichtiger Anfang gemacht. Jörg Vogelsänger (SPD), Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, reiste persönlich an, um den Startschuss zu geben. Da war der Spezialbagger schon dabei, Schlamm und Sediment aus einem rund 500 Meter langen Abschnitt des Peterkanals auszuheben. Die Masse soll auf umliegende Forstflächen versprüht werden. Genau darum geht es bei dem Pilotprojekt.

Was jahrhundertelang im Spreewald gang und gebe war – Fließe auszubaggern und den Schlamm als Dünger zu nutzen – wird nun neu angegangen. Hintergrund sind diverse Gewässer-, Natur- und Bodenschutzrichtlinien, die es unmöglich machen, das ausgehobene Sediment wie früher einfach auf den Feldern auszubringen. Umfangreiche Beprobungen, Vor- und Nachuntersuchungen sind heutzutage nötig.

Doch mit dem Ausbaggern am Peterkanal ist immerhin ein Anfang gemacht. "Es ist gut, dass überhaupt begonnen wurde", kommentiert Jens Martin, Bürgermeister von Alt Zauche Wußwerk. Er ist einer von vielen Spreewäldern, die über Jahre hart für dafür gekämpft hatten, den Schlamm wieder auszubaggern und damit zu düngen. "Das kann jedoch nur ein Anfang sein. Es muss kontinuierlich weitergehen, damit die Schiffbarkeit der Fließe weiter gegeben ist. Davon haben alle was: die Spreewälder, die Paddler, die Kahnfahrer, die Fischer und Jäger." Und, wie Vogelsänger betonte, auch der Hochwasserschutz. Denn die Ablagerungen behindern den Wasserabfluss und verursachen damit weitere Überschwemmungen.

Jens Martin verpasste allerdings den großen Pilotprojekt-Start – er war nicht eingeladen. Und noch jemand fehlte: Tina Fischer. Die heutige SPD-Landtagsabgeordnete hatte sich im Rahmen ihres damaligen Bundestagswahlkampf des Themas angenommen und es, auch nachdem sie die Wahl verloren hatte, weiter hartnäckig verfolgt.

So hartnäckig, dass Minister Vogelsänger in Neu Zauche versicherte: "Wir wollen damit weitermachen." Denn im jetzigen Pilotprojekt sind neben den 500 Metern des Peterkanals ein ähnlich langer Abschnitt des Brodg bei Lehde sowie der Lübbener Stadtgraben rund um die Liebesinsel enthalten. Bei Letzterem kann der Schlamm nicht an Ort und Stelle versprüht werden, weil der Boden bereits zu stark bleibelastet ist, hieß es beim Vor-Ort-Termin in Neu Zauche. Das Sediment soll entwässert und deponiert werden.

Das Pilotprojekt gibt, hofft Minister Vogelsänger, Aufschluss über den tatsächlichen Aufwand der Entschlammung. "Danach haben wir hoffentlich Daten, wie viel ein Kilometer Entschlammung tatsächlich kostet." 300 000 Euro sind für das Pilotprojekt vorgesehen. Bei aller Kritik zum schleppenden Verfahren – inklusive unzähliger runder Tische, Vor- und Nachbeprobungen von Schlamm und Boden – hatten der Minister und Landrat Stephan Loge (SPD) eine weitere positive Nachricht im Gepäck: Auch die Fahrrinne des Neuendorfer Sees soll funktionstüchtig gemacht werden. Für diese kurzfristige Entscheidung zeigte sich Loge "außerordentlich dankbar". Auch dort ist die Notwendigkeit unstrittig.

Dass im gesamten Spreewald tonnenweise Schlamm ausgebaggert werden muss, steht für viele außer Frage. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich kilometerweit Sedimente angesammelt. Das Pilotprojekt soll nun nachweisen, dass das Baggergut die Böden nicht mit Schwermetallen belastet – oder eben doch. Kurt Augustin, zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium, hofft, dass möglichst an allen "neuralgischen" Stellen im Spreewald der ausgebaggerte Schlamm als Dünger verwendet werden kann, statt ihn für Millionenbeträge auf einer Deponie entsorgen zu müssen.

Die Baggergutrichtlinie, die den Entscheidungen dafür zugrunde liegt, soll novelliert werden, informierte er in dem Zusammenhang. Diese Richtlinie stammt aus dem Jahr 2001 und war in der Entschlammungs-Diskussion kritisiert worden. "Die Werte werden aber nicht verändert", stellte Augustin klar.

Ingvil Schirling

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.08.2015

 

 

Zum Jubiläum aufs sonst verbotene Gelände

 

Neuhausen Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Inbetriebnahme der Talsperre Spremberg lädt das Landesamt für Umwelt am Sonnabend, 10. Oktober (2015), vor Ort zu einem Tag der offenen Tür ein.

 

Aus der Vogelperspektive erschließt sich die Talsperre in ihrer ganzen Größe. Am kommenden Samstag können Interessierte das außergewöhnliche Bauwerk zu Fuß erkunden. Die Mitnahme von Fahrräder ist aus Sicherheitsgründen verboten, betont das Umweltamt. Foto: Michael Helbig/mih1

... Als einzige der zwölf Talsperren in Brandenburg ist der gewaltige Flachlandspeicher, dessen Lage in einem weiten, flachen Tal außergewöhnliche Anforderungen an die Konstruktion gestellt hatte, im Weltregister der großen Talsperren aufgeführt. Die Talsperre Spremberg ist das nördlichste Bauwerk eines Speichersystems im oberen Einzugsgebiet der Spree, das ab Mitte der 1950er-Jahre errichtet wurde.

Erbaut ab 1958 ging sie nach einer rund dreijährigen Probephase am 8. Oktober 1965 offiziell in Betrieb. Hauptaufgaben sind der Hochwasserschutz und die Wasserspiegelerhöhung der Spree. red/fhr

Quelle: Lausitzer Rundschau, 08.10.2015 (auszugsweise)


 

Quelle: Rundschau - 06.11.2015 REG!onal

 

Zukunftspreis Brandenburg 2015  -   Gewinner aus den Vorjahren

 Geniale Idee gegen Hochwasser

 Baufirma aus Bad Liebenwerda kämpft weiter um die Vermarktung / Variabler Hochwasserschutz keine Utopie

 

Bad Liebenwerda. Die Firma Expert Bau Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) hat gemeinsam mit dem Patentgeber Fred Derendorf ein variabel nutzbares Hochwasserschutzsystem entwickelt.

Die Idee scheint einfach und genial und sorgte deshalb auch bei den Juroren des IHK-Zukunftspreises im Jahr 2013 für große Aufmerksamkeit. Nicht von ungefähr gehörte die Bad Liebenwerdaer Firma deshalb dann auch zu den Preisträgern.

Udo Anlauft ist an der Schwarzen Elster im Süden Brandenburgs groß geworden. Der Bad Liebenwerdaer Unternehmer, der die Firma Expert Bau in der Kurstadt und im Ruhlander Gewerbegebiet betreibt, weiß, wie schnell das gemütliche Flüsschen zur Gefahr für die in den Städten und Gemeinden werden kann, wenn Hochwasser es zum reißenden Strom werden lässt. Und er weiß auch, wie mühevoll der Kampf dagegen ist. Allein das Füllen, Schleppen und wieder Wegräumen von Sandsäcken kosten viel Kraft und Zeit.

 

Firmenchef  Udo Anlauft demonstriert die variable Hochwasserschutzanlage Foto: Expert-Bau

 

Ein Zufall hatte Udo Anlauff mit dem Münsteraner Fred Derendorf zusammengeführt, der ein Patent auf eine Hochwasserschutzbarriere hat und eine Baufirma für die Umsetzung suchte. Dem erfahrenen Bauunternehmer aus der Lausitz gefiel  die Idee. Er suchte sich ein Team von Fachleuten und ging mit ihnen daran, sie in die Praxis umzusetzen. Herausgekommen ist ein flexibles Hochwasserschutzsystem, das dauerhaft und unmittelbar vor Ort installiert wird und im Notfall mit wenig Aufwand schnell verfügbar ist. Relativ schnell können die Barrieren mit Hebetechnik aufgerichtet werden. Anlauffs Team hat Barrieren in unterschiedlicher Höhe und Belastbarkeit entwickelt. Das vorgefundene Füllholz quillt bei Kontakt mit Wasser auf und verschließt die Öffnung. Eine starke und schützende Wand steht.

Wenn das Hochwasser vorbei ist, können die Betonplatten wieder umgelegt und als Fuß-, Rad- oder Wanderweg genutzt werden. Udo Anlauff hat ein Modell gebaut, das die Wirkungsweise veranschaulicht. Nicht nur den Brandenburger Zukunftspreis gab's für je erfindungsreichen Bauleute aus Bad Liebenwerda, sondern auch den Bayerischen Staatspreis.

Der Staatspreis wird seit 1952 vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert.

Trotz der genialen Idee und der vielen Ehrungen wurde diese Technik zum Hochwasserschutz in Brandenburg bis heute noch nirgends großflächig eingebaut. Einzig einen Privatflugplatz in der Alpenrepublik Österreich schützt das System aus dem Elbe-Elster-Kreis.

Unzählige Gespräche und Vorstellungen mit Ministern unterschiedlicher Coleur hat Udo Anlauft inzwischen hinter sich. Auch die Handwerkskammer Cottbus unterstützt den Unternehmer. Doch nichts bewegt sich.

 

Das Land Brandenburg legt in den Ausschreibungen zum Hochwasserschutz weiter den Schwerpunkt auf die Sanierung und den Neubau von Dämmen.

Das ärgert Udo Anlauff seit Langem. "Solange nur Dämme geplant werden, habe ich keine Chance", vermisst Anlauft den Mut zu Neuem und bürokratische Beweglichkeit in den zuständigen Landesbehörden und mutmaßt "Lobbyarbeit für den Dammbau". Nicht einmal ein Pilotprojekt, mit dem er den Beweis antreten könnte, dass das System funktioniert und das auch einen echten Kostenvergleich ermöglichen würde, wurde der Firma bis heute in Brandenburg gewährt.

Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) hat sich mehrfach von der Effektivität des Systems überzeugt und sich für den Einsatz an der Schwarzen Elster stark gemacht. red/fc

 

Anm.:

Das wäre von den zuständigen Behörden des Landes Brandenburg auch zuviel verlangt,

zumal die Idee auch noch aus Südbrandenburg kommt.

 

Anm.: Auf "hausgemachte" Probleme für sog. Binnenhochwässer ist der Verfasser schon weiter oben eingegangen,

Meist stellte sich heraus, dass eine mangelnde Binnenvorflut  die Hauptursache für Überflutungen und Vernässungen

größeren Ausmaßes sind - endlich stellt sich dafür die notwendige Einsicht ein, wie der folgende Beitrag beweist:

 

Cottbus zieht zum Schutz alte Gräben neu

Erster Abschnitt des Schimmelgrabens in Sielow fertig / 100 000 Euro Investition

Cottbus Cottbus setzt die Sanierung alter Gräben fort. Freitag ist ein Abschnitt des Schimmelgrabens in Sielow übergeben worden. Im nächsten Jahr wird der letzte Abschnitt hergerichtet. Das soll Schutz gegen Hochwasser bieten – und steigendes Grundwasser.

Michael Mucha vom Wasser- und Bodenverband Oberland-Calau bei der Übergabe des sanierten Schimmelgrabens.

Foto: Peggy Kompalla

Wo sich früher nur eine zugewachsene Mulde durch die Kleingartenanlage Am Sportplatz in Sielow zog, liegt heute ein Graben. Die Böschung ist mit Strohmatten ausgelegt. Darunter liegt Grassaat. Bleibt der Dezember so warm, wächst der Rasen an. Darüber freut sich Michael Mucha vom Wasser- und Bodenverband Oberland-Calau. Es regnet am Freitagvormittag kräftig und Wasser sammelt sich im neuen Graben.

"Der Schimmelgraben ist auf dem Teilabschnitt wieder durchgängig", sagt Mucha. Im kommenden Jahr wird der letzte Abschnitt hergerichtet. Dann ist der Schimmelgraben auf seiner gesamten Länge wieder durchlässig. André Noack vom Cottbuser Umweltamt erklärt: "Das ist wichtig, um das Wasser ordentlich abzuleiten. In Sielow sind mehrere Straßen saniert und die Entwässerung an den Schimmelgraben angeschlossen worden. Der Zufluss hat sich erhöht." Das soll insbesondere Schutz im Fall von Hochwasser und Starkregen geben. Michael Mucha erinnert aber auch an den steigenden Grundwasserspiegel.

Die nun abgeschlossene Sanierung des Graben-Teilstücks zwischen Döbbricker Straße und Windmühlenweg hat nach Auskunft von André Noack rund 100 000 Euro – inklusive der Planung gekostet. Die war besonders aufwendig, da der Graben in der Kleingartenanlage verschwenkt werden musste, um ein benachbartes altes Bauernhaus durch die Tiefbauarbeiten nicht zu gefährden. Mit den Kleingärtnern einigte sich der Verband im Guten, obwohl einige Bäume und Sträucher dran glauben mussten. Vereinschef Dieter Möckel sagt: "Wir müssen damit leben. Die Einsicht war bei allen da." Zudem sorgen jetzt Zaun und Absicherung dafür, dass künftig keine Rehe mehr durch die Gärten spazieren und die Ernte wegfuttern.

Im kommenden Jahr wird der letzte Abschnitt des Schimmelgrabens bis zum Einlauf hinter dem Café Nordstern wieder hergestellt. Die Kosten dafür gibt das Umweltamt mit 150 000 Euro an. Peggy Kompalla

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.12.2015

 

Nicht ganz am richtigen Platz, aber trotzdem lesenswert:

Anm.: Noch so ein Unsinn:

 

Cottbus wehrt sich gegen teure Fischtreppen

Land will mehr als fünf Millionen Euro in zwei gewaltige Bauwerke investieren

Cottbus Damit Hecht, Wels, Zander oder Quappe künftig durch Cottbus flussaufwärts schwimmen können, will das Land in der Stadt zwei Fischtreppen errichten. Die Bauwerke sind nicht nur gewaltig, sondern vor allem teuer. In der Stadt regt sich deshalb Widerstand.

Der Zustand der Gewässer in Europa soll sich deutlich verbessern. Die EU hat deshalb eine Wasserrahmenrichtlinie auf den Weg gebracht. Diese gilt für das Land als Handlungsgrundlage. Doch die Umsetzung ist nicht unumstritten, wie das aktuelle Beispiel in Cottbus zeigt.

Denn in der Stadt sollen sowohl am Kleinen als auch am Großen Spreewehr zwei Fischtreppen für insgesamt rund 5,5 Millionen Euro gebaut werden. ...

Doch bei den geplanten Fischtreppen handelt es sich mitnichten um kleine, unscheinbare Bauwerke, die sich problemlos in die Landschaft einfügen. 150 Meter lang, 3,60 Meter breit, 27 Becken, 28 Trennwände – so lauten die Eckdaten der Anlage am Großen Spreewehr. Ähnliche Dimensionen sind am Kleinen Spreewehr vorgesehen.

Das bedeutet: Die "Fischhebewerke", wie sie von einigen Cottbuser Stadtverordneten bezeichnet werden, brauchen viel Platz. "Der Eingriff hat mich schon schockiert", erklärt der CDU-Stadtverordnete Jörg Schnapke. Lothar Nagel (SPD) betont: "Ich sehe bei dem Aufwand die Sinnhaftigkeit nicht." Doch selbst wenn die Fische durch die neuen Treppen künftig problemlos spreeaufwärts durch Cottbus weiterziehen können – "spätestens am Stausee in Spremberg ist Schluss", so der Linke-Abgeordnete Steffen Picl. Martin Kühne (Bündnis 90/Die Grünen) ist ebenfalls skeptisch: "Vom Grundsatz her sollen die Flüsse wieder in einen Zustand wie vor 100 Jahren versetzt werden, doch ich teile das Erstaunen über die Größe und Kosten", sagt er. Hans Pschuskel (CDU) wählt einen Vergleich: "Das ist, als ob ich durch Pücklers Park eine Autobahn baue."

Die Stadt hat laut Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) massive Bedenken angemeldet. "Wir müssen mit aller Vehemenz darüber noch einmal mit dem Land reden", kündigt sie an. Sven Hering

Quelle: Lausitzer Rundschau, 15.04.2016 (auszugsweise)

 

Weitere Einzelheiten unter:

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Cottbus-wehrt-sich-gegen-teure-Fischtreppen;art1049,5446634

 

Angler entsetzt über Fischtreppen-Plan 

Cottbus. Angler reagieren mit Entsetzen auf die geplante Landes-Investition von 5,5 Millionen Euro für zwei Fischtreppen an den Cottbuser Spreewehren. "Ich frage mich, was die Fischtreppen bringen sollen, wenn doch kaum noch Fische in der Spree leben", moniert Torsten Jahn, Chef des Anglervereins Elbe-Spree. Durch das Eisenoxid im Fluss sei Fischbestand dramatisch gesunken, besonders stark zwischen Spremberg und Cottbus. pk

Weitere Einzelheiten unter:

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Angler-veraergert-ueber-Fischtreppen-Plan;art1049,5447516

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 16.04.2016 (auszugsweise)

 

Angler verärgert über Fischtreppen-Plan

Schlechter Besatz / Investition in Gewässergesundheit sinnvoller

Cottbus Richtiggehend schockiert über die Pläne des Landes für den Bau von Fischtreppen an den Spreewehren in Cottbus zeigen sich die Angler. Torsten Jahn ist der Vorsitzende des Anglervereins Elbe-Spree.

Zwischen Karlsruhe und Straßburg gibt es eine der größten Fischtreppen Europas. 290 Meter ist sie lang. Die Anlage ermöglicht verschiedenen Wanderfischarten wie dem Lachs, der Meerforelle und dem Aal den Aufstieg und das Erreichen der Oberläufe der Rheinzuflüsse. In Cottbus sollen jetzt zwei ähnliche Bauwerke, wenn auch eine Nummer kleiner, gebaut werden. Foto: Frederick Florin

Er erklärt: "Ich frage mich, was die Fischtreppen bringen sollen, wenn doch kaum noch Fische in der Spree leben." Das dringendere Problem sei das Eisenoxid. "Dadurch ist der Fischbestand dramatisch zurückgegangen", betont der Cottbuser. "Das Eisenoxid hat die Flussflora verändert, damit wandern die Fische ab oder sie sterben." Eine ganze Nahrungskette sei damit gefährdet. Auch Reiher und Eisvogel werden immer weniger und die vereinzelten Biber würden wohl auch wieder verschwinden.

Zander und Aal seien längst aus der Spree verschwunden. "Es gibt nur noch Döbel, Barsche und Plötze und ganz selten einen einsamen Hecht. Das war es aber schon", sagt Jahn. Zwischen Cottbus und Spremberg sei die Spree in einem besonders schlechten Zustand. Damit spielt der Angler nicht nur auf die Belastung mit Eisenoxid an, sondern die Beschaffenheit des Flusses im Allgemeinen. "Das ist doch nur flaches Wasser. Es ist so viel Dreck in der Spree und für die Fische gibt es keine Unterstände", moniert er und schiebt im nächsten Atemzug hinterher: "Es müssten ganz andere Dinge getan werden, um den Lebensraum für Fische zu erhalten. Zwei Fischtreppen für 5,5 Millionen sind das bestimmt nicht."

 

Weitere Einzelheiten unter:

Cottbus wehrt sich gegen teure Fischtreppen

Damit Hecht, Wels, Zander oder Quappe künftig durch Cottbus flussaufwärts schwimmen können, will das Land in der Stadt zwei Fischtreppen errichten. Artikel lesen

Darüber hinaus seien die verbliebenen Fischarten in der Spree gar nicht auf Fischtreppen angewiesen, um die Wehre zu überwinden. "Wanderfische wie Aal, Forelle oder Lachs haben wir hier gar nicht. Unsere Fische bleiben in ihrem Terrain."

In Cottbus will das Land Brandenburg sowohl am Kleinen als auch am Großen Spreewehr zwei Fischtreppen für insgesamt rund 5,5 Millionen Euro errichten. Die Dimensionen für die beiden Bauwerke sind gewaltig: 150 Meter lang, 3,60 Meter breit, 27 Becken, 28 Trennwände. Die Stadt will sich gegen die Pläne wehren. Grundlage für diese Pläne ist eine EU-weite Wasserrahmenrichtlinie, durch die der Zustand der Gewässer in Europa grundlegend verbessert werden soll. Peggy Kompalla

Quelle: Lausitzer Rundschau, 16.04.2016

 

Cottbus: Fische sollen durch Denkmale klettern

 

In der Neiße gibt es direkt am Rosengarten eine „Fischaufstiegsanlage“ (vorderer Bogen), wie nun zwei – noch etwas größer – in Cottbus entstehen sollen. Es regt sich Protest Foto:Hnr.

Mit 5 Millionen EU-Euro will das Land Fischtreppen in die Spree bauen:
Cottbus (hnr.). Das klang den Mitgliedern des Cottbuser Bau- und Wirtschaftsausschusses wie ein schlechter Scherz. Für 2,8 Millionen Euro will das Land am Großen Spreewehr EU-Normen durchsetzen und quer durch die östliche Spreeinsel eine 150 Meter lange, 3,60 Meter breite „Fischaufstiegsanlage“ aus hochwertigstem Beton bauen. Direkt in ein eben mit viel Fördermitteln hergerichtetes Denkmalgebiet! Eine ähnliche, mehrfach gewundene Anlage von 143 Metern Länge mit 22 Becken und 23 Trennwänden zum gleichen Preis soll am Kleinen Spreewehr gebaut werden und den denkmalgeschützten Frühlingsgarten zerstören.

„Verfahrensträger“ sei das Land, und die Verbindung zwischen den Landes- und den einschlägigen städtischen Bereichen sei, vorsichtig formuliert „schwierig“, erläuterte Baubeigeordnete Marietta Tzschoppe. Der Aufwand für Barsch, Blei, Wels Hecht, Zander und Quappe (wenn es die denn in der Spree gibt) sei unangemessen, waren sich die Stadtverordneten einig. Ohnehin ende die gute EU-Absicht, allen Flussfischen wieder den Weg von der Mündung bis zur Quelle zu ermöglichen, an der Bräsinchener Staumauer. Die gut fünf geplanten Millionen wären weitaus besser für Hochwasserschutz einzusetzen, wurde kommentiert.

 

Quelle: Märkischer Bote, 16.04.2016 (aussschnittsweise)

 

Weitere Einzelheiten:

http://maerkischer-bote.de/2016/04/15/fische-sollen-durch-denkmale-klettern/

 

Kutzeburger Mühle ist jetzt vor Hochwasser sicher

Graben und Stauanlage für 330 000 Euro erneuert / Stadt kündigt mehr Investitionen an

Cottbus Die Kutzeburger Mühle ist jetzt hochwassersicher. Die Erneuerung eines alten Grabens und eines beschädigten Stauwerkes machen es möglich. Kostenpunkt: 300 000 Euro. Die Stadt kündigt weitere Investitionen ins Grabensystem an.

Diesen Graben im Erlgrund hat der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau wieder geöffent. Er war völlig zugewuchert, der Durchlass marode. Nun kann das Spreewasser im Hochwasserfall in Richtung Mühlengraben abfließen. Für die Bauarbeiten im Wald gibt es Ausgleichspflanzungen. Foto: Peggy Kompalla

Die Kutzeburger Mühle gehört zu den schönsten Ecken der Stadt. Sie erinnert eher an den Spreewald als an eine Großstadt. Es ist Idylle pur. Anders sah das im Juni 2013 aus. Da trat die Spree über ihre Ufer und es stapelten sich die Sandsäcke rund um das Grundstück von Familie Suckert. "Das war ganz schön knapp damals", erinnert sich Sabine Suckert. Umso glücklicher ist sie über die Investition direkt vor ihrer Haustür.

Ein alter und zugewucherter Graben im nahe liegenden Wald wurde wieder geöffnet, die Ufer befestigt, ein Durchlass sowie ein beschädigtes Stauwerk erneuert. Damit kann nun das Spreewasser aus dem Erlengrund bei Hochwasser gefahrlos abfließen. Die Arbeiten übernahm der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau. Bei der Gelegenheit bauten die Fachleute an der Stauanlage einen neuen Pegel ein. Überschreitet er einen Richtwert wird der Wasser- und Bodenverband alarmiert. Rund 330 000 Euro hat das Gesamtbauprojekt gekostet. Das Geld kommt komplett aus dem Förderprogramm Hochwasser des Landes Brandenburg.

Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) kündigt weitere Investitionen ins Grabensystem der Stadt an. "Wir haben noch einige Prioritäten", sagt er und listet auf: "Dazu gehört das Gewässersystem Schmellwitz, aber auch Branitz. Der Zahsower Landgraben soll naturnah erweitert werden und in Sielow schließen wir in diesem Jahr die Sanierung des Schimmelgrabens ab." Dies seien die Hauptbaustellen. Die Stadt will noch in diesem Jahr weitere 450 000 Euro für die Gräben ausgeben. Die Überarbeitung des städtischen Grabensystems sei eine Mammutaufgabe für die nächsten Jahre, die Cottbus nur mithilfe von Fördergeld stemmen könne. 

 Das Stauwerk ist komplett neu und steht auf dem Grundstück von Sabine und Dieter Suckert (2.u.3.v.r.). Gallinchens Ortsvorsteher Dietmar Schulz (r.) freut sich mit der Familie über die Sanierung, genauso wie Umweltdezernent Thomas Bergner und Wasser- und Bodenverbandschef Rainer Schloddarick (v.l.). Foto: Peggy Kompalla

Die Gräben sind laut Umweltdezernent ein wichtiges Regulierungsinstrument. "Das bis 2010 in Vergessenheit geraten war. Viele Gräben waren überbaut oder zugekippt worden – trotz der Warnungen der Altvorderen", erklärt Bergner. Im Jahr 2010 kämpfte Cottbus mit einem Hochwasser, das seine Ursachen in Dauerregen und einem hohen Grundwasserstand hatte. "Wir werden künftig in kürzeren Abständen mit Extremniederschlägen leben müssen", sagt der Umweltdezernent. "Dann muss das System funktionieren." Die Gräben sind nicht nur im Hochwasserfall wichtig, sondern dienen auch bei Trockenheit zur Regulierung des Wasserhaushalts in der Stadt. Peggy Kompalla

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 03.05.2016 (auszugsweise)

 

 

Näheres unter: 

 

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Kutzeburger-Muehle-ist-jetzt-vor-Hochwasser-sicher;art1049,5459719

 

Anm.:  

In niederschlagsarmen Jahren wurde auf die Unterhaltung von Gräben und Grabensystemen kein  

Wert gelegt. Sie wuchsen zu und wurden teilweise überbaut, Durchlässe waren verstopft u.ä.

 

Diese Nachlässigkeiten rächen sich irgendwann und die Maßnahmen werden erheblich  teurer als  

eine regelmäßige Unterhaltung.

 

Es stellt sich die Frage: Wo bleiben die Protokolle der jährlich stattfindenen Gewässerschauen?  

Oder gibt oder gab es keine festzulegenden Maßnahmen in den Protokollen?

 

 

Neuer Deich schützt vor Hochwasser

150 Meter langer Abschnitt in Madlow gesichert / BUND kritisiert Materialauswahl

Cottbus Die Stadt Cottbus ist in Madlow besser vor einem Hochwasser geschützt. Auf einem 150 Meter langen Abschnitt ist der Spreedeich saniert worden. Kritik an den Arbeiten gibt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND.

 

Mit Hilfe eines Schwimmbaggers ist das Spreeufer in Madlow von der Wasserseite aus stabilisiert worden. Foto: Hering

…. Doch die Erinnerungen an die Überflutungen in den Jahren 2010 und 2013 sind in Cottbus noch allgegenwärtig. Um künftig bei solchen Ereignissen besser geschützt zu sein, wurde jetzt das linksseitige Spreeufer in Madlow saniert. Auf 150 Meter Länge war es beim letzten Hochwasser unterspült worden. Der Hochwasserschutzdeich drohte zu brechen.

"Deshalb war es dringend erforderlich, das Ufer zu stabilisieren und somit den Deich zu sichern", sagt Lothar Witschas vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Das Ufer sei nach einem bewährten Verfahren bebaut worden. Auf ein Filtervlies wurden Steine aufgeschüttet. Bis ein Meter dick ist diese Schicht. "Somit kann auch bei höheren Wasserabflüssen in der Spree keine Ufererosion stattfinden", betont Witschas.

… Die Arbeiten seien eine besondere Herausforderung gewesen, da das gesamte Material vom Wasser aus eingebaut werden musste. Dies erfolgte mit einem Amphibienbagger und Schutenbetrieb, also kleinen Booten ohne eigenen Antrieb. Witschas lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro, der Ingenieurgesellschaft RWM, und der bauausführenden Firma IWT Frankfurt. …

Deshalb sei der Bau in fast schon rekordverdächtiger Zeit von vier Wochen abgeschlossen worden. Kosten: rund 100 000 Euro.

Lothar Witschas: "Damit ist ein weiterer bisher gefährdeter Deichabschnitt im Stadtgebiet Cottbus gegen Hochwasser gesichert."

 

Anm.: Gibt es auch einmal etwas Positives seitens des BUND zu hören, als fachunkundige Einwände.

 

Doch es gibt auch Kritik an dem Bau. So stört sich der Cottbuser Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) daran, dass am Ufer ein Vlies aus Kunststoff verbaut worden ist.

Johann Staudinger erklärt: "Einerseits wird seit einiger Zeit darüber diskutiert, dass die Kunststofffasern, die durch die Abwässer in die Kläranlagen gelangen, mit neuer Filtertechnik entnommen werden sollen. Andererseits werden Tonnen an künftigem Sondermüll in den Uferbereichen eingebaut, welche in spätestens fünf Jahren zerfallen werden."

Anm. Woher bezieht eigentlich Herr Staudinger seine Weisheiten?

Der BUND wird sich laut Staudinger über den Landes- und Bundesverband dafür einsetzen, dass keine weiteren Kunststoffbahnen direkt in die Fließgewässer eingesetzt werden. "Denn es ist durchaus möglich, Geotextilien aus Naturmaterialien wie Jute oder Kokos zu verwenden", so der Cottbuser BUND-Sprecher.

Das Landesumweltamt weist die Kritik der Naturschützer zurück. Das verwendete Material werde überall in Deutschland seit Jahrzehnten eingebaut, es habe sich bewährt. Die vorgeschlagenen Alternativen seien wesentlich teurer.

Witschas: "Zuerst geht es uns um die Stabilität der Deiche, das hat Priorität."  Sven Hering

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.06.2016 (auszugsweise)

 

Ausführlich unter:

 

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Neuer-Deich-schuetzt-vor-Hochwasser;art1049,5484734

 

Hochwasser fließt an Seen vorbei

Schwarze Elster bleibt noch über Jahre eine Gefahr / Senftenberger machen mächtig Druck

Senftenberg So zügig, wie von den Anrainern der Schwarzen Elster gefordert, werden die Tagebauseen östlich von Senftenberg nicht als Hochwasserspeicher dienen. Hoffnungen auf den Start der praktischen Umsetzung noch in diesem Jahrzehnt macht das Landesumweltministerium nicht.

                                    

… Bis die ersten großvolumigen Ableiter aus der Schwarzen Elster in den Neuwieser und den Geierswalder See stehen, heißt es: Bangen und beten in Richtung des Wettergottes Petrus. Während Kleinkoschen und Senftenberg während der zurückliegenden Hochwasserlagen im Fluss – von angestiegenem Grundwasserpegel und lecken Deichen abgesehen – glimpflich davongekommen waren, wurde es weiter westlich immer kritischer. Bis hin zu Rückstau und Überflutungen im Raum Ortrand und Lindenau durch die Pulsnitz.

Obwohl die ausgewählten Seen scheinbar Unmengen an Hochwasser aufnehmen könnten, ist das tatsächliche Volumen noch nicht bekannt. Die immer wieder ins Feld geführten mehr als 60 Millionen Kubikmeter zusätzlichen Fassungsvermögens schrumpfen nach Ministeriumsangaben deutlich zusammen. Denn die für eine Pegelschwankung von etwas mehr als einem Meter sanierten Tagebaugewässer werden in regenreichen Zeiten mit einem hohen Wasserstand gefahren, um in Trockenzeiten die Elster bedienen zu können. Die Differenz steht dem Hochwasser zur Verfügung.

Alle Elster-Wellen kappen

Wie viel das ist, das wird auf der Basis der im September 2015 vorgelegten Machbarkeitsstudie noch bis in das nächste Jahr hinein berechnet. „Das Ziel ist, dass wir nicht nur eine, sondern mehrere Hochwasserwellen in der Schwarzen Elster kappen können“, schaut Augustin voraus.

Parallel dazu müssen in der Vorplanung weitere Aspekte bedacht werden: die Auswirkungen auf die Niedrigwasser-Bewirtschaftung, auf die Grundwasserstände und auf die Gewässergüte, besonders beim Zurückleiten des Seewassers. „Die Schwarze Elster darf dadurch nicht beeinträchtigt werden“, bemerkt Kurt Augustin mit Blick auf die pH-Werte in den gefluteten Tagebaugewässern.

Sind alle Rahmenbedingungen und die größtmögliche Einleitmenge klar, müsse man sich für eine der insgesamt acht Varianten entscheiden. Wichtig dabei sei, eine am wenigsten problematische Variante zu finden, bei der die Seen bergtechnisch kaum oder gar nachzusanieren sind.

Die Variantenentscheidung hat schließlich zur Folge, wie vorhandene Ein- und Auslaufbauwerke zu ertüchtigen sind und wo neue mit welcher Dimension zu errichten sind. „Dann beginnt dazu die Vorplanung“, so der Abteilungsleiter weiter. Ingenieurbüros erhalten Aufträge.

Kleinere Ableiter aus der Elster gibt es laut der Machbarkeitsstudie in den Neuwieser, Geierswalder und Senftenberger See, die für ein Hochwasser jedoch kaum Relevanz haben.

Fachmann macht Druck

Den vom Umweltministerium genannten Zeitrahmen hält der pensionierte Wasserwirtschaftler Reinhard Heepe aus Senftenberg, der seit Jahren mit anderen Fachleuten öffentlichen Druck ausübt, für nicht akzeptabel…

Manfred Feller

Quelle: Lausitzer Rundschau, 30.06.2016 (auszugsweise)

 

Ausführlich unter:

 

http://www.lr-online.de/regionen/senftenberg/Hochwasser-fliesst-an-Seen-vorbei;art1054,5501039

 

 

Reparatur beginnt am Parallelgraben der Spremberger Talsperre

Umweltministerium kündigt Absenken des Grundwasserspiegels an betroffener Stelle an / Arbeiten sollen im Trockenen stattfinden

Spremberg Die Reparaturarbeiten an der Störstelle am Parallelgraben Ost der Talsperre Spremberg haben in dieser Woche begonnen. Wie die Pressestelle des Brandenburger Umweltministeriums mitteilt, wurden dort im Februar im Rahmen der regelmäßigen Inspektion ein Wasseraustritt sowie Sedimentausspülungen festgestellt.

Den Wasserstand im Staubecken belassen die Fachleute seit Februar (2016) auf Winterhöhe, um den Druck nicht zu erhöhen. Foto: Michael Helbig

Die Gutachten zur Ermittlung der Ursache gehen davon aus, dass ein als Filter eingebautes Geotextil durch Feinstpartikel im Strömungsweg des Grund- und Sickerwassers zugesetzt wurde. …

Um den Druck auf die Grabenböschung nicht zu erhöhen, wurde der Wasserstand im Staubecken der Talsperre seit Februar überwiegend auf der Winterstauhöhe von 91,50 Metern über Normalnull gehalten. Dabei soll es bis Ende der Bauarbeiten auch bleiben.

Touristisch lässt sich das Staubecken-Gebiet nach Auskunft des Ministeriums trotzdem weiterhin nutzen. Nötig sei hingegen ein Absenken des Grundwasserspiegels im Bereich der Störstelle. Das Ziel laute dabei, den Grundwasserstand etwa einen Meter unter der Grabensohle zu halten, damit die Bauarbeiten im Trockenen stattfinden können. …

… Die mit der Reparatur beauftragte Firma sowie die Fachleute des Landesamts für Umwelt werden beim Ausbau des bisherigen Filtermaterials besondere Aufmerksamkeit auf die eingetretenen Veränderungen des Materials und des Geotextils richten. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wird später über weitere Schritte entschieden. Abhängig vom Wasserangebot kann der Stauspiegel in der Talsperre nach Ende der Arbeiten wieder auf den Betriebswasserstand von 92 Metern über Normalnull angehoben werden. Red

Quelle: Lausitzer Rundschau, 30.06.2016 (auszugsweise)

 

Ausführlich unter:

http://www.lr-online.de/regionen/spree-neisse/spremberg/Reparatur-beginnt-am-Parallelgraben-der-Spremberger-Talsperre;art1050,5502386

 

Hochwasserschäden könnten künftig größer sein als gedacht

Potsdam (dpa) Immer häufiger löst der Klimawandel in Deutschland Überschwemmungen entlang der Flüsse aus. Die Schäden sind immens. Einer neuer Studie zufolge kann es bis zum Ende des Jahrhunderts noch schlimmer kommen.

Wegen Hochwasser abgesperrtes Rheinufer in Köln. Foto: Oliver Berg/Archiv

Die durch den Klimawandel verursachten Hochwasserschäden in Deutschland könnten künftig deutlich höher ausfallen als bislang angenommen. Das teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit.

Nach neuen Berechnungen könnten sich die Schäden bis Ende des Jahrhunderts auf fast 2,5 Milliarden Euro jährlich belaufen, falls keine Vorkehrungen getroffen werden. Derzeit liegt die jährliche Schadenssumme bei etwa 500 Millionen Euro. Die Wissenschaftler hatten 5500 Abschnitte von Rhein, Donau, Elbe, Weser und Ems unter die Lupe genommen….

... In der neuen Studie wertete ein Team um PIK-Wasserexperte Fred Hattermann die Daten der Flussabschnitte auf der Basis neuester Ergebnisse verschiedener Klimaszenarien aus. «Die neuen Computersimulationen berücksichtigen eine viel größere Bandbreite an Klimaentwicklungen», sagte Hattermann.

Den verschiedenen Szenarien lagen Temperaturerhöhungen von 1,5 bis 4,5 Grad bis zum Jahr 2100 zugrunde.

Anm.: Sind das seriöse Annahmen – damit kann man wohl alles und nichts simulieren.

«Trotz gewisser Unsicherheiten bei solchen Untersuchungen ist in allen Projektionen ein Anstieg der Schäden festgestellt worden», so der Wasserexperte. Besonders stark steigen die Schäden den Berechnungen zufolge bis 2040. Dies liege vor allem daran, dass die Überflutungsgebiete entlang der Flüsse bereits stark besiedelt und nicht auf Klimaextreme vorbereitet seien, sagte Hattermann….

… Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet höhere Schaden durch den Klimawandel. «Häufiger als früher wird es künftig starke Niederschläge durch die erhöhte Bildung von Wasserdampf geben», sagte Diplommeteorologe Gerhard Lux. Einer DWD-Klimaprojektion zufolge könnten niederschlagsstarke Wetterlagen eines besonders gefährlichen Typs von 1950 bis zum Jahr 2100 sogar um 50 Prozent zunehmen.  

                                                           

Quelle: Lausitzer Rundschau, 19.07.2016 (auszugsweise)

 

 

 

Ausführlich unter: 

 

https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/hochwasser-koennten-noch-groessere-schaeden-verursachen-als-gedacht

 

Anm.:  

Hoffentlich kann sich Ende des Jahrhunderts noch jemand an die Ergebnisse der

Modellberechnungen des PIK erinnern und sie überprüfen.

 

Spreewald bekommt zwei neue Wehre

Krausnick/Potsdam (dpa/bb) Der Spreewald bekommt zwei neue Wehre. Das erste bei Krausnick (Dahme-Spreewald) nimmt am Mittwoch (10.08.2015) seinen Betrieb auf, wie das Umweltministerium am Montag in Potsdam mitteilte. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,5 Millionen Euro.

Der Neubau wurde den Angaben zufolge notwendig, weil der 60 Jahre alte Vorgänger nicht mehr den Anforderungen entsprach und baufällig war. In das neue Wehr wurde jetzt auch eine Kahnschleuse und eine Fischaufstiegsanlage integriert.

Außerdem soll für insgesamt zwölf Millionen Euro in Hartmannsdorf, einem Ortsteil von Lübben, ein neues Wehr entstehen. Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) übergibt ebenfalls am Mittwoch dem zuständigen Wasser- und Bodenverband «Nördlicher Spreewald» eine entsprechende Finanzierungszusage. Der Bund beteiligt sich mit 7,3 Millionen Euro an den Kosten. Den Rest übernimmt das Land. Das alte Wehr sei baufällig und für Fische kaum passierbar, hieß es.

Quelle: Lausitzer Rundschau, 09.08.2016

 

Land Brandenburg arbeitet an regionalem Hochwasserschutzplan

Papier schreibt Schutzmaßnahmen fest / Wiederbelegung von Flutungsflächen an der Kutzeburger Mühle

Cottbus Das Landesumweltministerium erarbeitet derzeit einen regionalen Hochwasserschutzplan für den Einzugsbereich der Spree. Die Details des Papiers sollen im ersten Quartal 2017 vorgestellt werden.

Das kündigte Kurt Augustin am Mittwoch im Stadtparlament an. Der Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz im Brandenburger Umweltministerium sprach in einer von der CDU einberufenen aktuellen Stunde zur Spree. "Derzeit werden im Spree-Einzugsgebiet regionale Maßnahmen festgeschrieben", erklärte er. Dazu gehörten in erster Linie Deich-Instandsetzungen. Aber es sollen auch Flutungsflächen wieder hergestellt werden.

Das begrüßte der Cottbuser Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU…

…Seit dem Jahr 2010 arbeitet die Stadt Cottbus eng mit dem Landesumweltamt zusammen, um die Deiche in Cottbus wieder auf Vordermann zu bringen. "Dabei haben wir schon viel geschafft", sagte Bergner und betonte: "Der beste und effektivste Hochwasserschutz sind gepflegte und ordnungsgemäße Deiche." Erst das Hochwasser im Jahr 2010 habe vor Augen geführt, in welchem schlechten Zustand sich die Anlagen befanden. "Die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen." Dabei bleibe für die Stadt die

Devise: "So viel Hochwasserschutz wir nötig und so viel Naturschutz wie möglich."

In Cottbus gibt es rund 14 Kilometer Deiche.

Kurt Augustin vom Landesumweltministerium verteidigte in der aktuellen Stunde die Pläne für die Fischtreppen am großen und kleinen Spreewehr. Dabei wird kein Geld in den Sand gesetzt", betonte er. "Auch an der Talsperre Spremberg wird es irgendwann eine bauliche Lösung geben, damit die Fische weiter in Richtung Sachsen wandern können." Unterstützung erhielt er von Martin Kühne (Grüne), der für Fraktion sprach. "Wir unterstützen diese Schlüsselvorhaben", erklärte er.

...Kühne forderte beim Bau der Fischtreppe am kleinen Spreewehr ein sensibles und transparentes Verfahren, "weil wir dort auf einen Teil der Mühleninsel verzichten müssen".

Tatsächlich liegen genau an der Stelle Stadt und Land noch überkreuz. Kurt Augustin: "Das Verfahren ist angelaufen. Aber es gibt erhebliche Einwände der Stadt in puncto Denkmal- und Naturschutz." Beide Parteien seien noch von einer Einigung entfernt. Ganz anders am großen Spreewehr: …    Peggy Kompalla

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 05.12.2016 (auszugsweise)

 

Hier können Sie den vollständigen Artikel lesen:

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Land-Brandenburg-arbeitet-an-regionalem-Hochwasserschutzplan;art1049,5727934

 

Anm.:

An anderer Stelle hat der Verfasser schon einmal auf den  "großzügigen" Verzicht  der Nutzung von Wasserkraft zur Energieversorgung im Land Brandenburg hingewiesen,

leider hat sich scheinbar an der aufwendigen Verfahrensweise zur Genehmigung von Wasserkraftanlagen nichts verändert.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dem Bau von Fischtreppenn eine weitaus höhere Priorität eingeräumt wird.

 

Spree wird noch eine ganze Weile kein Energielieferant

Langwierige Verfahren für zwei Wasserkraftwerke in Cottbus

Cottbus In Cottbus soll die Spree an zwei Stellen Energie liefern – mithilfe von Wasserkraftwerken. Doch dem Willen der privaten Betreiber stehen aufwendige Verfahren im Wege.

Während für das Kiekebuscher Wehr wenigstens das Jahr 2018 für einen Baustart in Aussicht steht, bleibt das Verfahren um das Kraftwerk am E-Werk weiter offen. Das legte Kurt Augustin vom Brandenburger Umweltministerium im Stadtparlament offen. Er sprach während einer aktuellen Stunde zur Spree, die die CDU einberufen hatte.

Demnach ist auch für das Kiekebuscher Wehr der Einbau einer Fischtreppe geplant. In dem Zusammenhang will die Boblitzer Firma LEW Lausitzer Energie- und Wasserkraftanlagen GmbH ein Wasserkraftwerk errichten. ..

… Vor 2018 werde mit dem Bau der Anlage kaum begonnen werden.

Deutlich schwieriger zeigten sich Verhandlungen um die Wasserkraftanlage am E-Werk. Dafür sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig, die Unterlagen aber unvollständig. Seit dem Jahr 2014 gebe es jedoch eine umfangreiche Korrespondenz.  Peggy Kompalla

 

Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 07. Dezember 2016, 02:38 Uhr
Geändert am: 07. Dezember 2016, 04:05 Uhr
Autor: Peggy Kompalla

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 07.12.2016 (auszugsweise) 

 

Ausführlich können Sie den Artikel hier lesen:

 

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Spree-wird-noch-eine-ganze-Weile-kein-Energielieferant;art1049,5731204

 

Cottbus gräbt an alten Gräben

Cottbus Die alte Entwässerung fiel in Vergessenheit. Dann kamen zwei Hochwasser. Nun werden die Systeme in den Statteilen wiederbelebt. Neben Schmellwitz rückt Branitz in den Fokus.

 

Der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau ist ein guter Partner für die Stadt bei der Sanierung der Grabensysteme. Derzeit arbeiten sie in Schmellwitz in der Nähe der Neuen Straße. Der Schlamm ist teils bis zu einem Meter hoch. Foto: Michael Helbig/mih1

Ein Hochwasser hat auch eine gute Seite. Zeigt es doch genau die Problemzonen, wo Flächen unter Wasser stehen, wo Keller volllaufen. Genau das ist im Jahr 2010 passiert und 2013 gleich noch einmal. Seither investiert die Stadt Cottbus kontinuierlich in die Sanierung des Grabensystems, das zu zuvor in Vergessenheit geraten war. Derzeit sind Schmellwitz und Branitz die Arbeitsschwerpunkte. In beiden Stadtteilen sollen die Gräben bis zum Jahr 2020 auf Vordermann gebracht werden.

… Überhaupt sei Branitz ein Spezialfall. Das Bauland teuer, die Grundstücke dicht beieinander. So ist manche Bebauung ziemlich dicht an alte Gräben herangerückt, die vergessen schienen, da sie gar nicht mehr funktionieren. Darüber hinaus werden die Straßen über die Gräben entwässert. "Wir werden eine Vermessung beauftragen", so Grabenfachmann Noack. Demnach sollen in Branitz der Petgoragraben, der Dorfgraben und der Weizenackergraben ertüchtigt werden. Die Kosten dafür schätzt das Umweltamt auf 280 000 Euro. Branitzer Park und Tierpark verfügen über ein eigenes System, unabhängig vom Dorf.

Den größten Aufwand betreibt die Stadt bei der Sanierung des Grabensystems in Schmellwitz. Bis zum Jahr 2020 wird sie gut eine Million Euro dafür ausgeben. Mit der Erneuerung des Durchlassbauwerkes im Jahr 2014 konnte erstmals wieder Frischwasser ins System nachfließen. Zusätzlich wurde mit der Entschlammung begonnen, 25 Durchlässe gespült. "Damit war schon viel gewonnen, aber es wird nie wieder wie in den 90er-Jahren, als die Kinder dort noch baden gingen", sagt Stephan Böttcher.

 Die Eisenhydroxit-Belastung wird demnach in Schmellwitz immer höher sein, als andernorts in der Stadt. Das liegt einfach an der Lage. Denn im Untergrund liegt Raseneisenerz. Dadurch wird es immer einen Eiseneintrag geben.

Am Grabensanierungskonzept für Schmellwitz wird fortlaufend gefeilt. Denn in dem schrumpfenden Stadtteil kommt hinzu, dass die Gräben einst sehr tief und darüber hinaus für eine deutlich stärkere Bodenversiegelung im Umfeld angelegt wurden. Sprich: "Die Dimensionierung ist nicht mehr nötig und der Rückbau einzelner Wasserbauwerke möglich", erklärt Andreas Noack. Sein Chef ergänzt: "Wir bringen das System in Schmellwitz bis zur Mündung in die Spree auf Vordermann. Das ist auch für die Skadower wichtig."

Im Dezember 2016 hat die Stadt das letzte Stück des Schimmelgrabens fertiggestellt. Damit ist Sielow wichtigstes Entwässerungssystem wieder voll funktionsfähig. Kostenpunkt: 470 000 Euro. "Der eigentliche Graben war an manchen Stellen gar nicht mehr zu sehen", berichtet Andreas Noack. Das Ergebnis: Bei Starkregen floss das Wasser in Richtung Döbbricker Straße, Keller wurden feucht. Das ist passé.

Umweltamtschef Böttcher versichert: "Wir sind noch längst nicht fertig. Es werden alle Stadt- und Ortsteile bedacht."

Zum Thema:
2011 bis 2012: Ströbitz, Zahsower Landgraben, 332 000 Euro. 2012: Kiekebusch, Weizenackergraben, 660 000 Euro. 2012: Gallinchen, Tschugagraben, 30 000 Euro.
Peggy Kompalla

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, 14.02.2017 (auszugsweise)

 

Ausführlich unter:

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Cottbus-graebt-an-alten-Graeben;art1049,5840842

Anm.:

Der Verfasser hat schon nach den sog. Hochwasserereignissen von 2010 und 2002 darauf hingewiesen (s.weiter oben), dass für die im Stadtgebiet aufgetretenen Vernässungen zum größten Teil das vernachlässigte, teilweise überbaute Grabensystem mit verantwortlich ist, da es  bei einem ordnungsgemäßen Zustand einen wesentlichen Anteil an einer Flächenentwässerung hat..

Es stellt sich an dieser Stelle wieder die Frage : Aus welchem Grund und mit welchem Ergebnis wird eigentlich jährlich mindestens einmal eine Gewässer- und Deichschau durchgeführt.

und endlich kann einmal von einem Ergebnis berichtet werden.

 

Der Landgraben fließt wieder

Cottbus Der Wasser- und Bodenverband hat den Grabenabschnitt wieder aktiviert. Bei den ersten stärkeren Regenfällen danach ist eine Überschwemmung ausgeblieben.

 (ue) Große Erleichterung in Ströbitz. Das Überschwemmungsproblem in der Ströbitzer Hauptstraße scheint gebannt. Am 1. September 2015 hatte ein extremer Starkregen die gerade sanierte Straße in einen Fluss verwandelt. Die in kurzer Zeit niedergegangenen Wassermassen hatten das Abflusssystem der gerade sanierten wichtigsten Verbindungsstraße im ländlich geprägten Stadtteil völlig überfordert. …

… Der Bürgerverein hatte das Problem im Oktober 2016 bei einem Ortsteilrundgang mit Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) angesprochen und damit den Landgraben erst in den Fokus der Fachleute gerückt….

"Der Wasser- und Bodenverband hat den Grabenabschnitt Ende Februar (2017) aktiviert", berichtet Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Dabei wurde das Grabenprofil wiederhergestellt. Bei den ersten stärkeren Niederschlägen in den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass das Wasser abfließt. Eine Überschwemmung ist ausgeblieben.

Mit Verwunderung haben die Ströbitzer zur Kenntnis genommen, dass der Landgraben, der als Gewässer zweiter Ordnung regelmäßiger Kontrolle und Pflege bedarf, zuvor aus dem Blickfeld der Experten geraten war. …

Anm.:

Wie werden eigentlich die zweimal jährlich stattfindenden Gewässer- und Deichschauen organisiert. Warum sind die Mängel am Landgraben erst so spät

und dann auch noch durch Hinweise von Bürgern bemerkt worden.

Übrigens diese Fragestellung wurde schon in einem meiner früheren Beiträge gestellt.

 

Mit der jetzt erreichten Lösung sind sie aber zufrieden. "Thomas Bergner hat alles Notwendige in die Wege geleitet", stellt Helga Nattke vom Bürgerverein fest. Auch der Umweltdezernent zeigt sich zufrieden: "Durch die Hinweise der Bürger haben wir das Thema jetzt wieder auf dem Schirm."

Quelle: Lausitzer Rundschau, 13.04.2017 (auszugsweise)

 

Ausführlich unter:

http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Der-Landgraben-fliesst-wieder;art1049,5938915

 

 

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